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Deutschlands Kitas: Grüne und Länder fordern hohe Fördersummen von Lindner

Bundesfamilienministerin Paus und die Länder pochen auf langfristige finanzielle Beteiligung des Bundes für Kita-Qualität und gegen Fachkräftemangel.

Familienministerin Lisa Paus stellte in Berlin Empfehlungen gegen den Fachkräftemangel in Kitas vor.
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und die Bundesländer drängen Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) darauf, ab dem nächsten Jahr hohe Fördermittel für Deutschlands Kitas bereitzustellen. Es sei entscheidend, dass der Bund auch nach 2024 finanziell an der Verbesserung der Qualität der frühkindlichen Bildung beteiligt bleibe, sagte Paus in Berlin. Paus präsentierte gemeinsam mit den Ländern Empfehlungen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in Kitas.

Der Bundesrat hatte die Bundesregierung am Freitag bereits aufgefordert, sich auch über das laufende Jahr hinaus an der Finanzierung der Verbesserung der Kita-Qualität zu beteiligen. In ihrer Entschließung betonen die Länder: «Dies beinhaltet die dauerhafte Fortführung der Finanzierung durch den Bund ab dem Jahr 2025 sowie die notwendige Dynamisierung der Mittel (…).»

Ende der finanziellen Beteiligung des Bundes?

Gemäß dem Kita-Qualitätsverbesserungsgesetz (Gute-Kita-Gesetz) hatten die Länder sich dazu verpflichtet, bestimmte Standards einzuhalten. Die finanzielle Unterstützung des Bundes wird jedoch Ende dieses Jahres eingestellt. Eine Verlängerung ist bisher nicht geplant. Im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes hatte der Bund den Ländern 2023 und 2024 mit etwa vier Milliarden Euro geholfen.

Die Vorsitzende der Familien- und Jugendministerkonferenz der Länder, Bremens Bildungssenatorin Sascha Karolin Aulepp (SPD), sagte: «Wir müssen den Personalbedarf in Kitas und Schulen flächendeckend sichern, um allen Kindern den Zugang zu frühkindlicher Bildung zu ermöglichen.» Nötig sei dafür rasch eine nationale Strategie. Bund und Länder sollten darin ihre gemeinsame finanzielle Verantwortung festschreiben.

Manche müssen für Ausbildung bezahlen

Aulepp forderte, um genügend Erzieherinnen und Erzieher zu gewinnen, eine flächendeckende Vergütung der Ausbildung zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte die bereits in einigen Ländern existierende sogenannte praxisintegrierte Ausbildung weiter verbreitet werden. Junge Menschen können sich dabei – ähnlich wie bei der dualen Ausbildung in der Wirtschaft – mit Praxis- und Schulteil zur Kita-Erzieherin oder zum -Erzieher ausbilden lassen.

Paus beklagte, dass immer noch Schulen existieren, in denen Erzieherinnen und Erzieher Schulgeld zahlen müssen. Sie setzt sich nicht nur für vergütete praxisintegrierte Ausbildungsmodelle ein, sondern auch für Umschulungsförderung.

Die Erfolgsaussichten von Paus und der Familienpolitikerinnen und -politiker bei ihren Geldforderungen beim Bundesfinanzministerium in den Haushaltsverhandlungen für 2025 sind aber unklar. Welche Summe sie von Lindner dafür haben möchte, wollte Paus nicht sagen. «Sie wissen, wir sind derzeit in den Haushaltsverhandlungen.» Aulepp verwies auf den großen Bedarf: «Deswegen können wir uns an dieser Stelle ein Sparen nicht leisten.»

Bundesfinanzminister Lindner hatte zuletzt neue Zweifel an den Plänen für ein anderes Projekt von Paus geäußert, der Kindergrundsicherung. Ein Argument Lindners: Die besten Hebel gegen Kinderarmut seien nicht soziale Transfers, sondern Kita-Plätze und bessere Förderung. Um solche Ziele geht es auch in den fast 50 Empfehlungen, die Paus und Aulepp nun mit weiteren Expertinnen und Experten in einer «Gesamtstrategie» formuliert haben.

Bis zu 90.000 Erzieherinnen fehlen

Die Ministerin der Grünen und die Ministerin der SPD warnten davor, dass es bis 2030 in Deutschlands Kitas an 50.000 bis 90.000 Fachkräften fehlen könnte. Trotz eines Anstiegs auf über 840.000 Beschäftigte in der Kindertagesbetreuung in den letzten Jahren, nimmt der Mangel insbesondere in Westdeutschland zu. Im Osten hingegen gebe es laut Paus mehr Fachkräftepotenzial in diesem Bereich.

Paus verwies auch auf «erhebliche Qualitätsunterschiede», die es regional noch im Kita-Bereich gebe. Positiv seien die vielen ausländischen Bewerberinnen und Bewerber, auch für die Betreuung der Kinder, deren Deutsch noch nicht gut sei. Auch nonformale Kompetenzen, etwa aus der Arbeit in Sportvereinen oder Jugendhilfeeinrichtungen, sollten bei angehenden Erzieherinnen und Erziehern verstärkt anerkannt werde, so Paus und Aulepp.

dpa