Israels Regierungschef will die islamistische Hamas endgültig schlagen und stellt die Kämpfer vor die Wahl: «Ergeben oder sterben». Der Verbündete USA pocht auf «gezieltere» Operationen. Der Überblick.
Netanjahu: Krieg gegen Hamas «bis zum Ende»

Während die internationale Kritik am Gaza-Krieg angesichts der zahlreichen zivilen Opfer immer weiter zunimmt, hat Israels Regierungschef ein baldiges Ende der Militäroffensive gegen die islamistische Hamas in dem abgeriegelten Küstenstreifen ausgeschlossen. «Wir setzen den Krieg bis zum Ende fort. Er wird weitergehen, bis die Hamas beseitigt ist – bis zum Sieg», sagte Benjamin Netanjahu in einer Videobotschaft.
US-Außenminister Antony Blinken forderte unterdessen «gezieltere» militärische Operationen. «Wir erwarten und wollen eine Verlagerung zu gezielteren Operationen mit einer geringeren Anzahl von Kräften sehen, die sich wirklich auf die Führung der Hamas, das Tunnelnetzwerk (…) konzentrieren», sagte Blinken in Washington. Wenn das geschehe, werde auch die Zahl der zivilen Opfer im Gazastreifen zurückgehen.
Der Gaza-Krieg wurde durch das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels ausgelöst, das von Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel begangen wurde. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit einer Bodenoffensive. Aufgrund der katastrophalen humanitären Lage in dem abgeriegelten Küstengebiet geriet Israel zuletzt international immer mehr unter Druck. Laut der islamistischen Hamas wurden seit Kriegsbeginn mindestens 20.000 Palästinenser im Gazastreifen getötet.
Netanjahu: «Hamas-Terroristen sind dem Tod geweiht»
Der israelische Ministerpräsident bekräftigte, dass das Militär die Kampfhandlungen erst einstellen werde, wenn Israel seine Kriegsziele erreicht habe. «Wer glaubt, dass wir aufhören werden, ist fernab jeder Realität», sagte Netanjahu. Israel werde nicht aufgeben, bis alle Ziele erreicht seien.
Diese seien «die Eliminierung der Hamas, die Freilassung unserer Geiseln und die Beseitigung der Bedrohung aus dem Gazastreifen». Dabei betonte Netanjahu erneut, dass alle Hamas-Terroristen, «vom ersten bis zum letzten, dem Tod geweiht» seien. Dabei greife Israel die Hamas sowie deren Komplizen «in nah und fern» an. Sie hätten nur zwei Möglichkeiten: «Ergeben oder sterben», sagte Netanjahu weiter.
USA fordern internationale Reaktion auf Taten der Hamas
Angesichts der weltweiten Kritik am Vorgehen der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen forderten die USA von der internationalen Gemeinschaft auch deutlichere Worte zum Vorgehen der islamistischen Hamas. «Was mir auffällt, ist, dass wir immer wieder hören, wie viele Länder auf ein Ende dieses Konflikts drängen, das wir alle gerne sehen würden», sagte US-Außenminister Blinken.
Aber: «Ich höre praktisch niemanden, der von der Hamas verlangt, aufzuhören, sich hinter Zivilisten zu verstecken. Dass sie ihre Waffen niederlegen, dass sie sich ergeben.» Der Gaza-Krieg könne nicht damit enden, dass die Hamas-Terroristen an Ort und Stelle blieben und ihre Absicht erklärten, die Angriffe vom 7. Oktober wiederholen zu wollen. «Das ist nicht im Interesse Israels. Es ist nicht im Interesse der Region. Es ist nicht im Interesse der Welt.»
Huthi-Anführer warnt USA
Abdel-Malik al-Huthi, der Anführer der Huthi-Milizen, die vom Iran unterstützt werden, warnte die USA davor, das Rote Meer zu einem neuen Kriegsschauplatz zu machen. Laut Abdel-Malik al-Huthi wären die USA, falls sie Soldaten in den Jemen schicken, mit etwas Schlimmerem als in Afghanistan und Vietnam konfrontiert. Er warnte auch andere Länder davor, sich der von den USA gebildeten Militärkoalition anzuschließen. Die Huthi-Milizen kündigten an, weiterhin Angriffe auf Schiffe durchzuführen, die entweder Israel gehören oder Israel unterstützen.
Der israelische Verteidigungsminister Joav Gallant warnte seinerseits die Huthi-Rebellen vor weiteren Angriffen. «Wir bereiten uns vor – die Truppen hier sind für jede Mission und jeden Befehl bereit», sagte er. US-Außenminister Blinken rief in einem Telefonat mit Außenministerin Annalena Baerbock und seinen Amtskollegen in Frankreich und Großbritannien, Catherine Colonna und David Cameron, zur Zusammenarbeit unter allen Partnern auf, um die Sicherheit für die Schifffahrt auf dem Roten Meer zu gewährleisten.
Israels Armee veröffentlicht Details zu Tunnelsystem
Das israelische Militär veröffentlichte indes neue Erkenntnisse zum weitreichenden Tunnelsystem der Hamas im nördlichen Gazastreifen. Eine entscheidende Rolle spiele der Palästina-Platz im Zentrum der Stadt Gaza, teilte die Armee mit. Von dort sollen «Büros und Wohnungen der politischen sowie militärischen Hamas-Führung» unterirdisch erreichbar gewesen sein. Das Tunnelnetz soll den Angaben nach von den hochrangigen Funktionären der Organisation, Ismail Hanija, Jihia Sinwar, Mohammed Deif und anderen, genutzt worden sein, «um die operativen Aktivitäten der Hamas zu steuern».
Israel greift Ziele im Libanon und in Syrien an
Die israelische Luftwaffe griff nach Angaben der Armee erneut Stellungen der Schiitenmiliz Hisbollah im Südlibanon an. Es seien «Terror-Infrastruktur» sowie militärische Einrichtungen der Hisbollah getroffen worden, teilte das Militär mit. Nach erneutem Raketenbeschuss seien zudem Ziele in Syrien angegriffen worden. Demnach wurden die Abschussorte der vier Raketen sowie ein syrischer Militärposten beschossen.
Was heute wichtig wird
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen plant, über eine Resolution zur Minderung der humanitären Krise im Gazastreifen abzustimmen. Der von den Vereinigten Arabischen Emiraten vorgelegte Text fordert unter anderem ein Ende der Gewalt, um die Möglichkeit für mehr humanitäre Hilfslieferungen an über eine Million bedürftige Palästinenser zu schaffen. Die Abstimmung wurde bereits mehrmals verschoben, da die Mitglieder des 15-köpfigen Sicherheitsrats versuchen, ein drohendes Veto der USA, einem Verbündeten Israels, zu verhindern.








