Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Mehr als doppelt so viele Abschiebungen in die Türkei

Rund jede zehnte Abschiebung ging 2025 in die Türkei. Die Linksfraktion sieht das kritisch und verweist auf staatliche Repression.

Der Anstieg der Abschiebungen in die Türkei ist aus Sicht der Linksfraktion besonders kritikwürdig. (Archivbild)
Foto: Abdullah Tepeli/ZUMA Press Wire/dpa

Im Jahr 2025 wurden aus Deutschland mehr als doppelt so viele Menschen in die Türkei abgeschoben wie im Vorjahr. Laut der Bundesregierung, die auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger antwortete, war die Türkei mit 2.297 durchgeführten Abschiebungen das Hauptzielland für Rückführungen. Dies entsprach etwa jeder zehnten der insgesamt 22.878 Abschiebungen des vergangenen Jahres. Im Jahr 2024 wurden 1.087 Personen in die Türkei abgeschoben. Ein Jahr zuvor waren es 875 Abschiebungen in dieses Land.

Dublin-Überstellungen nach Frankreich und Spanien 

Auf Platz zwei der Liste der wichtigsten Zielländer lag den Angaben zufolge 2025 Georgien, wohin 1.690 Menschen unter Zwang gebracht wurden. Dass zu den Hauptzielländern für Abschiebungen im vergangenen Jahr auch Spanien und die Türkei zählen, hängt mit den sogenannten Dublin-Regeln zusammen, die festlegen, welches EU-Land für ein Asylverfahren zuständig ist – in der Regel ist es das Land, in dem der Schutzsuchende zuerst registriert wurde.

Laut Bundesregierung wurden im letzten Jahr 18 Personen in den Iran abgeschoben. Die Bundespolizei brachte demnach 2025 insgesamt 83 Personen nach Afghanistan.

Im Jahr 2025 stieg die Anzahl der Abschiebungen an, während weniger Schutzsuchende in Deutschland einen Asylantrag stellten. Laut Bundesinnenministerium sank die Anzahl der Erstanträge im Vergleich zu 2024 um 51 Prozent. Insgesamt beantragten 113.236 Menschen erstmals Schutz in Deutschland.

Bünger verweist auf Verfolgung Oppositioneller

Es sei falsch, Familien zu trennen, Kinder aus der Schule zu holen oder Betroffene direkt aus dem Krankenhaus abzuholen, um sie unter Zwang außer Landes zu bringen, sagte Bünger, die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion ist. Sie sagt: «Besonders kritikwürdig ist der enorme Anstieg der Abschiebungen in die Türkei, wo massenhaft Oppositionelle in den Gefängnissen sitzen.»

Im letzten Jahr belegte die Türkei auf der Liste der Hauptherkunftsländer von Erstantragstellern in Deutschland den dritten Platz, nach Afghanistan und Syrien. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) stellten 11.919 Menschen aus der Türkei im Jahr 2025 erstmals einen Asylantrag in Deutschland.

dpa