Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Miliz erobert Darfur – Droht dem Sudan der Zerfall?

Nachdem die RSF-Miliz die Kontrolle über die Hauptstadt der Region Darfur gewinnt, herrscht Angst vor einer neuen Welle der Gewalt. Könnte sich das Land spalten?

Die paramilitärische Miliz RSF hat nun fast komplett die Kontrolle über die westliche Region Darfur. Der Konflikt zwischen der Armee und der RSF erreicht damit einen neuen Höhepunkt.
Foto: Uncredited/AP/dpa

Nach dem Abzug der Armee aus der Großstadt Al-Faschir ist Sudans westliche Region Darfur nun beinahe vollständig unter der Kontrolle der paramilitärischen Miliz Rapid Support Forces (RSF). Der Konflikt zwischen der Armee und den RSF hat somit nach zweieinhalb Jahren einen neuen Höhepunkt erreicht. Die UN bezeichnen die Situation im Sudan als die größte humanitäre Krise der Welt. Steht eine weitere militärische Eskalation bevor?

Worum geht es in dem Konflikt?

Seit April 2023 tobt in dem ostafrikanischen Staat ein blutiger Machtkampf zwischen De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und seinem einstigen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, der die RSF kommandiert. Der Konflikt dreht sich um die Kontrolle über Staat und Ressourcen. Nach dem Sturz des Langzeitdiktators Omar al-Baschir im Jahr 2019 hatten die Generäle gemeinsam die Macht übernommen. Allerdings waren sie uneinig darüber, ob die militärisch und wirtschaftlich starke RSF in die Armee eingegliedert oder als eigenständige Macht bestehen sollte. Zu Beginn des Jahres gründeten die RSF offiziell eine Parallelregierung für die von ihnen kontrollierten Gebiete.

Die Armee konnte die Hauptstadt Khartum zurückerobern, während die RSF die Kontrolle über Darfur an der Grenze zum Tschad gewonnen haben. Dies hat Befürchtungen ausgelöst, dass sich das Land dauerhaft spalten könnte. Bereits im Jahr 2011 hat sich der Südsudan aufgrund ethnischer, religiöser und wirtschaftspolitischer Gründe vom Sudan unabhängig gemacht.

Spielen ethnische Faktoren eine Rolle?

Der gegenwärtige Konflikt in Darfur wird hauptsächlich von ethnischen Faktoren bestimmt, die eng mit Fragen der Landrechte, Ressourcenverteilung und politischen Marginalisierung verbunden sind. Es dreht sich insbesondere um den Wettbewerb um Land und Wasser zwischen traditionell nomadischen, arabischen Volksgruppen und sesshaften, nicht-arabischen Gruppen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Regierung systematisch ethnische Spannungen in Darfur geschürt, indem sie gezielt arabische Milizen (Dschandschawid) unterstützte, um Aufstände in der benachteiligten nicht-arabischen Bevölkerung zu unterdrücken. Die RSF ist eine Nachfolgeorganisation der Dschandschawid.

Was für ein Land ist der Sudan?

Der Staat am Horn Afrikas in Ostafrika mit etwa 50 Millionen Einwohnern vor dem Krieg ist eines der rohstoffreichsten Länder Afrikas und hat eine Vielzahl wichtiger Bodenschätze, darunter Gold, Erdöl, Kupfer, Eisen und Uran. Die Profite aus dem Rohstoffsektor kommen einer kleinen Elite des Landes zugute, die damit auch immer wieder bewaffnete Konflikte finanziert, während der Rest der Bevölkerung in Armut lebt.

Fliehen Menschen aus dem Sudan nach Deutschland?

Die Vereinten Nationen betrachten die Situation im Sudan als die derzeit größte humanitäre Krise der Welt. Über zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht, vor allem in benachbarte Länder wie Tschad, Äthiopien oder den Südsudan, aber auch über das Rote Meer nach Jemen und Saudi-Arabien. Eine größere Fluchtbewegung nach Deutschland existiert nicht.

Welche ausländischen Staaten haben Interessen im Sudan?

Die sudanesische Regierung, UN-Experten und US-Vertreter beschuldigen die Vereinigten Arabischen Emirate, die RSF seit Beginn der Kämpfe mit Geld und Waffenlieferungen zu unterstützen. Die Golfstaaten lehnen diese Anschuldigungen ab. Ägypten, der nördliche Nachbar, ist ein enger Verbündeter der sudanesischen Armee und strebt vor allem nach Stabilität. Saudi-Arabien und der Iran werden von Beobachtern als Unterstützer des De-facto-Machthabers al-Burhan angesehen. Es wird berichtet, dass russische Akteure mit der RSF beim Goldabbau zusammengearbeitet haben, aber Moskau führt auch seit langem Verhandlungen mit al-Burhan über eine Flottenbasis.

Welche Ziele verfolgt die RSF – und wie geht sie vor?

Die RSF plant, ihre Präsenz in wichtigen Regionen wie Darfur und Kordofan zu stärken und sich als legitime politische Kraft zu etablieren, um letztendlich die Regierung im Sudan zu übernehmen. Obwohl die RSF offiziell Ziele wie Demokratie, Dezentralisierung und Gerechtigkeit propagiert, zielt sie in der Praxis hauptsächlich darauf ab, Macht, Ressourcen und politischen Einfluss zu sichern. Die Miliz ist berüchtigt für brutale Verbrechen wie das Niederbrennen von ganzen Dörfern, Folter, Massenvergewaltigungen und Hinrichtungen. Vor dem Krieg soll sie schätzungsweise rund 100.000 Kämpfer gehabt haben, die auch als Söldner im Ausland tätig waren.

Hat US-Präsident Trump sich auch in diesen Konflikt eingeschaltet?

Seit Beginn des Konflikts haben die USA an der Vermittlung von Feuerpausen teilgenommen und Sanktionen gegen einzelne Akteure verhängt. Kritiker sagen jedoch, dass die USA nie ernsthaft Druck ausgeübt haben. Seit dem Sommer unter US-Präsident Donald Trump haben die USA wieder Fahrt aufgenommen. Sie arbeiten mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten zusammen. Ihr Plan sieht eine dreimonatige Waffenruhe für humanitäre Hilfe sowie einen neunmonatigen Übergang zu einer zivilen Regierung vor. Radikale Gruppen sollen ausgeschlossen und regionale Einmischungen abgelehnt werden. Bisher hat dieser Ansatz jedoch kaum Früchte getragen. Al-Burhan hat Verhandlungen mit der RSF abgelehnt.

dpa