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Anschläge auf Nord-Stream-Gasleitungen: Drahtzieher im Hungerstreik

Der Ukrainer fordert Grundrechte und kämpft gegen Auslieferung nach Deutschland. Ein neuer Gerichtstermin in Rom steht noch aus.

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Seit Monaten wird um die Auslieferung eines Nord-Stream-Verdächtigen aus Italien an Deutschland gestritten. (Archivbild)
Foto: Stefan Sauer/dpa

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen, Serhij K., ist aus Protest gegen die Haftbedingungen in einem italienischen Hochsicherheitsgefängnis in einen Hungerstreik getreten. Der 49-jährige Ukrainer verweigert seit dem 31. Oktober die Nahrungsaufnahme, wie sein Anwalt berichtet. Serhij K. sitzt seit dem Sommer in Italien in Untersuchungshaft und soll nach Deutschland ausgeliefert werden.

K. wolle mit dem Hungerstreik auf die Achtung seiner Grundrechte bestehen, erklärte Rechtsanwalt Nicola Canestrini. Der Ukrainer fordere insbesondere das Recht auf eine «angemessene Ernährung, auf eine gesunde Haftumgebung, auf menschenwürdige Haftbedingungen und auf Gleichbehandlung mit anderen Gefangenen hinsichtlich Familienbesuchen und Informationszugangs».

Seit seiner Festnahme im Urlaub mit seiner Familie in der Nähe von Rimini im August beschäftigt sich die italienische Justiz mit dem Fall. K. wird als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge auf die Gasleitungen aus Russland in der Ostsee vor drei Jahren angesehen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm gemeinschaftliches Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion an den Pipelines sowie verfassungsfeindliche Sabotage vor. Deshalb soll er in Deutschland vor Gericht gestellt werden.

Seit Monaten juristisches Hin und Her

Ein Gericht in Bologna hatte kürzlich der Überstellung des Ukrainers an die deutschen Behörden zugestimmt. Rechtsanwalt Canestrini plant jedoch, den Fall erneut vor Italiens oberstes Gericht zu bringen und Einspruch einzulegen. Dieses hatte die Auslieferung bereits einmal gestoppt, nachdem das Gericht in Bologna im September bereits grünes Licht für die Auslieferung gegeben hatte.

Wann die nächste Verhandlung in Rom stattfinden wird, ist unklar. Canestrini erklärte, nicht aufgeben zu wollen, «bis ein Gericht die völkerrechtlichen und menschenrechtlichen Fragen des Falles geprüft hat». Falls es zum Prozess in Deutschland kommt, würde dieser wahrscheinlich in Hamburg stattfinden.

dpa