Die meisten Anträge kamen erneut aus Syrien und Afghanistan. Deutschland bleibt wichtigstes Zielland mit 334.000 neuen Anträgen.
Asylanträge in Europa steigen auf über eine Million im Jahr 2023

Die Anzahl der Asylbewerber in Europa hat im letzten Jahr deutlich die Marke von einer Million überschritten. Die Asylagentur der Europäischen Union mit Sitz auf der Mittelmeerinsel Malta verzeichnete insgesamt 1,14 Millionen Anträge in den 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und der Schweiz, wie aus dem in Valletta veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 18 Prozent.
Die Mehrheit der Antragsteller stammte laut Angaben der Asylagentur erneut aus dem Bürgerkriegsland Syrien, gefolgt von Afghanistan. Gegen Ende des Jahres, nach Beginn des neuen Gaza-Kriegs im Oktober, strebten auch vermehrt Palästinenser nach Europa. Deutschland blieb mit großem Abstand das wichtigste Zielland, wo zwischen Januar und Dezember 2023 laut diesen Angaben 334.000 neue Anträge registriert wurden.
Rund ein Drittel aller Anträge entfällt auf Deutschland
Im Vorjahr lag die Gesamtzahl der Anträge mit 996.000 noch knapp unter der Millionenmarke. Dagegen wurden in den Jahren 2015 (1,4 Millionen) und 2016 (1,3 Millionen) noch deutlich mehr verzeichnet. Nicht berücksichtigt sind über 4,4 Millionen Ukrainer, die aufgrund des russischen Angriffskriegs Schutz in der EU suchten und vorübergehenden Schutz erhielten.
Die Zahlen für Deutschland weichen nur geringfügig von den Angaben des zuständigen Bundesamts in Nürnberg ab, das für das gesamte Jahr etwa 329.000 Anträge gemeldet hatte. In jedem Fall entfiel jedoch fast ein Drittel aller Anträge auf Deutschland – so viel wie in den beiden folgenden Ländern Frankreich (167.000) und Spanien (162.000) zusammen. Großbritannien, das nicht mehr zur EU gehört, wird seine Zahlen erst Ende der Woche bekannt geben. Pro Kopf betrachtet gingen die meisten Anträge in Zypern ein – ein Antrag auf 78 Einwohner. Im Vergleich dazu war es in Deutschland einer auf 252.
Hohe Anerkennungsquote
In den Herkunftsländern führte Syrien (181.000) an, wo seit über zehn Jahren Bürgerkrieg herrscht. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 38 Prozent. Die Anträge von Menschen aus Afghanistan (114.000), wo die radikal-islamistischen Taliban wieder an der Macht sind, gingen dagegen zurück. Knapp über 100.000 lag auch die Türkei (101.000). Im Laufe des Jahres wurden auch 11.600 Anträge von Palästinensern registriert – zwei Drittel mehr als im Vorjahr.
Verglichen mit früheren Jahren wurden von den EU-Staaten deutlich mehr Anträge genehmigt. Die sogenannte Anerkennungsquote lag daher bei 43 Prozent, was seit sieben Jahren nicht mehr so hoch war. Der Umgang mit Migranten, die nach Europa kommen wollen, ist seit Jahrzehnten ein großes Streitthema in der europäischen Politik. Beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, kommt es immer wieder zu tödlichen Katastrophen.
Im Dezember hat die EU eine umfassende Reform ihres gemeinsamen Asylsystems beschlossen, die erhebliche Verschärfungen für illegale Einwanderer vorsieht. In Zukunft sollen Personen, die geringe Chancen auf Anerkennung haben, schnelle Verfahren an den EU-Außengrenzen durchlaufen.








