Während viele Pflegekräfte aktuellen Zahlen zufolge immer häufiger am Limit sind, fordern Patientenschützer deutlich mehr Unterstützung. Auch Gesundheitsminister Lauterbach räumt große Probleme ein.
Mehr Krankheitsfälle unter Pflegekräften

Die krankheitsbedingten Ausfälle von Pflegekräften in Heimen und Kliniken haben laut einer aktuellen Auswertung zugenommen. Laut der Techniker Krankenkasse waren die dort tätigen Pflegekräfte im vergangenen Jahr im Schnitt 29,8 Tage krankgeschrieben. Im Jahr 2022 waren es noch 28,8 Tage und 2021 im Schnitt noch 23,3 Tage. Über alle Berufsgruppen hinweg waren Versicherte der Kasse 2023 im Schnitt 18,6 Tage krankgeschrieben.
Der Krankenstand in der Pflegebranche sei damit weitaus höher als in anderen Berufsfeldern, betonte die Kasse anlässlich des Tages der Pflegenden. Dies sei «ein unmissverständliches Signal, das die starke Belastung durch den physisch wie psychisch fordernden Arbeitsalltag widerspiegele», sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte angesichts des internationalen Aktionstags mehr finanzielle Unterstützung für die häusliche Pflege von Angehörigen.
Lage in Altenpflege besonders angespannt
Laut der Analyse der Techniker Krankenkasse ist die Situation in der Altenpflege besonders schwierig. Die Ausfallzeiten betrugen in diesem Bereich 34,2 Tage, während sie in der Krankenpflege 28 Tage betrugen.
Die Daten zeigen, dass im letzten Jahr durchschnittlich 6,2 Fehltage in der Pflege auf Atemwegserkrankungen, 5,9 Tage auf psychische Erkrankungen und 5,1 Tage auf Rückenschmerzen und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen waren. Die Kasse hat nach eigenen Angaben die Daten von 5,7 Millionen versicherten Erwerbstätigen aus allen Berufen ausgewertet.
Dass sich die Lage in der Pflege zuspitzt, sieht auch der zuständige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). «Wir haben große Probleme in der Pflege zugelassen», sagte Lauterbach vor einigen Tagen beim Ärztetag in Mainz. Jede sechste Schicht sei mittlerweile unterbesetzt. «Die hohe Desillusion in der Pflege geht auch auf massive Arbeitsüberlastung der Pflegekräfte zurück», räumte der Minister ein.
Gemäß der Bundesagentur für Arbeit ist der Mangel an Fachkräften in der Pflege nirgendwo so ausgeprägt wie in diesem Bereich. Im letzten Jahr waren knapp 1,7 Millionen Pflegekräfte in der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege in festen Anstellungen tätig – 10.000 Beschäftigte mehr als im Jahr zuvor. 82 Prozent aller Beschäftigten in diesem Sektor sind weiblich. Von diesen 1,39 Millionen Frauen arbeitet etwas mehr als die Hälfte in Teilzeit.
Patientenschützer für mehr Unterstützung für Pflege zu Hause
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind in Deutschland rund fünf Millionen Menschen pflegebedürftig. Etwa vier Millionen davon werden zu Hause gepflegt.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert die Bundesregierung auf, mehr Geld für die häusliche Pflege in die Hand zu nehmen. «Ohne dieses kräftezehrende Engagement der meist weiblichen Angehörigen wäre die Altenpflege längst zusammengebrochen», sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. «Damit die Bundesregierung unmittelbar helfen kann, muss das Pflegegeld sofort und pauschal um 300 Euro erhöht werden.» Das schaffe Luft angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten, erklärte Brysch.
Für Berufstätige sei ein steuerfinanziertes «Pflegezeitgeld» überfällig, das wie das Elterngeld für Mütter und Väter nach der Geburt funktioniere. Bislang lasse die Regierung Pflegebedürftige daheim und Angehörige im Stich, kritisierte Brysch. Viele Familien seien seelisch, körperlich und finanziell am Ende.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Wochenende in einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland in Potsdam zu, trotz Sparzwängen nicht bei der Pflege oder der Sicherheit kranker Menschen kürzen zu wollen.
Reform: Entlastungen für Pflegebedürftige zu Hause
Eine Reform des Gesundheitsministers Lauterbach, die seit Jahresbeginn in Kraft ist, sieht bereits Entlastungen für Pflegebedürftige zu Hause vor. Das Pflegegeld, das zuletzt im Jahr 2017 erhöht wurde, ist um fünf Prozent gestiegen. Es kann nach Belieben verwendet werden, beispielsweise für Betreuung. Wenn Beschäftigte sich um die Pflege von nahen Angehörigen kümmern müssen und deshalb nicht zur Arbeit gehen können, haben sie Anspruch auf eine Lohnersatzleistung. Dies ist nun für bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr möglich, während es zuvor nur zehn Arbeitstage pro pflegebedürftiger Person waren.
Auch außerhalb der häuslichen Pflege bemüht sich die Bundesregierung, der Herkulesaufgabe des Pflegenotstands zu begegnen – beispielsweise durch die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland und die Unterstützung von Weiterbildung. Es steht fest: Der Handlungsdruck nimmt zu. Mit zunehmender Anzahl älterer Menschen in Deutschland steigt auch die Anzahl der Pflegebedürftigen. Gemäß Prognosen aus der Wissenschaft wird sich die Anzahl der Pflegebedürftigen innerhalb von 15 Jahren voraussichtlich um rund eine Million erhöhen.








