Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Parteien verzeichnen Mitgliederzuwachs nach Enthüllungen über Treffen rechtsradikaler Aktivisten

Die Grünen und die Linke melden einen starken Zuwachs an Mitgliedern, während die AfD trotz Berichten über das Treffen unverändert bleibt.

Nach den Enthüllungen über ein Treffen rechtsradikaler Aktivisten in Potsdam verzeichnen mehrere Parteien Mitgliederzuwächse - darunter auch die AfD. Die Grünen sehen nach eigenen Angaben einen starken Zuwachs.
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Nachdem bekannt wurde, dass rechtsradikale Aktivisten sich in Potsdam getroffen haben, melden mehrere Parteien einen Anstieg ihrer Mitgliederzahlen – einschließlich der AfD. Die Grünen geben an, ebenfalls einen deutlichen Zuwachs zu verzeichnen.

«Wir Grüne konnten seit Anfang Januar über 2600 Eintritte in unsere Partei verzeichnen», teilte die politische Bundesgeschäftsführerin der Partei, Emily Büning, am Mittwoch auf Anfrage mit. Im Vergleich zu durchschnittlich knapp 700 Eintritten pro Monat im Jahr 2023 ist dies nach Parteiangaben eine Rekordzahl. Ähnlich hohe Zahlen habe es zuletzt im Bundestagswahlkampf 2021 gegeben. Nach Einschätzung des Parteivorstands könnte die jüngste Entwicklung auch damit zusammenhängen, dass Menschen Aktivitäten rechtsextremistischer Kräfte etwas entgegensetzen wollten.

Auch die Linke erwartet einen starken Anstieg, obwohl die Partei nur Informationen über Online-Anträge vorlegen kann, da diese täglich erfasst werden. Der Abgleich von schriftlichen Ein- und Austritten dauert länger. Zwischen dem 10. und dem 21. Januar traten 484 Personen über das Online-Formular ein. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es nur 50.

Das Medienhaus Correctiv hatte am 10. Januar ein Treffen radikaler Rechter am 25. November in Potsdam öffentlich gemacht, an dem AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion teilgenommen hatten. Der frühere Kopf der Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, hatte bei dem Treffen nach eigenen Angaben über «Remigration» gesprochen. Wenn Rechtsextremisten diesen Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll – auch unter Zwang.

Bundesweit große Demonstrationen

Nachdem die Enthüllungen ans Licht gekommen waren, fanden in vielen Städten große Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und für die Demokratie statt. Dabei wurde teilweise heftige Kritik an der AfD geäußert.

Die SPD sieht nach eigenen Angaben seit einigen Tagen ein gestiegenes Interesse am Eintritt, kann aber keine konkreten Zahlen nennen. Ein CSU-Sprecher sagte: «Die Eintrittszahlen sind in der zweiten Januarwoche spürbar gestiegen.» Die CDU konnte keine Angaben zu Neueintritten machen, weil diese dezentral erhoben würden. Die FDP erklärte, grundsätzlich keine Zwischenstände bekanntzugeben.

Der AfD haben Berichte über das Treffen nach eigenen Angaben nicht geschadet. Zwischen dem 10. Januar und dem 22. Januar seien etwa 1400 Aufnahmeanträge neu eingegangen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Im gleichen Zeitraum habe es Austritte «im mittleren zweistelligen Bereich» gegeben.

Laut dem Sprecher habe die Partei seit Jahresbeginn netto etwas mehr als 1000 neue Mitglieder gewonnen und habe derzeit etwa 41.000 Mitglieder. Er betonte jedoch, dass die Eintritte im Januar aufgrund einer einmonatigen Widerspruchsfrist aus Anträgen auf Mitgliedschaft resultierten, die bereits 2023 gestellt worden seien.

dpa