Raketen auf Schiffe im Roten Meer und den Süden Israels: Die schiitische Huthi-Miliz aus dem Jemen greift massiv in den Gaza-Krieg ein – nun könnten der Gruppe härtere Sanktionen drohen. Der Überblick.
Medien: Huthi sollen wieder auf US-Terror-Liste

Nachdem die jemenitische Huthi-Miliz eine Reihe von Angriffen auf den Schiffsverkehr im Roten Meer verübt hat, plant die US-Regierung laut Medienberichten, die schiitische Gruppe erneut als weltweit agierende Terroristen einzustufen. Dadurch könnten zusätzliche Sanktionen gegen die vom Iran unterstützte Organisation verhängt werden, die zuletzt auch Raketen auf den Süden von Israel abgefeuert hatte.
In der Zwischenzeit hat Katar eine Vereinbarung zwischen Israel und der islamistischen Hamas vermittelt, wonach die israelischen Geiseln im Gazastreifen dringend benötigte Medikamente erhalten sollen. Das katarische Außenministerium teilte außerdem mit, dass Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung in den abgeriegelten Küstenstreifen gebracht werden.
Berichte: USA wollen Huthi-Miliz auf Terror-Liste setzen
Angesichts der Angriffe auf Schiffe im Roten Meer und Israel will Washington die Huthi auf der Terrorliste hochstufen. Das berichteten der Sender CNN und das «Wall Street Journal» unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die USA unterscheiden bei Terror-Einstufungen zwischen weltweit agierenden Terroristen und ausländischen Terror-Organisationen. Die Unterscheidung spielt eine Rolle bei den mit der jeweiligen Kategorie verbundenen Sanktionen.
Kurz vor dem Ende der Amtszeit von Donald Trump, dem damaligen Präsidenten der USA, veranlasste sein Außenminister Mike Pompeo im Jahr 2021 die Einstufung der Huthi in beide Kategorien. Antony Blinken, Pompeos Nachfolger, machte dies kurz darauf rückgängig, um die Lieferung humanitärer Hilfsgüter in den Jemen zu erleichtern. In dem verarmten Land herrscht seit 2014 ein Bürgerkrieg. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in Gebieten, die von den Huthi kontrolliert werden. Laut UN-Angaben leiden Millionen von Menschen unter Hunger.
Seit Beginn des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas greift die Huthi-Miliz immer wieder Handelsschiffe mit angeblich israelischer Verbindung im Roten Meer an. Die USA und Großbritannien reagierten darauf mit einem umfassenden Militärschlag auf Huthi-Stellungen im Jemen. Große Reedereien meiden zunehmend die Route über das Rote Meer, über die normalerweise etwa zehn Prozent des Welthandels laufen. Die Huthi-Miliz im Jemen sowie die Hisbollah im Libanon gehören zur «Achse des Widerstands» gegen Israel.
Medikamente für israelische Geiseln
Die Medikamente, die in Frankreich für die israelischen Geiseln im Gazastreifen gekauft wurden, sollen heute mit zwei katarischen Militärflugzeugen zunächst nach Ägypten geflogen werden, wie das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mitteilte. Von dort aus sollen sie in den Gazastreifen gebracht werden.
Beim Angriff und Massaker der islamistischen Hamas und anderer palästinensischer Organisationen auf Israel am 7. Oktober wurden ungefähr 250 Personen in den Gazastreifen entführt. Derzeit werden noch 136 Personen in dem Küstenstreifen festgehalten. Israel nimmt an, dass etwa zwei Dutzend von ihnen nicht mehr am Leben sind.
Kriegswaffen für 20 Millionen Euro an Israel
Im letzten Jahr hat die Bundesregierung den Export von Kriegswaffen im Wert von 20,1 Millionen Euro nach Israel genehmigt. Darunter befanden sich 3000 tragbare Panzerabwehrwaffen sowie 500.000 Schuss Munition für Maschinengewehre, Maschinenpistolen oder andere voll- oder halbautomatische Schusswaffen.
Gemäß einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen vom Bündnis Sahra Wagenknecht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wurden insgesamt Rüstungslieferungen im Wert von 326,5 Millionen Euro an Israel genehmigt. Dies entspricht einer Steigerung um das Zehnfache im Vergleich zum Vorjahr.
Von der Leyen fordert Iran zu Deeskalation auf
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte den Iran nach Angriffen auf Ziele in Syrien und im Irak zur Deeskalation auf. Die Region sei höchst gefährdet, sagte von der Leyen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Nun ohne jeden Grund Ziele im Irak anzugreifen, sei «ein eskalatorisches Verhalten».
«Insofern muss alles getan werden, dass der Iran auch seine Verantwortung übernimmt. Der Iran ist ja derjenige, der im Hintergrund viele der aggressiven Handlungen steuert», sagte von der Leyen. Irans Revolutionswächter hatten inmitten der Spannungen in Nahost in der Nacht zum Dienstag Raketen auf Ziele im Irak und Syrien abgefeuert.
Bericht: Tunnelnetz länger als vermutet
Das Tunnelnetz der islamistischen Hamas im Gazastreifen ist laut einem US-Medienbericht womöglich länger als bislang von Israel angenommen. Es sei schätzungsweise rund 560 bis 720 Kilometer lang, meldete die «New York Times» unter Berufung auf hochrangige israelische Verteidigungsbeamte.
Laut dem Bericht gingen israelische Schätzungen im Dezember noch davon aus, dass das Tunnelsystem unter dem Palästinensergebiet eine Länge von etwa 400 Kilometern hat. Der Gazastreifen selbst misst rund 45 Kilometer in der Länge und etwa sechs bis 14 Kilometer in der Breite. Er ist kaum größer als München. Zum Vergleich: Das U-Bahn-Netz der bayrischen Landeshauptstadt erstreckt sich über eine Strecke von 95 Kilometern.
Was heute wichtig wird
Auch während des Weltwirtschaftsforums in Davos wird voraussichtlich der Gaza-Krieg im Fokus der Diskussionen stehen. Angesichts der aktuellen Krisen und Kriege soll das Treffen der politisch-ökonomischen Weltelite in dem schweizerischen Skiort eine Plattform für den Austausch und die Zusammenarbeit bieten. Heute wird unter anderem UN-Generalsekretär António Guterres sprechen.








