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Zohran Mamdani: Der neue Hoffnungsträger von New York City

Mamdani, der als erster muslimischer Bürgermeister von New York City gehandelt wird, mobilisiert mit seinem linken Ansatz eine breite Wählerschaft.

Mamdani trat an der Seite von Sanders (l) und Ocasio-Cortez (r) auf.
Foto: Heather Khalifa/AP/dpa

Zohran Mamdani ist politisch links, wurde nicht in den USA geboren und hat gute Chancen, der erste muslimische Bürgermeister von New York City zu werden. Ein besseres Feindbild als den 34-Jährigen könnte sich US-Präsident Donald Trump kaum wünschen. Doch so gegensätzlich die beiden sind: Sie sprechen auf jeweils ihre Art die Sorgen vieler Amerikaner an. Ein Wahlsieg des charismatischen Newcomers Mamdani in der Ostküstenmetropole am 4. November dürfte bei den Demokraten eine schon lange schwelende Debatte anheizen, wie Trump am besten beizukommen ist.

Wer ist Zohran Mamdani?

Mamdani wurde 1991 als Sohn von Eltern indischer Abstammung in Uganda geboren. Seine Mutter ist Filmemacherin und sein Vater ein angesehener Politikprofessor. Im Alter von sieben Jahren zog die Familie nach New York, wo Mamdani 2018 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Während seines Studiums engagierte er sich politisch und arbeitete anschließend mit Menschen in prekären Wohnverhältnissen. Als Aktivist setzte er sich für Kürzungen im New Yorker Polizeibudget ein, wofür er sich kürzlich öffentlich entschuldigte. Unter den Künstlernamen Young Cardamom und Mr. Cardamom veröffentlichte er zudem einige Rap-Songs.

2021 zog Mamdani für seinen Wahlkreis im Stadtteil Queens ins Parlament des Bundesstaats New York ein. Als Mitglied der «Democratic Socialists of America» gehört er zum linken Flügel der Demokraten. Etwas Aufmerksamkeit erregte der junge Abgeordnete mit einem Hungerstreik, um auf die Lage von New Yorker Taxifahrern hinzuweisen, die nach einem drastischen Wertverfall ihrer teuren Lizenzen in existenzielle Not geraten waren.

Bei der Bürgermeisterwahl galt Mamdani zunächst als Außenseiter. Doch dann nahm seine Kampagne Fahrt auf: Bei der Vorwahl der Demokraten schlug er New Yorks Ex-Gouverneur Andrew Cuomo. Der tritt nun als unabhängiger Kandidat gegen Mamdani und den exzentrischen Republikaner Curtis Sliwa an. In Umfragen liegt Mamdani klar vorn. Cuomo ist sein Hauptrivale, Sliwa weit abgeschlagen.

Was ist sein Wahlkampfversprechen?

Mamdanis Hauptthema sind die hohen Lebenshaltungskosten in einer der teuersten Städte der Welt. Er verspricht eine Mietpreisbremse, kostenlose Busse und Gratis-Kinderbetreuung. Die Finanzierung soll durch höhere Steuern für Wohlhabende und Unternehmen erfolgen. Dafür benötigt er die Unterstützung des New Yorker Parlaments und von Gouverneurin Kathy Hochul. Die Demokratin unterstützt zwar Mamdanis Kandidatur, lehnt jedoch bisher Steuererhöhungen ab.

Dem «Establishment» hält Mamdani vor, den Reichen zu dienen, was ein wenig an Trumps Erzählung vom angeblichen «Sumpf» einer liberalen Elite in Washington erinnert. Auch der US-Präsident inszeniert sich als Kämpfer gegen ein korruptes System, doch die Angriffe des Republikaners zielen eher auf politische Gegner als auf Strukturen. 

Mamdani kritisiert hingegen den Einfluss fast unbegrenzter Wahlkampfspenden auf die Politik in den USA. Er beschuldigt beide großen Parteien, deshalb Gering- und Normalverdiener aus den Augen zu verlieren. Seinen eigenen Wahlkampf finanziert er größtenteils durch Kleinspenden.

Wie wurde Mamdani zum Favoriten?

