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Neustart der Musterung: «Hell, freundlich, zugewandt»

In diesen Tagen treffen die ersten Fragebögen zum neuen Wehrdienst ein. Der Chef des Personalamtes preist das schwedische Vorbild und erklärt, wie es weitergeht.

Generalleutnant Robert Sieger
Foto: Christoph Reichwein/dpa

Zum Start des neuen Wehrdienstes hat die Bundeswehr die Kapazitäten für die militärische Grundausbildung erhöht. Insgesamt gebe es nun rund 35.000 bis 40.000 Ausbildungsplätze, sagt der Personalchef der Streitkräfte, Generalleutnant Robert Sieger, der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist eine deutliche Zunahme gegenüber den letzten Jahren.» 

Sieger betont jedoch, dass auch zukünftig mehr Fach- und Führungskräfte die Grundausbildung absolvieren werden. Die Ausbildungsplätze sind daher nicht nur für die mindestens 20.000 jungen Männer und Frauen vorgesehen, die in diesem Jahr für den neuen Wehrdienst rekrutiert werden sollen.

Die ersten 5.000 Briefe mit Fragebögen zum Wehrdienst wurden am Donnerstag von der Bundeswehr verschickt. Diese werden an junge Menschen des Jahrgangs 2008 geschickt, die seit Jahresbeginn volljährig geworden sind. Die Briefe werden ab Montag eintreffen. Insgesamt gibt es knapp 700.000 junge Männer und Frauen im Jahrgang 2008.

Die Briefe enthalten einen QR-Code zum eigentlichen Fragebogen sowie eine Broschüre und rechtliche Hinweise. Der Fragebogen wird online ausgefüllt und umfasst Angaben etwa zu Körpergröße und Gewicht, Gesundheitszustand, Fitness, Bildungsabschlüssen, vorhandener Fahrerlaubnis und zur Bereitschaft, freiwillig zu dienen. Junge Männer müssen, junge Frauen können ihn beantworten.

Der neue Wehrdienst ist jedoch optional. Es ist geplant, ihn attraktiver zu gestalten, beispielsweise durch finanzielle Anreize und Zuschüsse für den Führerschein.

Lernen von den Schweden: «Hell, freundlich, zugewandt» 

Nach dem Fragebogen folgt als nächster Schritt die Musterung mit der medizinischen Untersuchung auf Wehrtauglichkeit. Die Vätergeneration hat nicht nur gute Erinnerungen an diese erste Vorstellung bei der Bundeswehr. „Sieger – der Präsident des Bundesamts für das Personalmanagement der Bundeswehr ist – verspricht nun eine viel freundlichere Atmosphäre.“

«Drei Worte: Hell, freundlich, zugewandt», sagt er und verweist auf das Beispiel Schweden, an dem sich die Bundeswehr orientiere. «Es ist nicht das dunkle, hinter vielen Zäunen verborgene Gebäude, das den spröden Charme des letzten Jahrtausends atmet.» Für den Ersteindruck sei das absolut entscheidend.

Die Bundeswehr will dazu bis Juli nächsten Jahres 24 neue Musterungszentren aufbauen und setzt auf acht Karriere-Center mit einem sogenannten Assessment, die es schon gibt. Es sollen 17 der neuen Musterungszentren über «Anmietungslösungen» geschaffen werden.

Freundlicher Einstieg und Blick auf das scharfe Ende

«Bei der Musterung geht es allein um die Feststellung der Wehrtauglichkeit. Daneben sprechen wir über ein Assessment, wenn es um eine Einstellung für eine konkrete Verwendung geht», sagt Sieger. «Bei allen Beratungen thematisieren wir sehr klar, dass Soldatin oder Soldat zu sein eben kein Beruf ist wie jeder andere, sondern dass es natürlich auch ein scharfes Ende gibt.» 

Laut der Bundeswehr dauert es etwa 15 Minuten, um die Fragebögen für den neuen Wehrdienst auszufüllen. Wenn junge Männer dies fortgesetzt verweigern, auch nach Erinnerungsschreiben, kann dies als Ordnungswidrigkeit betrachtet werden und mit einer Geldbuße belegt werden.

Die Daten werden bei der Bundeswehr automatisiert analysiert und aufbereitet. „Dafür benötigt man kein großes Team, sondern eine gute digitale Lösung, die bereits gefunden wurde“, sagt Sieger.

Auch in der Bundeswehr ist man gespannt auf die Selbstauskünfte, die auch Rückschlüsse auf den sogenannten Wehrwillen möglich machen. «Es gibt Untersuchungen, die sagen, kaum jemand von den jungen Leuten ist bereit, unser Land auch mit der Waffe zu verteidigen. Und genauso gibt es Untersuchungen mit ganz anderen Ergebnissen. Das heute festzustellen wäre ein Blick in die Glaskugel», sagt Sieger. «Wir werden sicherlich im Laufe des Jahres aus den Antworten ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie es tatsächlich aktuell aussieht.»

«Gar kein Problem»: Die Eltern können mit

Und auch die Mama darf mit: Schon jetzt sei es in den Karrierecentern mit Assessment gang und gäbe, dass die Eltern oder ein Bruder mitgingen und auch bei den Beratungen dabei seien, sagt der Generalleutnant auf eine entsprechende Frage. «Das ist für uns gar kein Problem. Es ist nicht nötig, weil wir eine durchgängige Betreuung in diesen Musterungszentren anbieten. Es wird keiner allein gelassen», sagt er. Es seien dabei Formalien zu erfüllen – wie zur ärztlichen Schweigepflicht.

«Wir wissen und haben durch entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen festgestellt, dass oftmals tatsächlich der Austausch zwischen den Eltern und den jungen Leuten ganz wichtig ist.» Allerdings ist die Musterung für junge Männer verpflichtend, wenn sie dazu einbestellt werden.

Was nicht geht: Drogen, Extremismus, Straftaten 

Es gibt auch mehrere Ausschlussgründe für den Dienst in den Streitkräften. «Erkannte Extremisten haben in der Bundeswehr nichts verloren. Das ist Punkt eins. Menschen mit extremistischer Gesinnung, die stellen wir nicht ein», sagt Sieger.

Das zweite Thema ist illegale Drogen. Trotz möglicher Unterschiede zu anderen Armeen gilt für die Bundeswehr: »Keine illegalen Drogen. (…) Selbst wenn aus medizinischer Sicht der Konsum von Cannabinoiden angezeigt sein sollte, ist dies nicht mit dem Dienst an der Waffe vereinbar. Ein solches Verhalten wäre in der Bundeswehr nicht akzeptabel.«

dpa