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Prozess gegen militante «Sächsische Separatisten» begonnen

In Dresden hat ein Mammutprozess gegen mutmaßlich militante Neonazis begonnen. Laut Anklage waren sie von einem Kollaps Deutschlands überzeugt und wollten große Teile Sachsens erobern.

Im November 2024 hatten Einsatzkräfte an mehreren Orten in Sachsen sowie in Polen bei einer Razzia acht Männer festgenommen. (Archivbild)
Foto: Rene Priebe/dpa

Acht junge Männer aus der rechten Szene stehen seit Freitag in Dresden unter anderem wegen Terrorismus-Verdachts vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft rechnet sie der militanten Neonazi-Gruppe «Sächsische Separatisten» zu. Die Männer im Alter zwischen 22 und 26 Jahren sollen sich wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und weiterer Anklagepunkte verantworten. Noch vor Verlesen der Anklageschrift stellte ein Verteidiger einen Antrag zum Ausschluss der Öffentlichkeit. Zur Begründung des Antrages wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

«Apokalyptische Überzeugungen»

Laut Bundesanwaltschaft sollen die Beschuldigten einer im Februar 2020 gegründeten Vereinigung angehört haben, die sich selbst «Sächsische Separatisten» nannte und deren zuletzt etwa 20 Mitglieder rassistische, antisemitische und teilweise apokalyptische Überzeugungen vertraten. Sie seien der Überzeugung gewesen, dass Deutschland vor dem Kollaps stehe und fest entschlossen gewesen, bei dieser Gelegenheit mit Waffengewalt möglichst große Gebiete in Sachsen zu erobern, um dort einen eigenständigen, an der NS-Ideologie ausgerichteten Staat zu errichten.

AfD distanziert sich von Beschuldigten aus den eigenen Reihen

Im November 2024 wurden bei einer Razzia in mehreren Orten in Sachsen und Polen acht Männer von Einsatzkräften festgenommen. Es gab auch Durchsuchungen in Österreich. Laut Berichten sollen drei AfD-Mitglieder zu dieser Gruppierung gehört haben. Der sächsische AfD-Landesverband hat schnell jegliche Verbindung zu der betroffenen Gruppierung abgestritten. Während des Prozessauftakts nahm auch ein AfD-Landtagsabgeordneter im Zuschauerraum Platz.

19 Verteidiger im Verhandlungssaal

Neben den Angeklagten, die aus der Untersuchungshaft in Handschellen in den Verhandlungssaal geführt wurden, nahmen insgesamt 19 Verteidiger Platz. Ein Angeklagter wird von fünf Anwälten verteidigt, alle anderen von zwei. Das Gericht tagt unter der Leitung von Richterin Simone Herberger.

Verteidiger fordert Freispruch für seinen Mandaten

Der Freiburger Anwalt Dubravko Mandic, der mit vier Kollegen einen Grimmaer Kommunalpolitiker vertritt, forderte per Pressemitteilung einen Freispruch für seinen Mandanten. «Wir weisen die Vorwürfe des Generalbundesanwalts vollumfassend zurück. Der Prozess sowie die Untersuchungshaft sind unverhältnismäßig», hieß es. Eine Organisation «Sächsische Separatisten» habe es nie gegeben. Man könne seinem Mandanten auch keinen Tötungsvorsatz unterstellen. Der heute 26-Jährige soll bei seiner Festnahme eine Langwaffe in den Händen gehalten haben. 

Wie in solchen Fällen üblich, findet der Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Nach Prozessbeginn hat das Oberlandesgericht Dresden zunächst 67 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

dpa