Israels Armee liefert sich im Gazastreifen weiter schwere Kämpfe gegen die Hamas. Ihr Auftrag ist auch, Geiseln herauszuholen. Doch nun sorgt ein tragischer Vorfall für Proteste. Der Überblick.
Proteste nach Tod von drei Geiseln in Gaza

Bei Kämpfen im Gazastreifen wurden versehentlich drei Geiseln von israelischen Soldaten getötet. Während eines Einsatzes in der Hamas-Hochburg Schedschaija im nördlichen Teil des abgeriegelten Küstenstreifens wurden sie fälschlicherweise als Bedrohung identifiziert und daraufhin von den Streitkräften beschossen, wie der Sprecher des israelischen Militärs, Daniel Hagari, mitteilte.
Israel erlebte nach dem tragischen Vorfall spontane Proteste von Hunderten Menschen. Sie beschuldigten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Regierung, nicht genügend Maßnahmen ergriffen zu haben, um die Geiseln zu befreien.
Israels Militär: Tragen die Verantwortung
Hagari erklärte, dass untersucht werde, wie es zu dem schweren Vorfall kommen konnte. Das Militär geht jedoch davon aus, dass die drei Männer entweder ihren Entführern entkommen oder absichtlich zurückgelassen worden seien, wie es nach einer ersten Rekonstruktion der Ereignisse heißt. In den vergangenen Tagen seien die Soldaten dort in schwere Kämpfe verwickelt gewesen. Terroristen hätten wiederholt versucht, sie in einen Hinterhalt zu locken. Es wurde auch berichtet, dass Selbstmordattentäter aufgetaucht seien, die keine Waffen trugen.
«Dies ist für uns alle ein trauriger und schmerzhafter Vorfall, und die Armee trägt die Verantwortung für alles, was passiert ist», sagte Hagari weiter. Die drei Opfer waren bei dem beispiellosen Massaker von Hamas-Terroristen und anderen Gruppen in Israel am 7. Oktober mit rund 240 anderen Menschen in den Gazastreifen verschleppt worden. Mehr als 1200 Menschen waren bei dem Terrorangriff getötet worden. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit einer Bodenoffensive. Nach jüngsten Angaben der Hamas wurden bisher rund 18.700 Menschen bei Angriffen im Gazastreifen getötet.
Netanjahu: Lernen Lektionen und machen weiter
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete den Tod der drei Geiseln durch eigene Landsleute als «unerträgliche Tragödie». «Der gesamte Staat Israel trauert heute Abend. Mein Herz ist bei den trauernden Familien in der schweren Zeit ihres Kummers», schrieb Netanjahu in den sozialen Medien. «Selbst an diesem schwierigen Abend werden wir uns um unsere Wunden kümmern, die Lektionen lernen und mit größter Anstrengung weitermachen, um alle unsere Geiseln sicher nach Hause zu bringen», so Netanjahu.
Protestierende fordern neuen Geisel-Deal
Während die breite israelische Öffentlichkeit den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen nach wie vor unterstützt, gibt es unter Familienangehörigen der Geiseln zunehmend Zweifel. Bei den spontanen Protesten in Tel Aviv hieß es, mit einem neuen Geisel-Deal, wie es ihn bereits Ende November gab, würden Vorfälle wie der Tod dreier Geiseln durch die eigenen Soldaten verhindert werden können. «Ihre Zeit wird knapp! Bringt sie jetzt nach Hause», riefen die Menschen.
Laut israelischen Schätzungen werden gegenwärtig noch 112 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Das Büro von Netanjahu teilte mit, dass die Hamas weiterhin die Leichen von 20 Entführten nicht freigibt. Es wurde nicht angegeben, wie man weiß, welche Verschleppten tot sind.
US-Regierung nennt Tod der Geiseln tragisch
Israels Kriegsziele sind die Vernichtung der Hamas und die Rückführung der verbleibenden Geiseln. Doch während Israels Militär die Leichen mehrerer Geiseln aus dem Gazastreifen holen konnte, konnte es bisher laut dem «Wall Street Journal» nur eine lebende Geisel retten, einen Soldaten. Die US-Regierung bezeichnete den Tod dreier Geiseln durch Soldaten als «herzzerreißend» und «tragisch».
«Natürlich ist dies kein Ergebnis, das sich irgendjemand gewünscht hat», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby. Der Fall eigne sich aber nicht, um ein allgemeines Urteil darüber zu fällen, ob das israelische Militär in der Lage sei, im Gazastreifen präzise vorzugehen, sagte Kirby weiter.
Die US-Regierung hatte zuletzt nach Gesprächen mit der israelischen Führung die Erwartung geäußert, dass Israel von einem militärischen Vorgehen mit «hoher Intensität» zu «gezielteren» Militäroperationen übergehen werde. Einen Zeitraum dafür nannte Washington aber nicht.
Erneut Journalisten bei Kämpfen getötet
Gemäß Al-Dschasira wurde bei einem israelischen Drohnenangriff in Chan Junis im Süden des Gazastreifens zusätzlich ein Kameramann des arabischen Fernsehsenders getötet. Laut dem europäischen Nachrichtenagenturen-Verbund EANA wurde außerdem ein Kameramann der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu bei israelischen Luftangriffen getötet. Gemäß dem in den USA ansässigen Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) sind seit Beginn des Gaza-Kriegs 63 Journalisten getötet worden.
Was am Samstag wichtig wird
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin beginnt an diesem Wochenende eine mehrere Tage dauernde Reise im Nahen Osten. Das Pentagon teilte am Freitag mit, dass die Stationen Israel, Katar und Bahrain sein werden. In Israel möchte er mit der Militärführung über ein mögliches Ende der intensiven Bodenoperationen und Luftangriffe sprechen. In Katar wird Austin auch die dort stationierten US-Streitkräfte treffen. Darüber hinaus plant Austin den Besuch des Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford, der derzeit im östlichen Mittelmeer unterwegs ist. In Bahrain wird der Minister das Zentralkommando der US-Marinetruppen besuchen.
Dabei solle es um die Bemühungen gehen, multilaterale Koalitionen einzuberufen, um auf «Aggressionen auf See» zu reagieren, die die Schifffahrt und die Weltwirtschaft bedrohten. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen greifen Israel seit Ausbruch des Gaza-Krieges immer wieder unter anderem mit Drohnen und Raketen an. Zudem drohen sie, künftig Schiffe jeglicher Nationalität auf dem Weg nach Israel an der Durchfahrt im Roten Meer zu hindern. Die USA fassen eine verstärkte Zusammenarbeit mit Partnern in der Region ins Auge und wollen in den kommenden Tagen Details bekanntgeben.








