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RTL/ntv Trendbarometer: Drei Gründe, warum Merz so unbeliebt ist

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 80 Prozent der Wähler mit der Amtsführung von Kanzler Merz unzufrieden sind. Hauptkritikpunkte sind gebrochene Wahlversprechen und fehlende klare Linien in seiner Politik.

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RTL/ntv Trendbarometer: Drei Gründe, warum Merz so unbeliebt ist
Steffen Prößdorf via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Unzufriedenheit mit Merz: Drei Hauptgründe für die Ablehnung des Kanzlers

Die Unzufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Laut einer aktuellen Umfrage sind 80 Prozent der Befragten mit seiner Amtsführung unzufrieden. Dies zeigt eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die im Auftrag von RTL und ntv durchgeführt wurde. Die Gründe für diese Unzufriedenheit sind vielfältig, aber drei Hauptpunkte stechen besonders hervor.

Ein erheblicher Teil der Wähler wirft Merz „vollmundige Ankündigungen ohne Folgen“ und „gebrochene Wahlversprechen“ vor. Diese Kritik wurde von den Befragten am häufigsten geäußert. In der Umfrage wurden keine vorgegebenen Antworten gegeben, was die Ergebnisse umso aufschlussreicher macht. Weitere 14 Prozent der Befragten bemängeln, dass Merz „keine klare Linie“ verfolge und „widersprüchlich agiere“. Diese drei Punkte machen zusammen 59 Prozent der Nennungen aus.

Wenig Kritik an Merz‘ Außenpolitik

Im Gegensatz dazu wird die Kritik, Merz sei zu oft im Ausland unterwegs und agiere als „Außenkanzler“, kaum geäußert. Auch die Einschätzung, er sei ein „Mann der 90er Jahre“ oder zu konservativ, wird von den meisten Wählern nicht geteilt. Nur wenige halten ihn für unsympathisch oder arrogant, und die Inhalte seiner Politik stoßen ebenfalls auf wenig Widerstand. Nur eine kleine Anzahl der Befragten äußert sich negativ zu seiner Politik in den Bereichen Gesundheit, Verteidigung oder Migration.

Gründe für die Unzufriedenheit mit Merz

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Unzufriedenheit mit Merz nicht nur in der Gesamtwählerschaft, sondern auch unter den Anhängern von CDU und CSU ausgeprägt ist. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die häufigsten Gründe für die Unzufriedenheit:

GründeEnde Nov 2025Apr 2026CDU/CSU-Anhänger Ende Nov 2025CDU/CSU-Anhänger Apr 2026
Vollmundige Ankündigungen ohne Folgen24%23%34%24%
Gebrochene Wahlversprechen21%22%23%22%
Keine klare Linie, widersprüchlich14%14%18%14%
Mangelnde Führungsstärke10%13%24%24%
Kennt die Probleme der meisten Menschen nicht9%13%4%4%
Bedenkt zu wenig, was er sagt15%11%9%9%
Unfähig, für das Kanzleramt nicht geeignet6%7%2%2%
Ist ein Lügner6%7%3%3%
Arroganz, zu großspuriges Auftreten7%6%5%5%
Schlechte Wirtschaftspolitik5%6%9%9%
Reist zu viel, kümmert sich zu wenig um die Probleme in Deutschland6%5%4%4%
Vertreibt Deutschland im Ausland schlecht5%6%6%
Staatsverschuldung4%4%6%6%
Macht Klientelpolitik, berücksichtigt nicht die Interessen der Bevölkerung insgesamt4%4%0%0%
Zu konservativ, rückwärtsgewandt3%4%1%1%
Schlechte Migrationspolitik4%1%1%
Schlechte Gesundheits- und Sozialpolitik3%1%1%
Rüstungspolitik, Ausgaben für Verteidigung3%1%1%
Tut zu wenig für den Umwelt- und Klimaschutz4%2%1%1%
Ist unsympathisch3%3%4%4%
Annäherung an AfD, zu rechts4%2%0%0%

Die Umfrage wurde zwischen dem 10. und 13. März 2026 unter 801 wahlberechtigten Personen durchgeführt, die mit der Arbeit von Merz unzufrieden sind. Die statistische Fehlertoleranz beträgt plus/minus 3 Prozentpunkte.

Merz‘ Herausforderungen und die Reaktionen

Nach der Bundestagswahl hatte Merz einer Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben und einem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz zugestimmt, was im Wahlkampf nicht thematisiert worden war. Er begründete dies mit der veränderten globalen Lage und der Sorge, dass US-Präsident Donald Trump die NATO verlassen könnte.

„Ich habe einen Kredit auf meine Glaubwürdigkeit aufgenommen“, sagte Merz damals. Doch die Rückzahlung gestaltet sich schwierig.

Bereits Ende November 2025 hatte Forsa ähnliche Gründe für seine Unbeliebtheit ermittelt. Damals nannten 45 Prozent der Befragten einen der beiden genannten Punkte. Merz hatte einen „Herbst der Reformen“ angekündigt, äußerte sich jedoch später selbstkritisch zu seinem „Erwartungsmanagement“.

Die Enttäuschung unter den Anhängern von CDU und CSU ist in einigen Punkten ausgeprägter als in der Gesamtwählerschaft. 34 Prozent sind von Merz‘ „vollmundigen Ankündigungen“ enttäuscht, während 18 Prozent sein Agieren als widersprüchlich empfinden. 24 Prozent werfen ihm mangelnde Führungsstärke vor, im Vergleich zu lediglich 13 Prozent in der Gesamtbevölkerung.

Wachsende Unzufriedenheit in verschiedenen Politikbereichen

Obwohl die inhaltliche Kritik an Merz gering ist, wächst die Unzufriedenheit in bestimmten Politikbereichen. Migration, Gesundheit und Soziales sowie Verteidigung wurden im November kaum angesprochen, im April jedoch deutlich häufiger kritisiert, wenn auch auf niedrigem Niveau.

Die Umfrage zeigt, dass 80 Prozent der Befragten mit der Arbeit des Bundeskanzlers unzufrieden sind. Merz steht vor der Herausforderung, mehrere Krisen gleichzeitig zu bewältigen. Die US-Zölle und die Folgen des Ukraine-Kriegs belasten die deutsche Wirtschaft, während der chinesische Markt nicht mehr die gleichen Chancen bietet wie in der Vergangenheit. Zudem gestaltet sich der Bürokratieabbau als mühsam und langwierig. Zuletzt stiegen die Kraftstoffpreise infolge des von US-Präsident Trump initiierten Iran-Kriegs.

In einer früheren Version des Artikels wurden die ersten drei Umfragewerte falsch addiert. Dieser Fehler wurde korrigiert. Um mehr über die Hintergründe der politischen Entwicklungen zu erfahren, können Sie auch die Artikel über die Entschlüsselung von Familiengeschichten lesen.

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Bildquelle: Steffen Prößdorf via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

TS