Vier Tage nach Bekanntwerden ist die Bundeswehr-Abhöraffäre im Kern aufgeklärt. Die Ursache für das Datenleck: Unachtsamkeit eines Teilnehmers.
Pistorius zu Taurus-Leck: «Individueller Anwendungsfehler»

Nach den ersten Untersuchungen ist ein «individueller Anwendungsfehler» verantwortlich dafür, dass das Gespräch hochrangiger Bundeswehr-Offiziere über das Waffensystem Taurus von Russland abgehört werden konnte. Das sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Berlin.
Der Fehler gehe auf einen Teilnehmer zurück, der von Singapur aus an dem Gespräch teilgenommen habe. Er habe sich über eine «nicht sichere Datenleitung» eingewählt, also Mobilfunk oder WLAN. Dass ein russischer Spion an dem Gespräch teilgenommen hat, ohne bemerkt worden zu sein, schloss Pistorius aus.
«Persönliche Konsequenzen stehen derzeit nicht auf der Agenda»
Der Verteidigungsminister sagte, dass disziplinarische Vorermittlungen gegen alle vier Teilnehmer des Gesprächs eingeleitet worden seien. Er betonte aber auch: «Persönliche Konsequenzen stehen derzeit nicht auf der Agenda.» Er werde «niemanden meiner besten Offiziere Putins Spielen opfern», betonte Pistorius.
Am Freitag wurde eine aufgezeichnete Schaltkonferenz von vier hochrangigen Offizieren, darunter Luftwaffen-Chef Ingo Gerhartz, von Russland veröffentlicht. In dieser diskutierten sie mögliche Szenarien für den deutschen Marschflugkörper Taurus, falls dieser tatsächlich noch an die Ukraine geliefert werden sollte. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat zu diesem Zeitpunkt eine solche Lieferung ausgeschlossen und seine Ablehnung damit begründet, dass Deutschland dadurch in einen Krieg verwickelt werden könnte.
Am Montag bekräftigte er seine Position und sagte: «Ich bin der Kanzler, und deshalb gilt das.» Taurus hat eine Reichweite von 500 Kilometern und kann damit von der Ukraine aus auch Ziele in Moskau treffen.








