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Russischer Luftangriff erschüttert vage Friedenshoffnungen

US-Präsident Trump wollte ein rasches Ende des Ukraine-Krieges erreichen. Doch Moskaus Angriffe sprechen eine andere Sprache. Was wird nun aus seinen diplomatischen Bemühungen?

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Unter den Trümmern eines Kiewer Wohnblocks werden noch Verschüttete vermutet.
Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Die Suche nach einem Ausweg aus dem Ukraine-Krieg hat durch die verheerenden russischen Luftangriffe mit mehr als 20 Toten in Kiew einen weiteren Rückschlag erlitten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach Moskau jeglichen Friedenswillen ab. «Dieser Schlag zeigt ganz klar, dass sich die Ziele Russlands nicht geändert haben», sagte er in Kiew. 

«Russland greift derzeit alle Menschen auf der Welt an, die sich nach Frieden sehnen. Dies ist ein Schlag gegen die Ukraine. Dies ist ein Schlag gegen Europa», sagte der ukrainische Staatschef. Und es sei «auch ein Schlag Russlands gegen Präsident (Donald) Trump und andere globale Akteure». Mit solchen Angriffen mache Moskau befreundete Länder wie China oder Indien zu Komplizen. 

Tote in Trümmern eines Kiewer Wohnblocks vermutet

Nach dem Luftangriff in der Nacht zu Donnerstag, einem der schwersten in dreieinhalb Jahren Krieg, wurden bis zum Abend 22 Tote in Kiew gezählt. Laut der Militärverwaltung der Hauptstadt sind noch mehr Menschen in den Trümmern eines Wohnhauses verschüttet.

Russland setzte bei dem Angriff etwa 600 Kampfdrohnen sowie mehr als 30 Raketen und Marschflugkörper ein. Auch in der Nacht auf Freitag gab es in Teilen der Ostukraine Luftalarm. Die ukrainische Luftwaffe entdeckte erneut russische Drohnen am Himmel, wenn auch in geringerer Anzahl.

UN-Generalsekretär verurteilt Angriffe auf Zivilisten 

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Attacken. «Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur sind inakzeptabel und müssen sofort beendet werden», schrieb Guterres auf der Plattform X. Er rufe zu einer vollständigen, sofortigen und bedingungslosen Waffenruhe auf, «die zu einem gerechten, umfassenden und nachhaltigen Frieden in der Ukraine führt». Selenskyj bedankte sich für die unterstützenden Worte des UN-Generalsekretärs. 

Trump-Sprecherin: Beide Seiten müssen Ende des Konflikts wollen

US-Präsident Trump sei traurig über die neue Eskalation, aber auch nicht überrascht, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Trump setze sich dafür ein, dass der Krieg beendet werde. Aber die Konfliktparteien müssten dies auch wollen. Obwohl Russland den zerstörerischen Angriffskrieg begonnen hat, setzte Leavitt das russische und das ukrainische Vorgehen gleich: «Russland hat Kiew attackiert, und genauso hat die Ukraine unlängst einen Schlag gegen russische Raffinerien geführt.»

Der US-Präsident traf sich Mitte des Monats zuerst mit Kremlchef Wladimir Putin in Alaska und dann mit Selenskyj und den europäischen Verbündeten in Washington. Er berichtete von Putins angeblicher Bereitschaft, sich mit Selenskyj zu treffen. Moskau erwähnte jedoch lediglich, dass die bisherigen bilateralen Verhandlungen auf einer höheren Ebene fortgesetzt werden sollen. Ein Treffen der Präsidenten würde der Kreml höchstens am Ende von Verhandlungen zustimmen, wenn es um die Unterzeichnung einer Vereinbarung geht.

Merz erwartet kein Treffen Putins mit Selenskyj 

Weil es eine Annäherung zwischen den Kriegsparteien nicht in Sicht ist, sprach Bundeskanzler Friedrich Merz mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über diplomatische Bemühungen für ein Ende des Krieges. «Wir müssen uns mit diesem Thema heute erneut beschäftigen und dies vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es offensichtlich nicht zu einem Treffen zwischen Präsident Selenskyj und Präsident Putin kommen wird», sagte der Kanzler bei einem Besuch in Macrons Sommerresidenz an der Côte d’Azur.

US-Regierung genehmigt Waffenverkauf an Ukraine

Das US-Außenministerium hat den Verkauf von Waffen im Wert von geschätzten 825 Millionen US-Dollar (etwa 710 Millionen Euro) an die Ukraine genehmigt. Laut der zuständigen Behörde Defense Security Cooperation in Washington handelt es sich um Raketen mit größerer Reichweite und dazugehörige Ausrüstung, die von der Ukraine angefragt wurden. Die Ukraine erhält Finanzierungshilfe für den Waffenkauf von den USA, Dänemark, den Niederlanden und Norwegen.

Das wird am Freitag wichtig

Die westlichen Verbündeten der Ukraine setzen ihre Beratungen darüber fort, wie die Sicherheit des Landes nach einem möglichen Kriegsende gewährleistet werden kann. Heute treffen sich unter anderem die Außen- und Verteidigungsminister der EU-Staaten in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Darüber hinaus hat Selenskyj angekündigt, dass seine Chefunterhändler Andrij Jermak und Rustem Umjerow in New York mit Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff über Sicherheitsgarantien sprechen werden.

dpa