Die Präsidentschaftskandidatur des parteilosen Kennedy war aussichtslos – aber nicht ungefährlich für Trump und Harris. Jetzt gibt der Kennedy-Spross eine folgenreiche Entscheidung bekannt.
Kennedy zieht sich in Swing States aus US-Wahlkampf zurück

Der parteilose US-Präsidentschaftsbewerber Robert F. Kennedy zieht sich in besonders umkämpften Bundesstaaten aus dem Rennen ums Weiße Haus zurück. Sein Name werde in sogenannten Swing States vom Wahlzettel gestrichen, kündigte der 70-Jährige bei einem Auftritt in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona an. Er werde seinen Namen in etwa zehn Staaten vom Wahlzettel nehmen, wo seine «Anwesenheit eine Störung darstellen würde», erklärte Kennedy.
Der Schritt ist besonders vorteilhaft für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Vorher hatten US-Medien berichtet, dass Kennedy plane, den 78-Jährigen im Wahlkampf zu unterstützen.
Der Unabhängige betonte in seiner ausführlichen Rede nun ausdrücklich, dass er sich nicht vollständig aus dem Wahlkampf zurückzieht. In den anderen Bundesstaaten kann weiterhin für ihn gestimmt werden, ohne dass dies Trump oder der demokratischen Kandidatin Kamala Harris schaden würde.
Wahlkampf ohne Aussicht auf Sieg
Der Neffe des berühmten ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy hat bei der Präsidentschaftswahl keine Chance – in Umfragen liegt er im Durchschnitt nur bei etwa 5 Prozent. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner betrachten ihn jedoch mit Besorgnis. Es wird voraussichtlich auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und Harris hinauslaufen. Kennedy könnte beiden Seiten wichtige Prozentpunkte streitig machen. Derzeit deuten die Umfragen jedoch darauf hin, dass seine Kandidatur eher Trump schaden könnte.
Kennedys Entscheidung ist wichtig aufgrund des komplizierten Verfahrens bei US-Präsidentschaftswahlen. Die meisten Bundesstaaten werden entweder den Republikanern oder den Demokraten zugeordnet, aber einige wenige sind politisch hart umkämpft. Enge Rennen werden vor allem in Pennsylvania, Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, North Carolina und Wisconsin erwartet.
Wenige Staaten entscheiden den Ausgang der Wahl
Die Rolle dieser Swing States ergibt sich wiederum aus dem US-Wahlsystem: Die Wählerinnen und Wähler entscheiden mit ihren Stimmen über die Zusammensetzung eines 538-köpfigen Wahlkollegiums, das dann im Dezember den Präsidenten oder die Präsidentin wählt. Für einen Sieg benötigen die Kandidaten nicht die meisten Wählerstimmen insgesamt, sondern die Mehrheit der 538 Wahlleute – also mindestens 270. Bei Präsidentschaftswahlen wird deshalb zwischen der tatsächlichen Wählermehrheit («popular vote») und der Mehrheit im Wahlkollegium («electoral vote») unterschieden.
Die Anzahl der Wahlleute pro Staat richtet sich ungefähr nach der Bevölkerungsgröße. Aufgrund des in fast allen Staaten geltenden Mehrheitswahlrechts bekommt der Gewinner eines Staates alle seine Wahlleute – auch bei knappen Siegen. Das macht Swing States so entscheidend für den Wahlausgang.
Es wurde bereits spekuliert, dass Kennedy sich möglicherweise aus dem Rennen zurückzieht. Shanahan, Kennedys Vizepräsidentschaftskandidatin, hatte vor einigen Tagen vorgeschlagen, sich mit dem ehemaligen Präsidenten Trump zusammenzuschließen. Es gab auch Berichte, dass dem Duo das Geld für den Wahlkampf ausgeht.
Großer Name – und viel Kritik
Kennedy stammt aus einer bekannten politischen Familie und war lange Zeit selbst Demokrat. In den letzten Jahren hat er sich jedoch immer mehr von der Partei distanziert. Im Oktober 2023 gab er bekannt, dass er sich als Parteiloser um die Präsidentschaft bewerben wird. Aufgrund seiner Verbreitung von Verschwörungsmythen und seiner Verbindungen zu extremen rechten Politikern wurde der erklärte Impfgegner sowohl von Demokraten als auch von anderen Mitgliedern seiner Familie oft kritisiert.
Den Demokraten warf Kennedy nun vor, den Wahlkampf mit undemokratischen Mitteln zu seinem sowie Trumps Nachteil zu beeinflussen. «Im Namen der Rettung der Demokratie hat sich die Demokratische Partei daran gemacht sie zu demontieren», behauptete Kennedy und warf der Parteispitze vor, aus fehlendem Vertrauen für ihren eigenen Kandidaten «einen juristischen Krieg» gegen ihn und Trump angezettelt zu haben. Auch gegen die US-Medien teilte Kennedy aus, warf ihnen unfaire Berichterstattung vor und bezeichnete sie als «Sprachrohre der Regierung und Stenografen für die Machtorgane».
Ein toter Bär und ein Wurm
Kennedy sorgte kürzlich mit aufsehenerregenden Geschichten für Aufsehen. Vor einigen Wochen erzählte er, dass er im New Yorker Central Park eine Bärenleiche entsorgt habe. Im Jahr 2014 habe er ein totgefahrenes Bärenjunges gefunden, in sein Auto geladen und später im berühmten Park in Manhattan zurückgelassen, sagte er. Er habe dem Bären eigentlich das Fell abziehen und das Fleisch in seinem Kühlschrank aufbewahren wollen, habe dann aber schnell zum Flughafen gemusst. Damals wurde tatsächlich ein toter Schwarzbär im Central Park entdeckt – der mysteriöse Fund stellte die Behörden vor Rätsel. Davor war Kennedy in die Schlagzeilen geraten, weil er einem Zeitungsbericht zufolge davon ausgeht, dass ein Wurm in seinem Gehirn vor einigen Jahren für Gedächtnisverlust verantwortlich war.








