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Netanjahu besteht auf Rafah-Offensive

Die USA wollen Israel Alternativen für eine Bodenoffensive in Rafah aufzeigen. Israels Premier Netanjahu lässt sich von einer Offensive aber nicht abbringen. Die News im Überblick.

Palästinenser stehen nahe der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten.
Foto: Mohammed Talatene/dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will sich dem Druck der USA widersetzen und hält an einer Bodenoffensive in der zurzeit mit Geflüchteten überfüllten Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens fest. Er habe in seinem Telefonat mit US-Präsident Joe Biden diesem «unmissverständlich klargemacht», dass Israel zur Zerschlagung der letzten Bataillone der islamistischen Hamas in Rafah entschlossen sei.

«Es gibt keine andere Möglichkeit, als am Boden hineinzugehen», sagte Netanjahu vor dem Außen- und Verteidigungsausschuss des israelischen Parlaments, wie die Zeitung «Times of Israel» berichtete. Er hatte am Vortag in dem Gespräch mit Biden dessen Aufforderung zugestimmt, eine Delegation in den kommenden Tagen nach Washington zu schicken. Dort wollen die USA einem Medienbericht zufolge Alternativen zu einer Bodenoffensive aufzeigen.

USA wollen massive Opfer unter Zivilisten in Rafah vermeiden  

Eine Idee sei, eine Militäroperation in der an Ägypten grenzenden Stadt Rafah zu verschieben und sich zunächst auf die Stabilisierung der humanitären Lage im Norden des abgeriegelten Küstengebiets zu konzentrieren, berichtete das Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf zwei US-Beamte. Dort droht nach Angaben der Vereinten Nationen eine Hungerkatastrophe.

Die Option würde auch den Bau von Unterkünften für die aus Rafah zu evakuierende Zivilbevölkerung beinhalten, schrieb «Axios». Ziel sei, das Potenzial zu verringern, dass es bei einer Invasion in Rafah zu massiven zivilen Opfern kommt. Eine andere Idee sei, sich in einer ersten Phase auf die Sicherung der ägyptischen Seite der Grenze zu konzentrieren. Dies wäre Teil eines Plans der USA, Ägyptens und Israels, Tunnel unter der Grenze zu zerstören und eine Infrastruktur zu schaffen, die den Waffenschmuggel in den Gazastreifen verhindert, berichtete «Axios» unter Berufung auf US-Beamte weiter.

Bericht: Verteidigungsminister Israels und USA planen Treffen

Es wird geschätzt, dass derzeit in Rafah 1,5 Millionen der 2,2 Millionen Bewohner Gazas auf engstem Raum Schutz vor den Kämpfen in anderen Teilen des Küstengebiets suchen. Rafah beherbergt zudem den Grenzübergang nach Ägypten, über den Hilfslieferungen in den Gazastreifen gelangen.

Man sei zu dem Treffen in Washington Anfang nächster Woche bereit, damit die US-Regierung Israel ihre Ideen «insbesondere im humanitären Bereich» vorstelle, zitierte «Axios» Netanjahu weiter. Er sei aber weiter entschlossen, die Zerschlagung der Hamas abzuschließen und das gehe nur mit einer Bodenoffensive in Rafah.

Netanjahu schickt also seinen Minister Ron Dermer, Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi und einen Militärvertreter, der für humanitäre Fragen zuständig ist, nach Washington, aber keine Offiziere der Armee, die für die militärische Planung des Einsatzes in Rafah verantwortlich sind. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin wird nächste Woche separat den israelischen Verteidigungsminister Joav Galant in Washington treffen, wie CNN am Dienstag unter Berufung auf einen Beamten des US-Verteidigungsministeriums berichtete.

Blinken: Ganz Gaza von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen

Die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens ist nach Einschätzung von US-Außenminister Antony Blinken von akuter Ernährungsnot betroffen. Nach den anerkanntesten Bewertungen litten «100 Prozent der Bevölkerung in Gaza unter schwerwiegender akuter Ernährungsunsicherheit», sagte er am Dienstag zum Abschluss eines Besuchs auf den Philippinen. «Das ist das erste Mal, dass eine ganze Bevölkerung so eingestuft wurde.» Blinken reist am Mittwoch nach Saudi-Arabien und dann nach Ägypten weiter, um die Bemühungen für eine vorübergehende Waffenruhe und Geiselfreilassung zu besprechen. 

Bericht: Verhärtete Fronten bei Verhandlungen über Feuerpause

Bei den über die Vermittler Katar, Ägypten und den USA geführten Verhandlungen erschienen die Ziele Israels und der Hamas jedoch derzeit unmöglich miteinander vereinbar, berichtete das «Wall Street Journal». Während Israel darauf poche, den Krieg nach einer Feuerpause mit dem Ziel einer Zerschlagung der Hamas fortzusetzen, verhandele die Hamas im Wesentlichen um ihr Überleben und dränge auf einen dauerhaften Waffenstillstand und Möglichkeiten, im Nachkriegs-Gaza einflussreich zu bleiben, wenn auch nicht mehr als Herrscher.

Die Vermittler betrachten die aktuellen Gespräche als letzte Möglichkeit, eine Waffenruhe zu erzielen, bevor es zu einer israelischen Rafah-Offensive kommt, wurde berichtet. Jeder Angriff auf Rafah würde die Bemühungen um eine Einigung über eine Feuerpause und die Freilassung weiterer Geiseln behindern, warnte der Sprecher des katarischen Außenministeriums.

Spielt Hamas-Anführer al-Sinwar auf Zeit?

Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, kehrte am gleichen Tag aus Katar in sein Heimatland zurück, um das Kriegskabinett über den Stand der dortigen Verhandlungen zu informieren. Laut Medienberichten befindet sich Barneas Delegation jedoch weiterhin in der Hauptstadt Doha, wo die Gespräche, die von Katar, den USA und Ägypten vermittelt wurden, erst am Montagabend wieder aufgenommen wurden.

Es werde damit gerechnet, dass die Gespräche ein bis zwei Wochen dauern. Ein ranghoher israelischer Beamter habe erklärt, man sei pessimistisch, dass eine Einigung erzielt werden könne, berichtete die «Times of Israel». Zwar könnten die Meinungsverschiedenheiten überbrückt werden, doch sei nicht klar, ob der Hamas-Anführer im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, wirklich eine Einigung anstrebe oder nur auf Zeit spiele, um die geplante israelische Offensive auf Rafah abzuwehren. 

dpa