Die Temperaturen sinken laut Wettervorhersagen auf bis zu minus sieben Grad. Der längste Stromausfall der Nachkriegsgeschichte wird für die Menschen im Südwesten immer mehr zur Herausforderung.
Nach Brandanschlag weiter Tausende ohne Strom in Berlin

In Berlin sind bei eisiger Kälte rund 25.000 Haushalte bereits den fünften Tag in Folge ohne Strom. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung machen Fortschritte, jedoch werden die letzten Betroffenen voraussichtlich erst am Donnerstagnachmittag wieder ans Netz angeschlossen sein, so der Betreiber Stromnetz Berlin.
Der vermutlich linksextremistisch motivierte Brandanschlag hat in der Hauptstadt zum bisher längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte geführt. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Nach Ansicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.
In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen «Vulkangruppen», die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen, die Tat für sich reklamiert. In der Folge waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom.
Hotels und Schwimmbäder öffnen für Betroffene
Es gibt immer mehr praktische Hilfsangebote für die Betroffenen. Drei Bäder in dem betroffenen Bereich sollen rund um die Uhr geöffnet sein, damit die Menschen kostenlos duschen können. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben Busse dafür bereitgestellt.
Die Bundeswehr hilft laut Innenverwaltung vor allem bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung von Notstromaggregaten. Die Soldaten versorgen die Menschen aber auch vor Ort auch mit warmer Suppe und Tee. In Notquartieren oder anderen Anlaufstellen wärmen sich Betroffene auf. Museen, Kinos und der Zoo Berlin «Orte zum Aufwärmen und für eine kleine Auszeit», wie die Senatskanzlei mitteilte.
Anschlag Thema im Innenausschuss
Seit Sonntag steht für Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben sei authentisch, so die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD). «Wir sprechen von einem linksterroristischen Anschlag auf unser Stromnetz, hochkonspirativ vorbereitet und mit erheblicher krimineller Energie ausgeführt», sagte die SPD-Politikerin nach der Übernahme der Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft.
Abgeordnete des Bundestages befassen sich ebenfalls mit den Hintergründen des Anschlags – noch vor der ersten Sitzungswoche des Jahres. Laut der Grünen-Fraktion ist für Donnerstag eine telefonische Unterrichtung der Fraktionsvorsitzenden im Innenausschuss sowie einiger weiterer Ausschussmitglieder durch das Bundesinnenministerium geplant.
CDU-Politiker unzufrieden mit Ermittlungen zu Linksextremismus
Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm sieht Defizite bei Ermittlungen zu linksextremistischen Straftaten in Deutschland. «Spätestens jetzt ist klar, dass Linksextremismus und Linksterrorismus nicht mehr verharmlost werden dürfen, wie dies vielfach noch im links-grünen Milieu der Fall ist», sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf den Brandanschlag auf die Stromversorgung im Südwesten von Berlin. «Das hat auch dazu geführt, dass die Ermittlungen gegen diese Gruppen in den letzten Jahren vernachlässigt wurden.»
Berlin setzt auf stärkere Videoüberwachung
Der Berliner Senat plant, in Zukunft neuralgische Punkte verstärkt per Video zu überwachen, wie die Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey angekündigt hat. Aktuell verlaufen ein Prozent der 35.000 Kilometer langen Berliner Stromnetze oberirdisch, erklärte die SPD-Politikerin. Drei Viertel dieser Leitungen werden bereits mit Kameras überwacht, in der Regel auf privaten Grundstücken, beispielsweise des Netzbetreibers Stromnetz.
Der Spitzenkandidat der Berliner SPD, Steffen Krach, mahnte weitere praktische Hilfe an für Betroffene. «Sobald der Strom fließt, werden die Menschen in ihren Wohnungen und Häusern, genauso wie die Betriebe und Unternehmen, mit weiteren Herausforderungen konfrontiert sein», meinte Krach. «Deshalb wird es darauf ankommen, eine Informations- und Beratungsstruktur anzubieten und einen Notfallfonds vorzubereiten, damit die Menschen mit den Folgekosten des Anschlags nicht allein gelassen werden.»








