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Russland stellt US-Reporter wegen Spionage vor Gericht

Seit mehr als 14 Monaten ist der Moskau-Korrespondent des «Wall Street Journal» in Haft. Russland nennt ihn einen Spion. Vor allem aber dient er als Faustpfand, um die USA unter Druck zu setzen.

Der US-Reporter Evan Gershkovich war Ende März 2023 in Jekaterinburg festgenommen worden.
Foto: Uncredited/Moscow City Court Press Service/AP/dpa

Die russische Justiz hat den US-Reporter Evan Gershkovich mehr als ein Jahr nach seiner Verhaftung wegen angeblicher Spionage angeklagt. Der Prozess gegen den Korrespondenten der Zeitung «Wall Street Journal» solle in Jekaterinburg am Ural stattfinden, teilte die russische Generalstaatsanwaltschaft in Moskau mit. Der 32 Jahre alte Reporter hat den Vorwurf bei Vernehmungen zurückgewiesen. 

Laut dem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft hat Gershkovich angeblich im Auftrag der US-Geheimdienstes CIA geheime Informationen über die Produktion und Reparatur von Rüstungsgütern in der Fabrik Uralvagonzavod in Nischni Tagil im Ural gesammelt. Behördensprecher Andrej Iwanow sagte laut der Nachrichtenagentur Interfax, dass Gershkovich bei seinem illegalen Vorgehen alle Regeln der Konspiration befolgt habe.

Deutliche Worte von der US-Regierung

Die US-Regierung reagierte mit deutlichen Worten. «Die Anklage entbehrt jeglicher Grundlage», sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, auf Nachfrage in Washington. «Journalismus ist kein Verbrechen. Die Vorwürfe gegen ihn sind falsch und die russische Regierung weiß, dass sie falsch sind. Er sollte sofort freigelassen werden.»

Gershkovich wurde Ende März 2023 auf einer Recherchereise in Jekaterinburg festgenommen. Viele Medien haben seine Freilassung gefordert. US-Präsident Joe Biden versprach, sich für ihn einzusetzen.

Gershkovich wird als Druckmittel angesehen, mit dem Moskau die USA unter Druck setzen kann. Die Festnahme des Reporters wurde auch als Warnung an ausländische Korrespondenten verstanden, die trotz des Kriegs gegen die Ukraine immer noch in Russland tätig sind.

Es wurde kein Datum für den Prozess genannt. Die Verhandlung in Jekaterinburg, zweieinhalb Flugstunden östlich von Moskau, wird es jedoch schwieriger machen, den Prozess zu beobachten.

dpa