In der Schweiz stimmen die Bürgerinnen und Bürger über eine Ernährungsinitiative ab, die mehr pflanzliche Lebensmittel und weniger Tierhaltung fordert. Ziel ist eine Erhöhung der Selbstversorgungsquote auf 70 Prozent innerhalb von zehn Jahren, was auf Widerstand von Regierung und Landwirtschaft s…
Selbstversorgung im Fokus: Schweiz debattiert über Ernährungsinitiative mit pflanzlichem Schwerpunkt

In der Schweiz könnte der Spruch “Tu ma lieber die Möhrchen” bald geläufig werden. Eine Initiative fordert eine Erhöhung des Anteils pflanzlicher Lebensmittel und eine Reduzierung der Tierhaltung. Im Mittelpunkt steht die Fragestellung, inwieweit das Land zukünftig seine Selbstversorgung sicherstellen möchte.
Plakate und öffentliche Reaktionen
Derzeit sind in der Schweiz zahlreiche Plakate zu sehen, die sich mit dem Thema Ernährung beschäftigen. Darauf sind sowohl beliebte tierische Produkte wie Spiegeleier, Cervelat-Grillwürstchen und Käsefondue abgebildet. In großen Buchstaben ist der Slogan “Mein Essen, meine Wahl. Nein zum Veganzwang” zu lesen, was auf eine starke öffentliche Empörung hinweist.
Initiatorin der Ernährungsinitiative
Die Frau, die hinter dieser Initiative steht, ist Franziska Herren, 59 Jahre alt und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Ehemals Fitnesstrainerin, hat sie sich als Umweltaktivistin für die Initiative eingesetzt, über die die Schweizer Bevölkerung am 27. September abstimmen wird. Obwohl Herren Veganerin ist, belächelt sie den Vorwurf, sie wolle andere zwingen, ebenfalls vegan zu leben.
“Meine Kinder essen Fleisch”, sagt sie. “Das ist das Maß, das Problem in der Schweiz ist, dass 75 Prozent der Agrarsubventionen die tierische Produktion unterstützen. Zu wenige pflanzliche Lebensmittel werden produziert.”
Selbstversorgungsquote und Ziele der Initiative
Aktuell stammen etwas weniger als 50 Prozent der in der Schweiz konsumierten Lebensmittel auch aus dem eigenen Land. Im Vergleich dazu liegt die Selbstversorgungsquote in Deutschland bei über 80 Prozent. Franziska Herren und ihre Mitstreiter streben an, diesen Wert in der Schweiz innerhalb von zehn Jahren auf 70 Prozent zu steigern. Hierfür soll die Produktion von tierischen Lebensmitteln verringert und der Anbau pflanzlicher Produkte gesteigert werden. Dies könnte laut dem Initiativkomitee dazu führen, dass mit der gleichen Fläche mehr Menschen ernährt werden können.
“Wir fordern eine effiziente Landwirtschaft”, erklärt Herren. “Das bedeutet, dass Grasland für die Fleischproduktion und die Äcker, auf denen Futtermais angebaut wird, für Hülsenfrüchte, Getreide oder Gemüse genutzt werden sollten. So könnten wir zehnmal mehr Kalorien für die Bevölkerung produzieren.”
Gegner der Initiative und ihre Argumente
Die Initiative stößt jedoch auf erheblichen Widerstand. Die Schweizer Regierung, der Bundesrat und das Parlament lehnen sie einheitlich ab. Immer wieder wird betont, dass die Idee zwar in gewissem Maße sinnvoll sein könnte, jedoch über das Ziel hinausschießt und in die kulinarischen Vorlieben sowie in die unternehmerische Freiheit der Betriebe eingreift. Martin Ruffer vom Schweizer Bauernverband betont:
“Die Schweiz ist in erster Linie ein Bergland. 70 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche besteht aus Grasland. Diese Fläche kann nur für die tierische Produktion verwendet werden. Daher müssen wir auch eine starke tierische Produktion aufrechterhalten.”
Verfassungsrechtliche Perspektiven
Befürworter der Initiative argumentieren, dass die Verfassung vorschreibt, dass die Schweiz im Notfall innerhalb eines Jahres ihre Bevölkerung mit einheimischen Nahrungsmitteln versorgen kann. Politikwissenschaftler Michael Hermann äußert sich skeptisch zu dieser Vorgabe und stellt fest, dass die Landwirtschaft zwar eine wichtige Rolle in der Identität der Schweizer spielt, die Realität jedoch anders aussieht. Die Schweiz ist stark industrialisiert und dicht besiedelt. Viele Menschen möchten aufgrund des Wohlstands nicht auf importierte Lebensmittel verzichten.
“Die Schweizer sind nicht schlecht in ihren Lebenslügen”, sagt Hermann. “Das Selbstbild reicht bis zum Kalten Krieg zurück. Während des Zweiten Weltkriegs gab es eine sogenannte ‘Anbauschlacht’, um sich unabhängig zu machen, was nur funktionierte, weil damals kaum Fleisch konsumiert wurde.”
In Anbetracht der aktuellen demografischen Entwicklungen, in denen fast doppelt so viele Menschen in der Schweiz leben wie während des Zweiten Weltkriegs, sind die Aussichten für die Annahme der Ernährungsinitiative eher gering. Definitive Antworten wird es nach der Abstimmung am 27. September geben.
Quellen: tagesschau
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








