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Palästinenser im Gazastreifen: Kinder gehen hungrig schlafen

Obwohl inzwischen wieder mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen kommen, berichten die dort lebenden Menschen von katastrophalen Zuständen.

Auch zahlreiche Kinder im Gazastreifen leiden derzeit unter Hunger.
Foto: Mohammed Talatene/dpa

Bewohner des Gazastreifens haben über die Entbehrungen vor Ort berichtet, nachdem die UN vor dem Hungertod von Hunderttausenden Palästinensern gewarnt hat. Ein verzweifelter Vater sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag: „Von Tag zu Tag wird der Inhalt der Nahrungsmittelpakete des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA kleiner“.

Saher Ramlawi, der behauptet, aus Schedschaija, einem Viertel der Stadt Gaza im Norden des Küstengebiets zu stammen, ist aufgrund des Krieges mit seiner Frau und den gemeinsamen fünf Kindern nach Rafah im Süden geflohen. Laut seinen Angaben leben sie dort in einem temporären Zelt.

Die Familie esse jeden Tag nur noch eine Mahlzeit, sagte Ramlawi. «Dazu gehören einige Stücke Brot und Konserven wie Bohnen und etwas Rindfleisch.» Er habe seit Ausbruch des Kriegs zwölf Kilogramm Gewicht verloren, sagte der Familienvater. Er und seine Angehörigen haben demnach keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, das sehr teuer sei. Er trinke deshalb entweder gespendetes Wasser oder manchmal auch das salzhaltige und ungesunde Grundwasser.

Mutter: Meine Kinder essen nur noch einmal pro Tag

Eine Frau, die in einem Zelt in Deir al-Balah lebt, sagte der dpa, ihre Kinder seien wegen des Nahrungs- und Wassermangels bereits krank geworden. «Um etwas zu essen zu bekommen, warte ich in der UNRWA-Schule in einer langen Schlange», sagte Hajam Abu Samra. Dort erhalte sie Konserven, Kekse und etwas Wasser. «Aber sie geben einem kein Weizenmehl, um Brot zu backen.» Die Preise für Lebensmittel seien seit dem Krieg extrem gestiegen. «Ich habe kein Geld, um Essen oder Wasser zu kaufen», sagte sie. Selbst die Kinder äßen deshalb nur noch einmal pro Tag. «Meistens schlafen sie hungrig.»

UNRWA steht für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge.

Im Zuge der Militäroffensive Israels im Gazastreifen verschlechtert sich die humanitäre Situation in dem abgeriegelten Küstenstreifen immer weiter. Die Vereinten Nationen haben kürzlich vor dem Hungertod von Hunderttausenden Palästinensern gewarnt. Eine Studie mehrerer UN-Agenturen und anderer Institutionen vom Donnerstag kommt zu dem Ergebnis, dass in dem abgeriegelten Küstenstreifen 577.000 Menschen in die schwerste Kategorie des Hungers fallen. Fast alle Bewohner sind von Hunger oder Vertreibung betroffen.

Trotz einer Zunahme der Anzahl von Lastwagen, die Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen, sind Hilfsorganisationen laut eigenen Angaben aufgrund der fortwährenden Kämpfe nicht in der Lage, die Güter überall zu verteilen.

dpa