Die proiranische Miliz Hisbollah beschuldigt Israel für die Explosionen, viele Fragen sind noch offen.
Explosion von Hunderten Pagern im Libanon: 2.750 Verletzte und 9 Tote

Als Konsequenz der gleichzeitigen Explosion Hunderter sogenannter Pager wurden am Dienstag im Libanon rund 2.750 Menschen verletzt, mindestens neun Menschen starben. Unter den Verletzten sollen viele Hisbollah-Kämpfer sein, darunter Mitglieder der Elitetruppe Radwan. Die proiranische Schiitenmiliz beschuldigte Israel und drohte mit Rache. Es gibt noch viele offene Fragen.
Was uns bekannt ist:
Die Geräte: Bei dem Vorfall detonierten Pager, die das Logo der Firma Gold Apollo trugen. Die in Taiwan ansässige Marke dieser Funkempfänger hat eine Verbindung zu dem Vorfall von sich gewiesen. Laut dem Vorstand von Gold Apollo, Hsu Ching-Kuang, trugen die Geräte lediglich das Logo der Firma und wurden nicht von dem Unternehmen in Taiwan gefertigt. Auf telefonische Nachfrage erklärte Gold Apollo, dass eine in Ungarn ansässige Firma die Funkgeräte entworfen und gefertigt habe. «Gemäß einer Vereinbarung ermächtigen wir BAC unser Markenzeichen für den Verkauf von Produkten in bestimmten Regionen zu nutzen, aber Design und Herstellung werden vollständig von BAC übernommen», teilte Gold Apollo mit. Auch das in Medienberichten genannte Modell AR-924 werde von BAC produziert und verkauft.
Experten schätzen, dass die Pager für die Hisbollah ein wichtiges Kommunikationssystem waren. Aus Sicherheitsgründen wechselte die Miliz von Mobiltelefonen auf Pager, da der Standort nicht verfolgt werden kann. Dies macht sie weniger anfällig für Überwachung oder elektronische Angriffe. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warnte seine Anhänger mehrmals vor der Verwendung von Smartphones und forderte im Februar seine Kämpfer auf, ihre Smartphones wegzuwerfen.
Das Ziel des Angriffs: Es wird vermutet, dass Israel die Geräte gezielt zur Explosion gebracht hat, um Hisbollah-Kämpfer anzugreifen. Nach Angaben der Hisbollah sind Pager, die von verschiedenen Hisbollah-Einheiten und -institutionen genutzt wurden, explodiert. Viele der Verletzten sollen Hisbollah-Kämpfer sein, einschließlich Mitglieder der Elitetruppe Radwan. Auch hochrangige Vertreter der Hisbollah wurden verletzt, wie eine Quelle bestätigte, die der Miliz nahesteht. Explosionen wurden im ganzen Land gemeldet, insbesondere in den von der Hisbollah kontrollierten Gebieten. Gleichzeitig waren auch Zivilisten von den Auswirkungen betroffen – unter den Toten befindet sich zum Beispiel ein Mädchen.
Der Zeitpunkt des Angriffs: Gemäß lokalen Medienberichten detonierte eine große Anzahl von Funkempfängern gleichzeitig um 15.30 Uhr Ortszeit. In den sozialen Medien sind ebenfalls Videos von Überwachungskameras mit diesen Zeitstempeln im Umlauf.
Die Anzahl der Toten und Verletzten: Gemäß dem libanesischen Gesundheitsministerium wurden mindestens neun Personen getötet und etwa 2.750 weitere verletzt, davon rund 200 schwer. Krankenhäuser berichteten, dass die Verletzten hauptsächlich Verletzungen an den Augen, Händen und im Bauchbereich erlitten haben.
Was uns unbekannt ist:
Bis jetzt hat noch niemand den Angriff für sich reklamiert. Die Hisbollah und ihr enger Verbündeter, der Iran, geben Israel die Schuld an den Explosionen. Israel hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorfällen geäußert, wie in anderen Fällen zuvor.
Das Vorgehen: Es gibt immer noch Spekulationen darüber, wie und wo die Pager manipuliert wurden. Einigen Medienberichten zufolge wurden die Funkempfänger möglicherweise von israelischen Agenten abgefangen und mit Sprengstoff präpariert, bevor sie in den Libanon geliefert wurden.
Es gibt noch keine genauen Angaben darüber, ob Mitglieder der Hisbollah-Führungsriege zu den Opfern gehören. Hisbollah-Chef Nasrallah hat eine Rede für Donnerstag angekündigt, daher wird vermutet, dass es ihm wahrscheinlich gut geht. Er lebt im Verborgenen und wird angenommen, dass er keine technischen Geräte bei sich hat. Laut libanesischen Sicherheitskreisen wurden jedoch zwei seiner Leibwächter verletzt.








