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Angriff erwartet: Angst vor neuem Nahost-Krieg wächst

Die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und Israel wächst. Ein Angriff auf den jüdischen Staat könnte jeden Moment erfolgen. Gelingt doch noch eine Entschärfung?

Seit Beginn des Gaza-Kriegs verübten proiranische Milizen immer wieder Angriffe auf US-Militärstützpunkte im Irak und in Syrien.
Foto: Khalid Mohammed/AP/dpa

Angesichts drohender Vergeltungsschläge des Irans und seiner Verbündeten gegen Israel versuchen die USA einen großen Krieg im Nahen Osten doch noch abzuwenden. «Wir führen fast rund um die Uhr intensive diplomatische Gespräche mit einer ganz einfachen Botschaft: Alle Parteien müssen von einer Eskalation absehen», sagte US-Außenminister Antony Blinken nach einem Treffen mit seiner australischen Kollegin Penny Wong in Washington. Der genaue Zeitpunkt des weithin erwarteten Angriffs auf Israel ist weiter unklar, nach Medienberichten könnte er aber unmittelbar bevorstehen.

US-Präsident Joe Biden zog sich mit seinem Sicherheitsteam ins Lagezentrum des Weißen Hauses zurück. Er und Vizepräsidentin Kamala Harris seien über die Bedrohungslage, über die Bemühungen zur Deeskalation und Vorbereitungen zur Unterstützung Israels im Angriffsfall informiert worden, ließ Biden im Anschluss auf der Plattform X wissen. Es seien zudem Maßnahmen erörtert worden, um US-Streitkräfte in der Region zu verteidigen «und auf jeden Angriff auf unser Personal auf eine Weise und an einem Ort unserer Wahl zu reagieren». 

Pentagon: US-Soldaten bei Angriff im Irak verletzt

Laut einem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums wurden bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt im Irak mehrere US-Soldaten verletzt. Der Luftwaffenstützpunkt Al-Asad, der von US-Truppen und Partnern genutzt wird, wurde mutmaßlich mit einer Rakete angegriffen.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas greifen mit dem Iran verbündete Milizen immer wieder US-Militärstützpunkte im Irak und in Syrien an. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und sein israelischer Kollege Joav Galant waren sich in einem gemeinsamen Gespräch einig, dass der Angriff eine «gefährliche Eskalation darstellt und die destabilisierende Rolle des Iran in der Region verdeutlicht», wie ein Sprecher des Pentagons im Anschluss mitteilte.

Der Iran und seine Verbündeten in der Region haben angekündigt, Israel für die Tötung des Hamas-Auslandschefs Ismail Hanija in Teheran und des Hisbollah-Kommandeurs Fuad Schukr in Beirut vergangene Woche hart zu bestrafen. Die USA verlegen daher nach Angaben des Pentagons zusätzliche Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge in die Region. Der Kommandeur der US-Truppen im Nahen Osten, General Michael Erik Kurilla, traf sich in Israel mit Generalstabschef Herzi Halevi.

Bei der Unterredung ging es dem israelischen Militär zufolge auch um «gemeinsame Vorbereitungen», um den Bedrohungen in der Region zu begegnen. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant sagte laut örtlichen Medien bei einem Besuch der unterirdischen Kommandozentrale der Luftwaffe in Tel Aviv, das Militär müsse sich auf alle Möglichkeiten vorbereiten, auch auf einen «schnellen Übergang zur Offensive».

Bericht: Russland liefert Iran Ausrüstung zur Luftabwehr

Russland hat einem Medienbericht zufolge mit der Lieferung von modernen Radaranlagen und Ausrüstung zur Luftraumverteidigung an den Iran begonnen. Der Iran habe zuvor in Vorbereitung eines möglichen Krieges mit Israel moderne Luftabwehrsysteme von Russland angefordert, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf zwei iranische Beamte, die mit der Kriegsplanung vertraut sein sollen. Die Lieferung sei angelaufen, hieß es nach Gesprächen des Sekretärs des russischen Nationalen Sicherheitsrates, Sergej Schoigu, mit ranghohen Vertretern des Irans in Teheran.

Moskau hat enge Beziehungen zu Teheran, unterhält jedoch auch Kontakte zu Israel. Die russische Regierung forderte alle Parteien zur Zurückhaltung auf.

Vor dem drohenden Angriff auf Israel sollen Maschinen mit Flugziel Jordanien für eine mögliche Routenänderung vorbereitet werden. Alle ankommenden Flieger müssen vorab mit Treibstoff für 45 zusätzliche Flugminuten betankt werden, wie es in einem Sicherheitshinweis der zivilen Luftfahrtbehörde des Königreichs heißt. Im Falle eines Angriffs hätten sie genug Treibstoff, um die Route kurzfristig zu ändern und in einem benachbarten Staat zu landen. Der Hinweis der jordanischen Behörde gilt bis heute Abend um Mitternacht (MESZ).

Der Iran hat Israel erstmals im April direkt angegriffen. Während des Angriffs mit über 300 Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern schloss Jordanien als erstes Land der Region seinen Luftraum.

Bundeswehr bereit für großen Evakuierungseinsatz

In Anbetracht der sich verschärfenden Situation ist die Bundeswehr bereit für einen umfangreichen Einsatz zur Evakuierung deutscher Staatsbürger. Auf dem Fliegerhorst in Wunstorf, Niedersachsen, stehen Transportflugzeuge vom Typ A400M und Soldaten bereit, die kurzfristig starten können, wie der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt wurde. Auch die Marine bereitet sich demnach vor. Der Einsatz könnte hauptsächlich darauf abzielen, Deutsche zu evakuieren, die trotz mehrfacher Aufforderungen zur Ausreise im Libanon geblieben sind.

Der Iran will derweil mit anderen islamischen Ländern über die Tötung des Hamas-Auslandschefs Hanija beraten. Dafür ist am Mittwoch auf Ebene der Außenminister eine Dringlichkeitssitzung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Saudi-Arabien geplant, wo die OIC ihren Sitz hat. Bei dem Treffen in Dschidda solle es um die «Verbrechen der israelischen Besatzung» gehen, darunter die «Ermordung» Hanijas, teilte die OIC mit, der 57 islamische Länder angehören.

Der Iran und die Hamas geben Israel die Schuld an der Tötung von Hanija in der letzten Woche, Israel hat sich bisher nicht dazu geäußert.

Biden bemüht sich um Deeskalation

In Anbetracht der zunehmenden Besorgnis vor einer Eskalation beriet sich US-Präsident Biden in einem Telefonat mit Jordaniens König Abdullah II. In dem Gespräch diskutierten sie ihre Bemühungen um eine Deeskalation der Spannungen, einschließlich der Vermittlung eines Abkommens über eine sofortige Waffenruhe im Gazastreifen und der Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der Hamas, wie das Weiße Haus mitteilte.

Die Verhandlungen über ein solches Abkommen zwischen Israel und der Hamas sind seit Monaten festgefahren. „Die USA, Ägypten und Katar vermitteln, da beide Seiten nicht direkt miteinander verhandeln“, berichteten israelische Medien, nachdem eine weitere Gesprächsrunde einer israelischen Delegation mit ägyptischen Unterhändlern am Wochenende in Kairo ergebnislos endete.

Die Verhandlungen würden erst wieder aufgenommen, wenn der Iran die Ermordung Hanijas vergolten und die Hamas einen Nachfolger für den getöteten Auslandschef ausgewählt habe, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Beamte der «Times of Israel». Hanija war einer der Hauptverhandler der Hamas bei den indirekten Gesprächen über eine Waffenruhe und Geiselfreilassung.

dpa