Nach seiner Predigt in Jerusalem steht Bischof Azar in der Kritik: Er bezichtigt Israel des Völkermords. Eine deutsche Delegation distanziert sich entsetzt.
Protestantischer Bischof wirft Israel Völkermord vor

Der protestantische Bischof in Jerusalem, Ibrahim Azar, hat bei einer Predigt Israel einen Völkermord im Gazastreifen vorgeworfen und damit heftige Kritik ausgelöst. «Aber wie sieht Reformation nach zwei Jahren Völkermord aus? Was bedeutet Reformation, wenn wir eine Welt, ein Land betrachten, das so zerbrochen ist?», fragte der palästinensische Geistliche bei einem Reformationsgottesdienst in der Erlöserkirche in der Altstadt von Jerusalem.
Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land hat nach dem auf Facebook veröffentlichten Text der Predigt das Massaker der Hamas und anderer Extremisten aus dem Gazastreifen in Israel am 7. Oktober 2023 mit 1.200 Toten und mehr als 250 Verschleppten nicht erwähnt.
Deutsche Delegation entsetzt
Eine Delegation des nordrhein-westfälischen Landtags, die im Rahmen eines Israel-Besuchs an dem Gottesdienst teilnahm, zeigte sich bestürzt über die Wortwahl Azars. «Von der Einseitigkeit des im Gottesdienst Gesagten distanzieren wir uns – gerade als deutsche Delegation – ausdrücklich», hieß es in einer Erklärung, die vom Landtag in Düsseldorf verbreitet wurde.
Unter anderem gehörten der Delegation Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen, und Sylvia Löhrmann, Beauftragte Nordrhein-Westfalens für die Bekämpfung des Antisemitismus, an.
Das «Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes» der Vereinten Nationen (UN) bezeichnet mit dem Begriff Völkermord die gezielte Verfolgung einer Bevölkerungsgruppe, die sich durch Sprache, Religion und Tradition von anderen unterscheidet – mit dem Ziel, diese Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören.
Völkermord-Klage gegen Israel vor dem IGH
Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag wird eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel verhandelt. Es ist unklar, wann das Gericht ein Urteil fällen wird. Israel bestreitet, einen Völkermord zu begehen. Dies ist auch die Position der Bundesregierung.
Katastrophale Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen
Der Krieg im Gazastreifen, der vor gut drei Wochen in eine brüchige Waffenruhe überging, war für die Zivilbevölkerung schrecklich. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden bei massiven israelischen Angriffen mehr als 68.500 Menschen getötet.
Schlimmstes Massaker in der Geschichte Israels
Die Antwort Israels auf den äußerst brutalen Überfall vor etwas mehr als zwei Jahren waren die Angriffe. Zeugen des Massakers in Israel berichteten von Mord, Vergewaltigungen und Verstümmelungen. Die Terroristen filmten ihre Gräueltaten und übertrugen sie live im Internet.








