Zwei Wochen nach seinem Tod in Haft wird Kremlgegner Alexej Nawalny morgen in Moskau zu Grabe getragen. Das Team des Oppositionellen ruft die Menschen auf, sich von ihm zu verabschieden.
Nawalny-Team ruft Menschen zur Beerdigung in Moskau

Das Team von Alexej Nawalny, dem im Gefängnis verstorbenen Kremlgegner, hat die Menschen dazu aufgefordert, trotz der erwarteten Polizeipräsenz morgen zur Trauerfeier und Beerdigung des Oppositionellen in Moskau zu kommen.
Die Trauerfeier in der Kirche sei für 14.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MEZ) geplant, die Beerdigung auf dem Friedhof Borissowskoje dann zwei Stunden später angesetzt, teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch mit. Kommen sollten alle, denen Nawalnys politische Arbeit etwas bedeutet habe. Der Fußweg von der Kirche zu Ehren der Gottesmutterikone «Lindere meine Trauer» bis zum Friedhof beträgt demnach 28 Minuten.
Kritik an russischen Behörden
Nawalnys Team wird live im Internet über die Trauerfeier im südöstlichen Bezirk Marjino berichten sowie über die Beerdigung und empfahl den Gästen, früh da zu sein. Es wird ein großes Sicherheitsaufgebot erwartet – und befürchtet, dass Uniformierte den Anhängern Nawalnys den Zugang versperren könnten. Auch die Witwe Julia Nawalnaja verbreitete den Aufruf, zur Trauerfeier zu kommen.
Ljudmila Nawalnaja, die Mutter von Nawalny, erhielt am Samstag den Körper ihres Sohnes, nachdem sie tagelang von den Behörden gefordert hatte, ihn ihr auszuhändigen. Sie lehnte eine zunächst von den Behörden geforderte heimliche Beerdigung ab.
In den letzten Tagen hat das Team von Nawalny nach einer Stelle für die Trauerfeier gesucht und sich darüber beschwert, dass sie von den russischen Behörden behindert wurden. Nach russisch-orthodoxem Brauch ist es üblich, Tote nach drei Tagen zu beerdigen und ihren Leichnam vorher im offenen Sarg aufzubahren, damit sich Trauernde verabschieden können.
Iwan Schdanow, der Direktor des Anti-Korruptions-Fonds, den Nawalny gegründet hat, schrieb, dass kein Saal für ein solches Abschiedsritual zur Verfügung gestellt wurde.
Viele Festnahmen
Nawalny ist laut offiziellen Angaben am 16. Februar im Alter von 47 Jahren in einem Straflager nördlich des Polarkreises verstorben. Der scharfe Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin war durch einen Giftanschlag im Jahr 2020 und ständige Einzelhaft im Lager körperlich sehr geschwächt.
Seine Unterstützer und auch viele internationale Beobachter sind sich deshalb einig, dass von einer «natürlichen» Todesursache, wie es auf dem Totenschein heißen soll, nicht die Rede sein kann. Julia Nawalnaja, sein Team und Bürgerrechtler hatten Putin die Ermordung des Politikers vorgeworfen.
Wer öffentlich um Nawalny trauert in Russland, riskiert festgenommen zu werden. In letzter Zeit wurden hunderte Menschen bei der Niederlegung von Blumen für Nawalny festgenommen.








