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Raketenalarm in Israel zu Neujahrsbeginn

Während weltweit Millionen Menschen ausgelassen in das neue Jahr hineinfeiern, heulen in Israel wieder die Sirenen. Die Armee des Landes stellt sich auf einen langen Krieg ein. Der Überblick.

Die Hamas feuert Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab.
Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

In Israel hat es in der Neujahrsnacht erneut in mehreren Städten Raketenalarm gegeben. An der Grenze zum Gazastreifen und im Landesinnern hätten die Sirenen geheult, teilte die israelische Armee in der Nacht zum Montag mit. Wie die Zeitung «Times of Israel» berichtete, schoss die islamistische Hamas aus dem Gazastreifen mehr als 20 Raketen Richtung Israel ab. Die meisten seien von Israels Raketenabwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden. Nach Angaben des Rettungsdienstes seien zunächst keine Verletzten durch den Beschuss gemeldet worden, hieß es weiter.

Israel lässt einige Reservisten nach Hause

Drei Monate nach Beginn des Krieges gegen die Hamas im Gazastreifen passt Israels Militär seine Truppenaufstellung in Erwartung noch länger andauernder Kämpfe jetzt an und erlaubt einigen Reservisten die einstweilige Rückkehr ins Zivilleben. «Die Ziele des Krieges erfordern einen längeren Kampf, und wir bereiten uns entsprechend vor», sagte Israels Armeesprecher Daniel Hagari am Sonntagabend. Das Militär hält es der «Times of Israel» zufolge für wahrscheinlich, dass der Gaza-Krieg noch das ganze Jahr 2024 hindurch andauern wird.

«Wir passen unsere Art der Kriegsführung und die erforderlichen Kräfte für jedes Gebiet im Gazastreifen an, um den Auftrag bestmöglich zu erfüllen, da jedes Gebiet andere Merkmale und andere operative Notwendigkeiten hat», sagte Hagari. Ein Teil der Reservisten werde diese Woche «zu ihren Familien und an ihren Arbeitsplatz zurückkehren». Dies werde Israels Wirtschaft entlasten und den Reservisten erlauben, «Kraft für die bevorstehenden Aktivitäten» im neuen Jahr zu sammeln.

Der Gaza-Krieg begann aufgrund des schlimmsten Massakers in der Geschichte Israels am 7. Oktober, bei dem Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen rund 1200 Menschen in Israel ermordeten und etwa 240 weitere in den Gazastreifen verschleppten. Israel reagierte mit umfangreichen Luftangriffen und einer Bodenoffensive.

Israels Ziel besteht darin, die Hamas vollständig zu zerstören. Gemäß der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde sind bisher 21.822 Palästinenser in Gaza getötet worden. Es ist derzeit nicht möglich, dies unabhängig zu überprüfen, jedoch haben die UN und andere Beobachter erklärt, dass sich die Angaben der Behörde in der Vergangenheit als glaubwürdig erwiesen haben. Israels Bombardierungen haben im schmalen Küstengebiet schwere Verwüstungen angerichtet.

Bericht: Ermittlungen zu Hamas-Massaker

Laut dem «Wall Street Journal» rekonstruieren israelische Ermittler das Massaker vom 7. Oktober anhand von etwa 200.000 Fotos und Videos sowie 2000 Zeugenaussagen, um ein Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen einzuleiten. Es wird voraussichtlich das bedeutendste Verfahren seit dem Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann in Israel im Jahr 1961 sein. Während der NS-Zeit hatte Eichmann Millionen Juden in Vernichtungslager deportieren lassen. Eichmann wurde zum Tode verurteilt und gehängt.

Die Zeitung berichtet, dass israelische Beamte gerichtsmedizinische Beweise zur Verfügung gestellt haben. Diese Beweise zeigen, dass einige Opfer lebendig verbrannt wurden. Auf den Fotos sind Verstümmelungen an den Körpern der Opfer zu sehen, einschließlich der Geschlechtsorgane von Männern und Frauen. Die Leichen von Frauen und Mädchen weisen Anzeichen sexueller Gewalt auf. Die Hamas bestreitet, Kinder getötet und Frauen vergewaltigt zu haben.

Experten: Hinweise auf Folter und Hinrichtungen

Laut der Zeitung wurden bisher etwa 800 Zivilisten, darunter 37 Minderjährige unter 17 Jahren, von denen sechs jünger als fünf Jahre waren, von Israel am 7. Oktober ermordet. Der Leiter des forensischen Zentrums gab an, dass Computertomographie-Aufnahmen Anzeichen von Folter und Hinrichtungen zeigten. Das «Wall Street Journal» berichtete, dass die Terroristen Videos von Tötungen und Entführungen auf den Seiten ihrer Opfer in sozialen Medien veröffentlichten, wo Freunde und Familienangehörige sie sehen konnten.

Wieder Zwischenfälle mit Huthi-Rebellen

In der Zwischenzeit kam es zu einem direkten Konflikt zwischen dem US-Militär und den jemenitischen Huthi-Rebellen, als diese Handelsschiffe im Roten Meer angriffen. Die proiranische Gruppe hat ein dänisches Containerschiff mit Kleinwaffen von vier kleinen Booten aus angegriffen und versucht, auf das Schiff zu gelangen, wie das zuständige US-Regionalkommando auf der Plattform X, früher bekannt als Twitter, am Sonntag mitteilte. Ein Sicherheitsteam an Bord hat das Feuer erwidert. Die US-Kräfte sind dann eingeschritten, wurden selbst angegriffen und haben schließlich mehrere der Rebellen getötet.

Seit dem Beginn des Gaza-Krieges haben die Huthis wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen, die angeblich eine Verbindung zu Israel haben. Außerdem greifen sie Israel immer wieder direkt mit Drohnen und Raketen an.

Was am Montag wichtig wird

Trotz der anhaltend katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen setzt Israel die Kämpfe fort.

dpa