Im Prozess gegen Patrick Frei, einen ehemaligen SVP-Grossrat, spielen Hunderte von Videos eine zentrale Rolle. Forensischer Psychiater Jérôme Endrass erläutert, dass Täter Übergriffe filmen, um Macht und Kontrolle auszudrücken und ihre Taten zu normalisieren.
Prozess gegen ehemaligen SVP-Grossrat: Videos dokumentieren schwere Vorwürfe

Im Verfahren gegen den ehemaligen Grossrat der Aargauer SVP, Patrick Frei, stehen zahlreiche Videodateien im Mittelpunkt, die mutmaßliche Übergriffe auf die damals 15-jährige Tochter seiner Partnerin, Paula, festhalten. Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Zusammenhang insgesamt 254 sichergestellte Aufnahmen als Beweismittel eingebracht. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Anklage gegen Frei umfasst schwerwiegende Vorwürfe, darunter mehrfacher sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und versuchter Mord. Der Angeklagte bestreitet die meisten dieser Vorwürfe vehement.
Motivationen hinter den Videoaufnahmen
Laut dem forensischen Psychiater Jérôme Endrass ist es nicht ungewöhnlich, dass Täter ihre Übergriffe dokumentieren. Er stellt fest: „Das Filmen dient oft der Erregung des Täters, und in manchen Fällen werden diese Aufnahmen auch unter Gleichgesinnten ausgetauscht.“ Endrass hebt hervor, dass das Aufzeichnen solcher Taten häufig als Ausdruck von Macht und Kontrolle über das Opfer angesehen wird. Außerdem könnten sexuelle Erregung, sadistische Neigungen oder der Drang nach Anerkennung in einschlägigen Kreisen eine Rolle spielen.
Keine Hinweise auf Verbreitung von Material
Die Kantonspolizei hat bisher keine Anzeichen dafür gefunden, dass die Videos von Patrick Frei weiterverbreitet wurden, so der Mediensprecher Adrian Schuler.
Beispiele aus der Praxis
Die Problematik, dass Sexualstraftäter ihre Taten dokumentieren, ist kein neues Phänomen. Ein international bekannter Fall ist der des 72-jährigen Dominique Pelicot aus Frankreich, der über Jahre hinweg seine Übergriffe auf seine damalige Ehefrau aufnahm. Diese Aufnahmen wurden später als entscheidende Beweise verwendet, um weitere Täter zu identifizieren.
Wahrnehmung der Täter
Endrass erläutert, dass viele Täter mit der Zeit eine verzerrte Wahrnehmung ihrer Taten entwickeln. Oft normalisieren sie ihr Verhalten durch den Austausch in Online-Foren und rechnen nicht mit einer möglichen Entdeckung. Wie häufig Sexualstraftäter ihre Taten dokumentieren, ist schwer zu beziffern. Es gibt Täter, die jede Tat festhalten, während andere nur einzelne Vorfälle dokumentieren.
Hilfsangebote für Betroffene
Betroffene können sich an verschiedene Stellen wenden, um Unterstützung zu erhalten. In der Schweiz gibt es zahlreiche Beratungsangebote, die sowohl für Opfer als auch für Täter zugänglich sind, darunter:
- Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz
- Opferhilfe-Nummer, Tel. 142
- Frauenberatung sexuelle Gewalt
- LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133
- Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Die Vorwürfe gegen Patrick Frei sind gravierend und werfen ein düsteres Licht auf die Thematik sexueller Gewalt. Der Prozess wird zeigen, inwieweit die Beweislage ausreicht, um die schweren Vorwürfe zu untermauern.
Quellen: 20min
Bildquelle: Kanton Aargau








