Das schlimmste Massaker seit dem Holocaust forderte über 1200 Menschenleben. Der Konflikt hat massive Zerstörungen und viele Opfer verursacht.
Verheerende Bilanz des Gaza-Krieges

Die Bilanz des seit sechs Monaten andauernden Gaza-Krieges ist katastrophal. Laut Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden bisher im Gazastreifen mehr als 33.000 Menschen getötet und fast 76.000 weitere verletzt. Die Behörde macht keinen Unterschied zwischen Zivilisten und Kämpfern. Israelischen Angaben zufolge wurden im Gazastreifen etwa 12.000 Terroristen getötet, was mehr als ein Drittel der Opfer ausmacht. Die Informationen beider Konfliktparteien können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.
Der Schrecken begann mit dem schlimmsten Massaker seit dem Holocaust.
Der Auslöser für den Krieg war der Terrorangriff der islamistischen Hamas auf das israelische Grenzgebiet am 7. Oktober des letzten Jahres, bei dem über 1200 Menschen getötet wurden. Es handelte sich um das schlimmste Massaker in der Geschichte des Landes, einschließlich Leichenschändungen und Vergewaltigungen. Zudem verschleppten die Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Organisationen mehr als 250 Menschen in den Gazastreifen. Laut israelischen Informationen werden dort noch 133 Menschen festgehalten, wobei höchstens knapp hundert von ihnen noch am Leben sein sollen.
Seit dem 7. Oktober wurden auf israelischer Seite insgesamt über 1500 Menschen getötet, darunter 600 Soldaten. Mehr als 15.000 Menschen wurden verletzt.
Verheerende Reaktion Israels im Gazastreifen
Israel antwortete mit umfangreichen Luftangriffen und einer verheerenden Bodenoffensive im Gazastreifen. Zu Kriegsbeginn wurden etwa 300.000 israelische Reservisten einberufen.
Laut den Vereinten Nationen wurden seitdem mehr als 1,7 Millionen der insgesamt 2,2 Millionen Einwohner des Küstenstreifens zu Binnenvertriebenen. Das Gebiet am Mittelmeer, das ungefähr die Größe von München hat, liegt größtenteils in Trümmern. Zu den über 33.000 Toten gehören auch Sanitäter, Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.
Alle Gaza-Einwohner sind nach UN-Angaben von «hoher, akuter Ernährungsunsicherheit», die Hälfte von ihnen sogar von «katastrophaler Ernährungsunsicherheit» betroffen. Hilfsorganisationen warfen Israel vor, die Hilfslieferungen zu behindern. Israel wies dies zurück und sagte, das Problem liege vielmehr im Gazastreifen, weil die Akteure dort offenbar nicht in der Lage seien, mehr Hilfsgüter zu verteilen.
Gemäß Angaben der israelischen Cogat-Behörde wurden seit Beginn des Krieges über 388.850 Tonnen humanitärer Hilfsgüter in den Gazastreifen transportiert, verteilt auf mehr als 20.700 Lastwagen.
Krieg verursachte Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe
Laut einer Schätzung der Weltbank und der Vereinten Nationen hat der Gaza-Krieg einen Sachschaden in zweistelliger Milliardenhöhe verursacht. Der Schaden an der kritischen Infrastruktur im Gazastreifen wird auf etwa 18,5 Milliarden US-Dollar (ca. 17,2 Milliarden Euro) geschätzt. Dies entspricht angeblich 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Gazastreifen und Westjordanland im Jahr 2022. Wohngebäude machten dem Bericht zufolge 72 Prozent des Gesamtschadens aus. Auch im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen und zum Libanon wurden schwere Verwüstungen durch den Krieg verursacht.
Dauergefechte an der Grenze zum Libanon
Seit Kriegsbeginn hat die sogenannte «Achse des Widerstands» – Iran und seine nicht staatlichen Verbündeten im Libanon, Irak und Jemen sowie in Syrien – Israel in Kämpfe an mehreren Fronten verwickelt. Der Iran hat nach einem mutmaßlich israelischen Luftangriff auf ein Gebäude der iranischen Botschaft in Syriens Hauptstadt Damaskus mit mehreren Toten Vergeltung angekündigt.
Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs gibt es täglich Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und militanten libanesischen Gruppierungen wie der Hisbollah. Im Norden Israels wurden bisher 18 Menschen getötet – zehn Soldaten und acht Zivilisten. Im Libanon wurden laut Medienberichten 279 Kämpfer getötet, die meisten davon aus den Reihen der schiitischen Miliz Hisbollah. Darüber hinaus sind 68 Zivilisten bei Angriffen ums Leben gekommen.
43 israelische Siedlungen an der Grenze zum Libanon mussten geräumt werden. Über 60.000 Israelis und mehr als 90.000 Libanesen wurden aufgrund der anhaltenden Kämpfe gezwungen, die jeweilige Grenzregion zu verlassen. Laut israelischen Angaben wurden mehr als 3100 Raketen aus Syrien und dem Libanon auf den Norden Israels abgefeuert.
Attacken auch aus dem Jemen
Laut dem israelischen Institut für Nationale Sicherheit (INSS) hat die Huthi-Miliz aus dem Jemen seit Beginn des Gaza-Kriegs 63 Angriffe auf Israel verübt. Außerdem hat sie 159 Mal Schiffe im Roten Meer angegriffen. Ihr Ziel ist es, ein Ende der israelischen Militäreinsätze im Gazastreifen zu erzwingen.
Gewaltanstieg auch im Westjordanland
Während des Gaza-Kriegs hat sich auch im von Israel besetzten Westjordanland die Sicherheitslage massiv verschlechtert. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium in Ramallah wurden in diesem Zeitraum 438 Palästinenser getötet – bei Militäreinsätzen Israels, Konfrontationen oder ihren eigenen Anschlägen. 19 Israelis wurden bei Anschlägen im Westjordanland oder Jerusalem getötet. Etwa 3700 Palästinenser wurden im Westjordanland festgenommen, darunter 1600 mutmaßliche Hamas-Mitglieder.
Kriegsziele sind weiter unerreicht
Erklärte Ziele des Gaza-Kriegs sind laut Israel die Zerstörung der Führung sowie der militärischen Fähigkeiten der Hamas sowie die Freilassung der Geiseln. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versprach mehrfach den «totalen Sieg» über die Hamas. Diese Ziele sind allerdings auch nach sechs Monaten verheerenden Krieges nicht erfüllt.
Trotz massiver internationaler Warnungen plant Israel einen militärischen Einsatz in der Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten, wo sich mehr als eine Million Flüchtlinge drängen. Israel will dort die letzten Bataillone der Hamas zerschlagen, um ein Wiedererstarken der Terrororganisation nach dem Krieg zu verhindern.
Auch die Raketenangriffe auf israelische Grenzorte zum Gazastreifen konnten bisher nicht vollständig gestoppt werden. Laut Militärangaben wurden seit dem 7. Oktober insgesamt mehr als 14.000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Davon seien mehr als 9000 auf israelischem Gebiet abgefangen oder eingeschlagen.
Die Hamas bekämpft die israelische Armee unter anderem aus einem weitverzweigten Tunnelsystem, das sich über Hunderte von Kilometern unter dem Gazastreifen erstreckt. Selbst nach sechs Monaten gelang es nicht, die Hamas-Führung – angeführt von Jihia al-Sinwar – zu ergreifen, die sich angeblich in den Tunneln im Süden des Gazastreifens aufhält. Es wird vermutet, dass Sinwar sich aus Sicherheitsgründen mit Geiseln umgeben hat, weshalb ein Einsatz gegen ihn äußerst riskant wäre.
«Israel hat militärischen Druck zu verschiedenen Zeitpunkten Verhandlungen vorgezogen, unter der Prämisse, dass je mehr die Hamas in die Ecke gedrängt wird, desto flexibler ihre Verhandlungspositionen werden», schrieb ein Kommentator der Zeitung «Israel Hajom» am Sonntag. «Die harte Linie der Hamas in den vergangenen Monaten zeigt jedoch, dass dieser Ansatz gescheitert ist.»








