Seit mehr als 100 Tagen kämpft Israels Militär gegen die Hamas. Könnte sich der Krieg auf die ganze Region ausdehnen? Huthi, Hisbollah und Iran haben sich gegen Israel verschworen. Der Überblick.
Raketen aus Iran schüren Angst vor Flächenbrand

Angesichts der Raketenangriffe der iranischen Revolutionswächter auf Ziele im Irak und in Syrien wächst die internationale Besorgnis über eine Ausweitung des Gaza-Kriegs auf die gesamte Region. Vor dem Hintergrund wiederholter Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der von Iran unterstützten Hisbollah an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel hatte UN-Generalsekretär António Guterres bereits zuvor vor einem Flächenbrand gewarnt.
Auch die Angriffe der Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf die Schifffahrt im Roten Meer haben das Potenzial, immer weitere Parteien in den Konflikt hineinzuziehen. Die Huthi zählen wie die islamistische Hamas im Gazastreifen und die libanesische Schiitenorganisation Hisbollah zur sogenannten «Achse des Widerstands», einem Netzwerk im Kampf gegen Israel.
Irans Revolutionswächter beschießen Ziele im Irak und in Syrien
Laut eigenen Angaben feuerten die iranischen Revolutionswächter (IRGC) mehrere ballistische Raketen auf Ziele im Irak und in Syrien ab. Das IRGC-Webportal teilte mit, dass diese Angriffe Rache für den verheerenden Anschlag in der südiranischen Stadt Kerman Anfang Januar sowie die Tötung eines hochrangigen IRGC-Offiziers Ende Dezember seien.
Das Ziel des Angriffs in der Stadt Erbil im Nordirak war angeblich ein Spionagezentrum des israelischen Geheimdienstes Mossad. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass in der Nähe eines im Bau befindlichen US-Konsulats mehrere Raketen eingeschlagen seien. Laut Sicherheitskreisen kamen dabei vier Zivilisten ums Leben. Die US-Regierung verurteilte den iranischen Raketenangriff auf Erbil. Der Angriff in Syrien richtete sich laut iranischen Angaben gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS).
Gemäß der staatlichen Nachrichtenagentur Irna handelte es sich bei dem Beschuss um die bisher weitreichendste Raketenoperation des Landes, mit einer Strecke von über 1200 Kilometern. Dies dürfte auch eine eindeutige Botschaft an den Erzfeind Israel sein. Es entspricht ungefähr der Entfernung, die Raketen vom Westen des Landes aus benötigen würden, um Tel Aviv oder Jerusalem zu erreichen.
UN-Generalsekretär in Sorge vor Ausweitung des Gaza-Kriegs
UN-Chef Guterres zeigte sich mit Blick auf die Lage an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon bereits zuvor in großer Sorge vor einer Ausweitung des Gaza-Kriegs auf die weitere Region. «Ich bin zutiefst besorgt von dem, was sich da entfaltet», sagte Guterres. «Es ist meine Pflicht, allen Seiten diese einfache und direkte Botschaft zu überbringen: Hört auf, an der blauen Linie mit dem Feuer zu spielen, deeskaliert und bringt die Gewalt zu einem Ende.»
Die Grenze zwischen Israel und dem Libanon wird durch die blaue Linie markiert. Es gibt regelmäßige Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah, die vom Iran unterstützt wird, seit Beginn des Gaza-Kriegs. Obwohl sie mit der Hamas verbündet ist, wird sie als deutlich schlagkräftiger angesehen. Neben einem sofortigen Waffenstillstand forderte Guterres auch die Freilassung aller Geiseln und eine Untersuchung der sexuellen Gewalt, die von der Hamas und anderen bei dem Massaker am 7. Oktober verübt wurde.
Israels Verteidigungsminister: Intensive Kämpfe in Nord-Gaza beendet
Die intensiven Kampfhandlungen der israelischen Streitkräfte gegen die islamistische Hamas im Norden des Gazastreifens sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums indes beendet. Auch im Süden des abgeriegelten Küstenstreifens im Bereich der Stadt Chan Junis werde die intensive Phase der Bodenoffensive bald vorüber sein, zitierte die Zeitung «The Times of Israel» Verteidigungsminister Joav Galant. «Am Ende des Krieges wird es keine militärische Bedrohung aus dem Gazastreifen mehr geben. Die Hamas wird nicht in der Lage sein, den Gazastreifen zu kontrollieren und als militärische Kraft aufzutreten», sagte er. Um die Freilassung der restlichen israelischen Geiseln zu erreichen, müsse der militärische Druck aufrecht erhalten werden.
Hamas veröffentlicht Geisel-Video – Sorge um Leben der Entführten
Die Hamas hat erneut grausame Videoaufnahmen von israelischen Geiseln veröffentlicht. In dem Video war eine junge Frau zu sehen, die über den angeblichen Tod zweier männlicher Entführter bei israelischen Angriffen im Gazastreifen spricht. Militärsprecher Daniel Hagari äußerte anschließend große Besorgnis um das Leben der beiden männlichen Geiseln. Er wies die Behauptung der Hamas zurück, dass sie von der israelischen Seite getötet worden seien. Am Ende des Hamas-Videos ist eine blutige männliche Leiche zu sehen.
Auch nach über drei Monaten seit dem Massaker vom 7. Oktober, bei dem Terroristen der Hamas und anderer Palästinenserorganisationen über 1200 Menschen auf grausame Weise getötet und mehr als 240 weitere in den Gazastreifen entführt haben, werden immer noch 136 Menschen in dem Küstenstreifen festgehalten. Israel vermutet, dass etwa zwei Dutzend von ihnen nicht mehr am Leben sind.
Huthi greifen nach US-Angaben wieder Frachter im Roten Meer an
Die jemenitischen Huthi griffen nach US-Angaben erneut ein Containerschiff im Roten Meer an. Das zuständige Regionalkommando des US-Militärs teilte mit, die Rebellen hätten eine ballistische Antischiffrakete auf die «M/V Gibraltar Eagle» abgefeuert. Sie wurde demnach aus von Huthi kontrollierten Gebieten im Jemen abgeschossen. Bei dem Schiff handelte es sich den Angaben zufolge um einen unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden US-Frachter. Es habe weder Verletzte noch Schäden gegeben.
Der britische Premierminister Rishi Sunak rechtfertigte die Luftschläge gegen die Huthi-Rebellen und drohte mit neuen Aktionen, sollten weiterhin Schiffe im Roten Meer angegriffen werden. «Die Bedrohung der Schifffahrt muss aufhören», sagte Sunak im Parlament in London. «Illegal festgehaltene Schiffe und Crews müssen freigelassen werden. Und wir bleiben vorbereitet, um unseren Worten Taten folgen zu lassen.»
Was heute wichtig wird
Nach den Raketenangriffen des Iran in Syrien und im Irak ist es wahrscheinlich, dass die Spannungen in der Region weiter zunehmen. Während die Kämpfe im Gazastreifen weiterhin unerbittlich sind, bleibt die humanitäre Lage für die palästinensische Zivilbevölkerung katastrophal.








