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Pflege im Heim immer teurer – wie lange noch?

Die Pflegeversicherung ist in chronischen Finanznöten – viele Pflegebedürftige sind es aber auch. Denn Zahlungen aus eigener Tasche für Heimplätze gehen weiter hoch. Steuert die Politik bald gegen?

Pflegebedürftige müssen immer mehr fürs Heim bezahlen. (Archivbild)
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die Kosten für die Pflege im Heim steigen kontinuierlich an. Laut einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen müssen Pflegebedürftige im ersten Jahr in der Einrichtung bundesweit nun durchschnittlich 3.245 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen, wie es zum 1. Januar festgestellt wurde. Dies bedeutet eine Steigerung von 137 Euro im Vergleich zum 1. Juli 2025 und 261 Euro mehr als zu Beginn des letzten Jahres. Dieser Anstieg erhöht den Druck auf die schwarz-rote Koalition, Pflegebedürftige mit einer geplanten Reform in diesem Jahr insgesamt zu entlasten.

In den Gesamtkosten ist ein Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten, im Gegensatz zur Krankenversicherung. Zusätzlich zu den Bewohnern im Heim fallen auch Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen in den Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten an.

Große Unterschiede in den Ländern

Es gibt regionale Unterschiede, wie die neuen Zahlen der Deutschen Presse-Agentur zeigen. Im Ländervergleich waren die Kosten für die Pflege im ersten Jahr im Heim am höchsten in Bremen mit durchschnittlich 3.637 Euro pro Monat und im Saarland mit 3.601 Euro. Am günstigsten war die monatliche Belastung im ersten Jahr im Heim nun in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit jeweils 2.903 Euro.

Die Personalausgaben für dringend benötigte Pflegekräfte sind der Hauptkostentreiber, wie vom Verband der Ersatzkassen erklärt. Beim Eigenanteil für die reine Pflege schlagen sie zu Buche: Der rechnerische Ausgangswert nur für diesen Eigenanteil in den Pflegeheimen stieg jetzt im bundesweiten Schnitt auf 1.982 Euro im Monat, das waren 222 Euro mehr als Anfang 2025.

Schon teure Zuschläge für Entlastungen 

Auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind gestiegen. Im Durchschnitt belaufen sie sich jetzt auf 1.046 Euro pro Monat, was 56 Euro mehr sind als am 1. Januar 2025. Die Auswertung basierte auf Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern, wie vom Ersatzkassenverband erklärt. Zu ihm gehören unter anderem die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit.

Um zusätzliche Kosten zu reduzieren, erhalten Pflegebedürftige seit 2022 neben den Leistungen der Pflegekassen auch Entlastungszuschläge, die je nach Aufenthaltsdauer im Heim variieren. Auf diese Weise wird der Eigenanteil für die reine Pflege im ersten Jahr in der Einrichtung um 15 Prozent gesenkt, im zweiten Jahr um 30 Prozent, im dritten Jahr um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.

Auch mit dem höchsten Zuschlag ab dem vierten Jahr erhöhte sich die Gesamtbelastung für Heimbewohnerinnen und Heimbewohner aber nun weiter auf durchschnittlich 2.056 Euro. Das waren 128 Euro mehr als Anfang 2025. Bei den Pflegekassen führen die Zuschläge zu wachsenden Milliardenkosten.

Forderungen für große Pflegereform

Die Vorstandschefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, mahnte eine nachhaltige Finanzierung der Pflege an, die auch Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlaste. Sie müssten heute für Investitions- und Ausbildungskosten aufkommen, die aber Sache des Staates seien. Die Länder müssten dies endlich übernehmen. Dass das Pflegepersonal gut bezahlt werde, sei richtig, sagte Elsner. Es könne aber nicht sein, dass Lohnsteigerungen zum großen Teil den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Es brauche eine «solidarische Lösung».

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant, in den kommenden Monaten eine umfassende Reform anzugehen, um die Beiträge zu stabilisieren. In diesem Jahr wird der Bund noch einmal 3,2 Milliarden Euro als Darlehen für die Pflegeversicherung bereitstellen. Es wird bereits seit einiger Zeit über verschiedene Vorschläge und Forderungen diskutiert – von einer Erhöhung der Steuergelder über Begrenzungen der Eigenanteile bis hin zu einer Umstellung auf eine Vollversicherung, die sämtliche Pflegekosten abdeckt. Auch Prävention und Vorsorge, um Pflegebedürftigkeit zu verhindern, stehen im Fokus.

Kanzler noch unzufrieden

Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern, die zur Vorbereitung eingesetzt wurde, präsentierte im Dezember ein Ergebnispapier, das verschiedene Maßnahmen zur Einnahmen- und Ausgabenoptionen mit den finanziellen Auswirkungen auflistet. Kanzler Friedrich Merz (CDU) machte deutlich, dass er mit dem ersten Ergebnis noch nicht zufrieden ist. Im Fokus stehen sowohl die rund 710.000 Pflegebedürftigen in Heimen als auch die Mehrheit der 4,8 Millionen Pflegebedürftigen zu Hause.

dpa