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Ohne Strom und Heizung – Lage in Kiew schwierig

Russland hat erneut eine seiner gefürchteten Mittelstreckenraketen Oreschnik auf die Ukraine abgefeuert. Der ukrainische Präsident Selenskyj deutet dies als Drohgebärde gegen ganz Europa.

In der Hauptstadt Kiew werden immer wieder auch Wohnhäuser beschädigt.
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Präzisierung des deutschen Textes: „Bei Temperaturen von bis zu 17 Grad Frost wird die Situation in Kiew und anderen ukrainischen Städten aufgrund von Ausfällen bei Heizung, Strom und Wasser noch schwieriger. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner Videobotschaft, dass Russland plane, mit schweren Luftangriffen im Winter die großen Städte unbewohnbar zu machen.“

«Die Russen nutzen das Wetter – die Kältewelle – und versuchen, so viele unserer Energieanlagen wie möglich zu treffen.» Zuletzt sei die Hauptstadt beschossen worden, davor Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih, wiederum davor Odessa. «Die Haupttaktik Russlands besteht darin, zu versuchen, Städte vollständig auszuschalten.» Der Präsident verlangte von allen Stadtverwaltungen, vorbereitet zu sein und die Bürger zu schützen.

Bürgermeister Klitschko empfiehlt Verlassen von Kiew

Nach einem Luftangriff in der Nacht zu Freitag waren in der Dreimillionenstadt Kiew zunächst 6.000 Wohnblocks und damit etwa die Hälfte der Wohnhäuser ohne Heizung. Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, dass es die schlimmsten Schäden an der Infrastruktur in den fast vier Jahren Krieg gegeben habe. Er riet den Bürgern, die Stadt vorübergehend zu verlassen, wenn sich anderswo ein warmer Platz und Strom finden lasse.

Nach Angaben des Energieministeriums waren anfangs etwa 500.000 Haushalte und andere Verbrauchsstellen in und um Kiew ohne Strom. «Was Kiew betrifft, ist die Lage dort am schwierigsten», sagte Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko. Es sei bis Freitagabend aber gelungen, einen Teil der Hauptstadt, das Umland sowie Krywyj Rih wieder mit Strom zu versorgen. Trotzdem bleibe es auch an diesen Stellen bei den schon seit Wochen geltenden stundenlangen geplanten Abschaltungen.

Notfallpunkte mit Wärme, Wasser, Strom

Die Stadtverwaltungen in Kiew geben bekannt, dass Krankenhäuser mit mobilen Heizkesseln versorgt werden. Zusätzlich gibt es in der Stadt 1.200 Anlaufstellen, an denen man sich aufwärmen, Wasser holen und Handys aufladen kann.

Am späten Freitagabend wurde in Kiew und anderen Teilen der Ukraine erneut Alarm ausgelöst wegen russischer Kampfdrohnen in der Luft. Die Flugabwehr sei im Einsatz, teilte Klitschko mit. Der Angriff schien zunächst aber weniger intensiv zu sein als in der Nacht zuvor. Ihrerseits hatte die ukrainische Armee in der Nacht auf Freitag mit Raketenartillerie ein Kraftwerk im russischen Belgorod beschossen. Dessen Ausfall bewirkte nach Behördenangaben, dass etwa eine halbe Million Menschen keinen Strom hatte.

https://x.com/ZelenskyyUa/status/2009689240150442244

Selenskyj: Rakete war eine Drohgebärde gegen Europa 

Laut eigenen Angaben hat die russische Armee bei dem Luftangriff auf die Ukraine am Donnerstagabend auch die neue Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Die Sprengköpfe dieser Rakete trafen ein Infrastrukturobjekt im westukrainischen Gebiet Lwiw, vermutlich einen großen Gasspeicher. Es war der zweite Einsatz dieser nuklear bestückbaren Waffe seit 2024, die mit ihrer Reichweite auch Westeuropa erreichen kann.

Die Angriffe zeigten, dass Moskau sich nicht um Diplomatie und die Friedensbemühungen der USA schere, sagte Selenskyj. Der Einschlag der Rakete kurz vor der Außengrenze von EU und Nato sei «eine gleich große Herausforderung für Warschau, Bukarest, Budapest und viele andere Hauptstädte». Kein Land sei durch sein Verhältnis zu Russland geschützt. Nötig sei eine gemeinsame europäische Verteidigung, sagte er.

Die Bundesregierung hat den Einsatz dieser Waffe als Eskalation verurteilt. „Es handelt sich um eine Drohgebärde, die jedoch keine Wirkung zeigt“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin. Lettland, eine baltische Republik, hat angekündigt, als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine eine außerordentliche Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu beantragen.

dpa