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Deutschland stärkt Beziehungen zu Indien mit Besuch von Bundeskanzler Merz

Der Kanzler und Modi besuchen gemeinsam das Drachenfestival und diskutieren über Rüstungskooperation sowie den Ukraine-Konflikt.

Dass Modi den Kanzler in seiner Heimatregion empfängt, wird als Zeichen besonderer Wertschätzung gesehen.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz ist in Indien zu einem zweitägigen Antrittsbesuch angekommen. Der CDU-Chef landete in der Nacht kurz vor 2.00 Uhr Ortszeit in Ahmedabad, der Heimatregion von Ministerpräsident Narendra Modi, der ihn am Morgen an einer Gedenkstätte für den Nationalhelden Mahatma Gandhi offiziell begrüßen wird.

Die Straßen der Stadt mit ihren acht Millionen Einwohnern sind gesäumt von großformatigen Schildern mit den Bildern von Merz und Modi als Willkommensgruß an den Kanzler. Die beiden werden heute auch gemeinsam das traditionelle Drachenfestival besuchen, das den Übergang vom Winter- zum Sommerhalbjahr markiert und bei dem Tausende Papierdrachen in die Luft steigen. Erst danach beginnen die politischen Gespräche.

Vor Merz waren schon Trump, Xi und Netanjahu in Ahmedabad 

Es ist ihr drittes Treffen, nachdem sie sich bereits bei zwei internationalen Gipfeltreffen getroffen haben. Modi empfängt den Kanzler in seiner Heimatstadt als Zeichen der besonderen Wertschätzung. Merz ist jedoch nicht der erste hochrangige Gast dort. Seit seinem Amtsantritt 2014 hat Modi in der für ihn so besonderen Stadt US-Präsident Donald Trump, den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und den früheren japanischen Regierungschef Shinzo Abe empfangen.

Es wird bei den Gesprächen zwischen Merz und Modi um die Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen und die Zusammenarbeit im Rüstungsbereich gehen. Das möglicherweise kniffligste Thema wird jedoch Russland sein.

Modis besonderer Draht zu Putin

Indien unterhält enge Beziehungen sowohl zu westlichen Partnern als auch zu Russland. Im Dezember besuchte der russische Präsident Wladimir Putin Neu-Delhi und wurde dort von Modi bereits am Flughafen herzlich umarmt. Indien bezieht einen Großteil seines Öls aus Russland, welches wiederum Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine investiert.

Die russische Invasion wurde von Indien in der UN-Vollversammlung nicht verurteilt, im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern. Modi könnte jedoch durch seine Verbindung zu Putin an den diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges beteiligt sein. Merz wird voraussichtlich mit Modi über all diese Themen sprechen.

China und Japan sind erst später dran

In der neuen Weltunordnung, in der bisherige Allianzen wie die zwischen Europa und den USA auf der Kippe stehen, hat es damit zu tun, dass er Indien noch vor Japan und China besucht hat. Deutschland strebt danach, sich in diesen Zeiten mit seinen strategischen Partnerschaften breiter aufzustellen.

Zu diesem Zweck gehört auch die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Indien. Es handelt sich hauptsächlich um drei Bereiche:

Rüstung: U-Boot-Geschäft kurz vor dem Abschluss

Die beiden Länder planen, vor allem im Bereich der Rüstung enger zusammenzuarbeiten. Ein Prestigeprojekt wird voraussichtlich der Bau von sechs U-Booten durch Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) auf einer Werft in Mumbai, Indien, sein. Das Geschäft im Wert von acht Milliarden Euro steht kurz vor dem Abschluss. Weitere Rüstungsdeals könnten folgen. Deutschland strebt auch danach, die Abhängigkeit Indiens von russischen Rüstungslieferungen zu verringern.

Wirtschaft: Warten auf das Freihandelsabkommen

An dieser Stelle gibt es noch Verbesserungspotenzial. Indien rangiert unter den deutschen Handelspartnern nur auf Platz 23. Ein Schub nach vorne könnte erreicht werden, wenn ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien abgeschlossen wird. Die Verhandlungen begannen vor 18 Jahren und wurden zwischendurch für mehrere Jahre unterbrochen. Ob ein Abschluss bis zum geplanten EU-Indien-Gipfel in Neu-Delhi Ende Januar möglich ist, bleibt bisher fraglich.

Fachkräfte: Schon 170.000 indische Arbeitskräfte angeworben

Neben der Anwerbung von Fachkräften aus Indien wird es auch wieder gehen, für die schon die Ampel-Regierung im Oktober 2024 eigens eine Strategie beschlossen hat. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Inder in Deutschland ist zwischen 2015 und 2025 nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit von knapp 25.000 auf knapp 170.000 gestiegen. Und mit knapp 60.000 kommt die größte Gruppe ausländischer Studentinnen und Studenten aus Indien.

dpa