Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Nach Eroberung sudanesischer Großstadt fliehen Zehntausende

Flüchtende aus Al-Faschir berichten von Gewalt und Misshandlungen. Im Lager Tawila fehlt es an Wasser, Essen und Hygiene – Krankheiten breiten sich aus.

Geflüchtete Frauen aus dem dem Sudan mit ihrer Habe. Der Machtkampf im Sudan, der seit Mitte April 2023 andauert, hat die nach UN-Angaben weltweit größte Flüchtlingskrise mit mehr als zwölf Millionen Geflüchteten ausgelöst.
Foto: Eva-Maria Krafczyk/dpa

Nach der Eroberung einer wichtigen Großstadt im westsudanesischen Darfur sind Zehntausende Menschen vor der Gewalt einer Miliz in ein nahegelegenes Flüchtlingslager geflohen. Dem UN-Flüchtlingswerk zufolge sind mehr als 26.000 Menschen in dem rund 60 Kilometer von der eroberten Stadt Al-Faschir entfernten Lager angekommen. «Die Neuankömmlinge berichten von gefährlichen (Flucht-)Bewegungen und schrecklichen Misshandlungen», schrieb UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi auf der Online-Plattform X.

Laut einer UNHCR-Vertreterin haben die Flüchtlinge aus Al-Faschir von willkürlicher Gewalt, Morden und Hinrichtungen von Menschen mit Behinderungen berichtet. Andere wurden während der Flucht erschossen. Viele konnten nicht fliehen, da sie entweder nicht dazu in der Lage oder zu schwach waren, so Jacqueline Wilma Parlevliet, Leiterin der UNHCR-Außenstelle im Sudan.

Schwere Gewalt – oder Hunger und Cholera

Die bis zu 300.000 Einwohner der Stadt, die seit anderthalb Jahren von der RSF-Miliz belagert wurde, liefen Gefahr, in Haft gefoltert zu werden, Opfer von Plünderungen, Erpressung, Vergewaltigungen und der Rekrutierung von Kindern für bewaffnete Gruppen zu werden.

Die Situation im Lager Tawila war bereits zuvor ernst. Innerhalb weniger Monate im Sommer flüchteten etwa 400.000 Menschen aus anderen Lagern, die von der RSF-Miliz erobert wurden, dorthin. Nach Angaben von Hilfsorganisationen mangelt es an sicherem Trinkwasser, Essen und Latrinen. Krankheiten wie Cholera breiten sich mittlerweile aus.

Seit April 2023 tobt im Sudan ein brutaler Machtkampf zwischen dem De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und seinem ehemaligen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, der die RSF kommandiert. Beobachter befürchten eine anhaltende Spaltung des Landes. „Mehr als zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht. Mehr als 26 Millionen Menschen, etwa die Hälfte der Bevölkerung, sind von Hunger bedroht.“

dpa