Sein Aufstieg wurde durch politische Umstände begünstigt: Der amtierende Bürgermeister Eric Adams – ein Demokrat – zog sich nach Korruptionsvorwürfen aus dem Rennen zurück. Cuomo ist wegen Vorwürfen sexueller Belästigung und Verfehlungen während der Corona-Pandemie als Gouverneur extrem unbeliebt. So entstand in der liberalen Demokraten-Hochburg New York ein Vakuum, das Mamdani füllte.

Zurzeit ist es in der Großstadt kaum möglich, nicht irgendwann einem seiner Zehntausenden Wahlkampfhelfer zu begegnen. Der eloquente Shootingstar mobilisiert vor allem junge Menschen, solche mit Migrationsgeschichte und Gewerkschaftsmitglieder.

Mamdani ist überall präsent: Er spaziert, joggt oder radelt durch New York – und lacht auffallend viel. Dabei geht er auch gezielt mit Trump-Wählern ins Gespräch. Viele von ihnen, so sagte es Mamdani kürzlich beim konservativen Sender Fox News, hätten für den Republikaner gestimmt, weil das Leben einfach zu teuer geworden sei. Diesem Gefühl wolle er mit anderen politischen Antworten begegnen als Trump.

Wie inszeniert er sich?

Neben der Nähe zu den Bürgern setzt Mamdani auf Popkultur, Humor und soziale Medien. Seine Hochzeitsfotos in der New Yorker U-Bahn wurden viral, ebenso wie ein altes Musikvideo aus seiner Zeit als Mr. Cardamom: Mamdani rappt darin in einem Halal-Imbisswagen – mit nacktem Oberkörper unter der Schürze – ein Lied für seine Großmutter. Dies kommt bei politisch engagierten Wählern unter 45 gut an. Für andere New Yorker, die Politik eher aus der Ferne verfolgen oder ihr überdrüssig sind, ist Mamdani wohl vor allem eines: der Kandidat, der am meisten hervorsticht.

Wo stößt Mamdani an Grenzen?

Zweifler zweifeln daran, ob der junge Senkrechtstarter mit wenig politischer Erfahrung seine ehrgeizigen Versprechen einhalten und gleichzeitig den etwa 116 Milliarden Dollar schweren Stadthaushalt (rund 100 Mrd. Euro) sowie Hunderttausende Beamte verwalten kann. New York ist mit seinen rund 8,5 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt der USA – und das Finanzzentrum des Landes.

In konservativen Kreisen der großen jüdischen Gemeinde New Yorks wird auch seine scharfe Kritik an der israelischen Regierung abgelehnt. Proisraelische Gruppen werfen Mamdani Einseitigkeit und Antisemitismus vor. Einigen New Yorkern fällt es auch schwer, sich die Vorstellung eines muslimischen Bürgermeisters vorzustellen. Seine Rivalen Cuomo und Sliwa sind sich dessen bewusst – und bedienen gezielt islamfeindliche Ressentiments.

Was würde sein Wahlsieg bedeuten?

Mamdani würde zu einem der prominentesten Gegenspieler Trumps. Der US-Präsident nennt ihn einen «Kommunisten» und droht, weitere Bundesmittel für New York zu streichen. Er scheint aber auch eine gewisse Anerkennung für den smarten Jungpolitiker zu hegen, obgleich er diese eher widerwillig zum Ausdruck bringt. Bei Fox News bezeichnete er ihn als «ziemlich clever».

Trumps Republikaner haben bereits Kräfte vom rechten Rand in ihre Reihen aufgenommen und sich neben dem Weißen Haus Mehrheiten in beiden Parlamentskammern gesichert. Mamdanis Anhänger glauben, dass dies auch bei den Demokraten möglich ist. Sie betrachten die Strategie des Linken als vielversprechendes Modell für eine Partei, die seit Trumps Wahlsieg gelähmt ist und nach neuen Impulsen sucht, um 2026 den Kongress zurückzuerobern. Allerdings bestehen tiefe Meinungsverschiedenheiten zwischen der Parteiführung und dem linken Flügel. Gemäßigte Demokraten zweifeln daran, dass Mandanis Erfolgsrezept über das progressive New York hinaus erfolgreich sein kann.

dpa