Führende Ökonomen fordern eine Reform des Ehegattensplittings, um Familien mit Kindern gezielter zu unterstützen. Ihr Vorschlag verspricht steuerliche Entlastungen für Paare mit Kindern und soll Arbeitsanreize erhöhen.
Ökonomen empfehlen Umsteuerung von Ehe-Steuervorteilen zugunsten von Familien

Ökonomen fordern Reform des Ehegattensplittings zur Stärkung von Familien
Das Ehegattensplitting ist seit langem ein umstrittenes Thema in Deutschland. Nun haben sich führende deutsche Ökonomen an die Bundesregierung gewandt, um eine Reform vorzuschlagen, die insbesondere Familien mit Kindern zugutekommen soll.
Unter der Leitung von Monika Schnitzer, einer der „Wirtschaftsweisen“, haben die Ökonomen einen Offenen Brief an die Bundesregierung verfasst. In diesem Dokument, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, wird eine grundlegende Reform des Steuervorteils für Ehepaare gefordert. Die steuerliche Anerkennung der Ehe soll dabei zwar erhalten bleiben, jedoch soll die Förderung gezielt auf Familien mit Kindern und die Verbesserung von Arbeitsanreizen ausgerichtet werden.
Die Wissenschaftler schlagen vor, das bisherige Vollsplitting durch ein sogenanntes begrenztes Realsplitting zu ersetzen. Laut ihren Berechnungen würde dies Paare mit Kindern im Durchschnitt um 585 Euro und Alleinerziehende um 417 Euro pro Jahr entlasten. Im Gegensatz dazu würden kinderlose Paare mit ungleichen Einkommen im Schnitt 316 Euro mehr Steuern zahlen.
Ein Mittelweg zwischen den politischen Positionen
Zu den Initiatoren des Vorschlags gehören neben Schnitzer auch Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB). Sie betonte:
„Wir müssen angesichts des demografischen Wandels das Erwerbspotenzial der vielen gut ausgebildeten Frauen in Deutschland besser nutzen.“
Zudem fügte sie hinzu:
„Und wer möchte, dass mehr Menschen ihre Arbeitszeit ausweiten, muss dafür sorgen, dass sich das auch finanziell lohnt.“
Der Vorschlag wird auch von anderen Institutsleitern, wie Clemens Fuest (ifo) und Marcel Fratzscher (DIW), unterstützt. Mit der Leitidee „Ehe schützen, Familien stärken, Arbeitsanreize erhöhen“ versuchen die Forscher, einen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Positionen in der schwarz-roten Regierungskoalition zu finden.
Die SPD plant, den Splittingvorteil für neue Ehen zu begrenzen und ein Realsplitting einzuführen, bei dem die Partner einen bestimmten Freibetrag optimal aufteilen können. Im Gegensatz dazu möchte die Union an einem steuerlichen Ehe-Ausgleich festhalten.
In dem Offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) wird betont:
„Eine solche Reform wäre kein Angriff auf Ehe und Familie. Im Gegenteil: Sie würde den Schutz der Ehe auf ihren Kern zurückführen und Familien mit Kindern gezielter stärken.“
Steuerliche Entlastungen für Familien
Derzeit profitieren vor allem Paare mit großen Einkommensunterschieden stark vom Ehegattensplitting, da ihr gemeinsames Einkommen steuerlich so behandelt wird, als ob beide Partner gleich viel verdienen. Dies führt zu einer erheblichen Senkung der Steuerlast. Die Ökonomen argumentieren, dass dies für den Partner mit dem geringeren Einkommen, häufig die Frau, oft wenig Anreiz bietet, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder auszubauen.
Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sei diese Regelung jedoch nicht mehr tragbar. Zudem erhalten kinderlose Paare den vollen Steuervorteil, während Alleinerziehende benachteiligt werden. Der neue Vorschlag sieht vor, den unbegrenzten Steuervorteil zu begrenzen. Künftig soll der Besserverdiener maximal 13.805 Euro für den Unterhalt des Partners von der Steuer absetzen können, was den Vorteil insbesondere für Paare mit großen Einkommensunterschieden verringern würde.
Die zusätzlichen staatlichen Einnahmen sollen laut den Wissenschaftlern vollständig in die Unterstützung von Familien fließen. So sollen Kindergeld und Kinderfreibetrag um etwa 22 Prozent steigen. Das Kindergeld pro Kind und Monat würde dem Vorschlag zufolge von 259 Euro auf 316 Euro angehoben. Die Simulationen der Ökonomen zeigen, dass durch den erhöhten Arbeitsanreiz für Ehepartner rund 49.000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen könnten.
Schlussfolgerung
Die Diskussion um das Ehegattensplitting und dessen Reform ist ein bedeutendes Thema in der deutschen Politik, das sowohl ökonomische als auch soziale Aspekte berücksichtigt. Die vorgeschlagenen Änderungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die Familienstruktur und die Arbeitsmarktsituation in Deutschland haben.
Quellen: tagesschau








