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Putin droht mit «asymmetrischer Antwort» auf Angriffe

Kremlchef Putin warnt, dass der Beschuss russischen Gebiets mit westlichen Waffen im Zuge des Krieges in der Ukraine eine direkte Konfliktbeteiligung ist. Er droht er mit einer konkreten Reaktion.

Putin steht international in der Kritik, politische Gegner bei Präsidentenwahlen in Russland gezielt ausschalten zu lassen.
Foto: Valentina Pevtsova/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Kremlchef Wladimir Putin hat mit einer «asymmetrischen Antwort» gedroht für den Fall, dass russisches Staatsgebiet von der Ukraine mit aus dem Westen gelieferten Waffen angegriffen wird. Konkret sagte Putin in St. Petersburg, dass Moskau über eine Stationierung seiner Waffen in anderen Weltregionen nachdenke, von wo aus sie für Angriffe gegen die Länder genutzt werden könnten, aus denen die gegen Russland gerichteten Waffen kommen.

«Wir denken darüber nach, dass falls jemand es für möglich hält, Waffen in die Kampfzone zu liefern, um Angriffe auf unser Gebiet durchzuführen (…), warum wir dann nicht das Recht haben sollten, solche Waffen in Weltregionen aufzustellen, wo Angriffe auf sensible Objekte derjenigen Länder ausgeführt werden, die das in Bezug auf Russland tun?», sagte Putin bei einem Treffen mit Vertretern großer internationaler Nachrichtenagenturen, darunter dpa, in St. Petersburg. «Das heißt, dass die Antwort asymmetrisch sein kann. Wir denken darüber nach.»

Putin wurde zuvor von einem Journalisten gefragt, ob weitreichende Waffen an die von Russland angegriffene Ukraine geliefert würden – darunter ATACMS-Raketen aus den USA. Die Ukraine verteidigt sich seit über zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Zuletzt haben mehrere Länder – darunter Deutschland und die USA – Kiew erlaubt, mit aus dem Westen gelieferten Waffen russische Ziele anzugreifen, um Angriffe auf die Metropole Charkiw im Grenzgebiet abzuwehren.

Kremlchef warnt vor Taurus-Lieferung an Ukraine

Putin warnte zudem vor einer möglichen Lieferung von deutschen Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. «Wenn nun gesagt wird, dass (in der Ukraine) auch noch irgendwelche Raketen auftauchen, die Angriffe auf Objekte auf russischem Gebiet durchführen können, dann zerstört das natürlich endgültig die russisch-deutschen Beziehungen», sagte der 71-Jährige. Putin war nach Moskaus Reaktion im Falle einer Lieferung der weitreichenden Taurus-Marschflugkörper durch Berlin an Kiew gefragt worden.

«Als auf ukrainischem Boden die ersten deutschen Panzer deutscher Produktion auftauchten, führte das schon zu einem moralischen und ethischen Schock in Russland, weil die Beziehungen zur BRD in der russischen Gesellschaft immer sehr gut waren», sagte Putin.

Die russisch-deutschen Beziehungen sind durch den von ihm angeordneten Angriffskrieg gegen die Ukraine allerdings ohnehin auf einem Tiefpunkt. Welche Bereiche im Fall von Taurus-Lieferungen aus seiner Sicht noch weiter «zerstört» würden, sagte Putin nicht. 

In der Vergangenheit wurde wiederholt eine Taurus-Lieferung von verschiedenen Seiten gefordert, um die Ukraine besser gegen den russischen Angriffskrieg zu verteidigen, der seit mehr als zwei Jahren andauert. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich jedoch bisher immer dagegen ausgesprochen. Stattdessen hat Deutschland – ebenso wie die USA – der Ukraine kürzlich erlaubt, mit aus dem Westen gelieferten Waffen russische Ziele anzugreifen, um Angriffe auf die Metropole Charkiw im Grenzgebiet abzuwehren.

