Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Netanjahu will mit Trump Israels Feinde besiegen

Israels Regierungschef gratuliert dem neuen US-Präsidenten und beschwört den gemeinsamen Kampf gegen Irans «Terror-Achse» mit der Hamas und Hisbollah. Derweil schwärmt Trump über das Wetter in Gaza.

US-Präsident Trump preist den verwüsteten Gazastreifen für seine «phänomenale Lage». (Archivbild)
Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat US-Präsident Donald Trump zur Amtseinführung gratuliert und den gemeinsamen Kampf gegen Israels Feinde beschworen. Er freue sich auf die Zusammenarbeit, um die im Gazastreifen noch festgehaltenen Geiseln freizubekommen, «die militärischen Fähigkeiten der Hamas zu zerstören und ihre politische Herrschaft im Gazastreifen zu beenden», sagte Netanjahu in einem von seinem Büro verbreiteten Video. Die Hamas bestätigte derweil, dass die nächste Freilassung von Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge am Samstag erfolgen soll. Vier Entführte sollen gemäß dem Gaza-Abkommen freikommen. 

In seiner Rede bei der traditionellen Parade zur Amtseinführung äußerte sich Trump auch zu den Geiseln der islamistischen Terrororganisation, wobei einige Angehörige der weiterhin in Gaza festgehaltenen Entführten hinter ihm standen. Sie wollten die neue US-Regierung drängen, dafür zu sorgen, dass das über Monate hinweg mühsam ausgehandelte Gaza-Abkommen auch vollständig eingehalten wird, schrieb die «Times of Israel». Seit Sonntag gilt in Gaza eine sechswöchige Waffenruhe.

Wird der Gaza-Krieg weitergehen?

Die Familienangehörigen befürchten, dass Israels Militär die Kämpfe nach Abschluss der ersten Phase des Abkommens auf Anweisung von Netanjahu wieder aufnehmen wird und der Premierminister die Freilassung der restlichen Geiseln verhindern wird. Nachdem die Waffenruhe in Kraft getreten war, hat die Hamas am Sonntag drei israelische Geiseln freigelassen. Im Gegenzug wurden 90 palästinensische Gefangene von Israel freigelassen. In der ersten von drei Phasen des Abkommens sollen insgesamt 1.904 palästinensische Häftlinge im Austausch gegen 33 der verbleibenden 94 Geiseln freigelassen werden. Bei mindestens 34 der Entführten im Gazastreifen wird angenommen, dass sie bereits tot sind.

Netanjahu hatte vor der Waffenruhe betont, dass Israel im Falle des Scheiterns der baldigen weiteren Verhandlungen die Kämpfe wieder aufnehmen und alle Kriegsziele durchsetzen werde, einschließlich der Zerschlagung der Hamas. Er sagte, Israel habe das Recht dazu und Trump unterstütze dies.

Trump über Gaza: «phänomenale Lage am Meer»

Der neue US-Präsident antwortete im Weißen Haus auf die Frage einer Journalistin, ob die Waffenruhe anhalten werde, er sei nicht zuversichtlich. «Es ist nicht unser Krieg, es ist deren Krieg», sagte Trump. Die «andere Seite» sei «sehr geschwächt». Er habe sich ein Bild aus Gaza angesehen – es sehe aus wie auf einem großen Abbruchgelände, die meisten Menschen dort seien tot. Es müsse auf «eine andere Art und Weise» wieder aufgebaut werden.

Trump pries den verwüsteten Gazastreifen, in dem die Zivilbevölkerung unter katastrophalen Lebensbedingungen leidet und seit Kriegsbeginn Zehntausende Menschen getötet und verletzt wurden, für eine «phänomenale Lage am Meer» und «bestes Wetter». Man könne damit «einige schöne» und «fantastische» Dinge machen. In Israel gibt es viele Rechtsextreme, die den Gazastreifen am liebsten wiederbesiedeln würden.

Am zweiten Tag der Waffenruhe erreichten laut den Vereinten Nationen 915 Lastwagen mit Hilfsgütern den Gazastreifen, um die palästinensische Bevölkerung zu versorgen – eine deutlich höhere Anzahl als während der Kämpfe. Vor dem Krieg, der am 7. Oktober 2023 durch das Hamas-Massaker begann, wurden an normalen Tagen etwa 500 Lastwagen mit Waren in den Küstenstreifen gebracht.

Katar, das für enge Verbindungen zur Hamas bekannt ist und im Konflikt mit Israel vermittelt, hat angekündigt, während der ersten zehn Tage des Waffenstillstands täglich 1,2 Millionen Liter Treibstoff für den Gazastreifen bereitzustellen. Israels Regierung hat der Hamas wiederholt vorgeworfen, einen Großteil der Hilfslieferungen für eigene Zwecke umzuleiten und der Zivilbevölkerung dringend benötigte Güter vorzuenthalten.

Netanjahu will mit Trump «iranische Terror-Achse besiegen»

In seiner Glückwunsch-Botschaft an Trump betonte Netanjahu auch den gemeinsamen Kampf gegen den Einfluss des Irans im Nahen Osten. «Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, die iranische Terror-Achse zu besiegen», sagte Israels Regierungschef. Zu den Verbündeten Teherans gehören neben der Hamas auch die von Israel militärisch geschwächte Hisbollah im Libanon sowie die Huthi-Miliz im Jemen. Israel verdächtigt den Iran außerdem, ein Atomwaffenprogramm zu betreiben, das mit allen Mitteln gestoppt werden muss. Die Islamische Republik bestreitet diese Anschuldigung.

dpa