Putin erwartet keine Änderung der Russland-Politik

Bei dem Gespräch mit Journalisten aus mehr als einem Dutzend Staaten sagte Putin auch, er erwarte keine grundlegende Änderung von Washingtons Politik gegenüber Moskau nach der US-Präsidentenwahl. «Für uns hat das Ergebnis keine große Bedeutung.» Russland werde mit dem Präsidenten arbeiten, den die US-Bürger wählten.

Putin hatte zuvor erklärt, dass er es bevorzugen würde, wenn Amtsinhaber Joe Biden die Wahlen gewinnen würde, da dieser Präsident berechenbarer sei. Gleichzeitig äußerte er, dass der Krieg innerhalb von zwei bis drei Monaten beendet werden könnte, wenn die USA aufhören würden, Waffen an die Ukraine zu liefern. Dies habe er auch Biden bereits mitgeteilt.

Putin kritisierte auch die Gerichtsverfahren gegen Ex-Präsident Donald Trump, der bei der Wahl am 5. November gegen Biden antreten will. „Die Justiz in den USA wird für den politischen Kampf benutzt“, behauptete der Kremlchef. Trump wird mit alten Dingen konfrontiert, was auf politische Verfolgung hindeutet. Viele Menschen verstehen das und unterstützen ihn deshalb.

Putin wird international selbst kritisiert, politische Gegner bei Präsidentschaftswahlen in Russland gezielt zu eliminieren. Der Justizapparat Russlands wird als Willkürinstrument zur Aufrechterhaltung der Macht des Kremlchefs angesehen.

Putin: Tausende Ukrainer in russischer Gefangenschaft

Putin antwortete ausweichend auf eine Frage zur Anzahl der russischen Verluste. Er behauptete, dass die Anzahl der Toten auf russischer Seite deutlich geringer sei als bei den ukrainischen Streitkräften. Putin sagte, dass das Verhältnis 1:5 betrage.

Die Ukraine zeigt auch mit ihrer laufenden Mobilmachung, dass sie hohe Verluste ausgleichen will. Auch die Anzahl der Kriegsgefangenen auf beiden Seiten zeigt, dass Russland besser dasteht. Die Ukraine hat 1348 Russen in Gefangenschaft, während Russland mehr als 6000 Gefangene des Nachbarlandes hat. Unabhängig davon ließ sich das nicht überprüfen.

Die ukrainische Seite betont, dass im Krieg viel mehr russische Soldaten als eigene Soldaten ums Leben kamen. Laut Ukraine beläuft sich die Zahl der getöteten und verletzten russischen Soldaten auf über eine halbe Million. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Februar angegeben, dass 31.000 eigene Soldaten getötet wurden.

Russland präsentiert ökonomisch starke Rohstoffmacht

Putin ist der Gastgeber des 27. St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums. Trotz der Sanktionen des Westens im Zuge des Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine will sich Russland bei dem jährlichen Treffen von Unternehmern aus aller Welt als ökonomisch starke Rohstoffmacht präsentieren.

Das Treffen der Medien im imposanten Wolkenkratzer Lachta-Zentrum des Energieunternehmens Gazprom ist die erste internationale Begegnung dieser Art seit dem Beginn von Putins Krieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022. Putin, der erstmals durch den Glasturm des Gazprom-Chefs Alexej Miller geführt wurde, betonte auch, dass Russland weiterhin Gas nach Europa liefere – sowohl durch die Ukraine als auch über die Türkei.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte im Staatsfernsehen, dass die Repräsentanten der Agenturen aus unfreundlichen Staaten eingeladen worden sein, «weil sie den Weltnachrichtenfluss bestimmen» und für eine Qualität der Berichterstattung stünden. Peskow sagte, dass in den Russland nicht freundlich gesonnenen Staaten bisweilen Druck auf freie Medien ausgeübt werde.

Der Machtapparat in Moskau, der selbst viele westliche und unabhängige russische Medien blockiert, beklagt immer wieder, dass durch die EU-Sanktionen auch die Sendung kremlnaher Medieninhalte einiger Staatsmedien verboten werde. Das Treffen, das vor dem Krieg Tradition hatte, sei als Versuch gedacht, Putins Sicht direkt zu vermitteln.

dpa