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Selenskyj: Ukrainische Streitkräfte schwächen russische Armee im Donezk-Gebiet

Tägliche Kämpfe in Kurachowe und Pokrowsk, Gespräche mit EU-Kommissionspräsidentin und US-Präsident geplant.

Das russische Militär greift ukrainische Städte immer wieder aus der Luft an - und stürzt die Bewohner damit in Not.
Foto: ---/Ukraine's Emergency Service/AP/dpa

Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj haben die ukrainischen Streitkräfte die Schlagkraft der russischen Armee im Gebiet Donezk erheblich geschwächt. Trotzdem betonte der Staatschef in seiner abendlichen Videobotschaft, dass die Situation weiterhin äußerst schwierig sei. Täglich finde schwere Kämpfe in den Abschnitten Kurachowe und Pokrowsk statt. Es werde alles unternommen, um die Kampfkraft der eingesetzten Brigaden aufrechtzuerhalten.

Selenskyj betonte auch die seit August anhaltenden Kämpfe im russischen Grenzgebiet Kursk. Er sagte: „Dort sind zehntausende russische Soldaten gebunden und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht.“ Die Informationen beider Kriegsparteien über das Geschehen auf dem Schlachtfeld sind in der Regel schwer unabhängig zu überprüfen.

EU-Kommissionspräsidentin in Kiew erwartet

An diesem Freitag wird EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Kiew erwartet. Selenskyj kündigte Gespräche mit ihr über die Vorbereitungen auf den Winter an. «Natürlich ist die Energiefrage eine dringende Priorität», sagte er. Auch die Lage an der Front, Waffenlieferungen und gemeinsame Rüstungsprojekte sollen seinen Worten zufolge erörtert werden – ebenso wie der Weg der Ukraine in die EU sowie weitere finanzielle Unterstützung für das von Russland angegriffene Land.

Selenskyj will in USA «Siegesplan» vorstellen

Selenskyj selbst wird in der kommenden Woche von US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus empfangen. Das – auch von Selenskyjs Büro bestätigte – Treffen sei für Donnerstag geplant, teilte die US-Regierung mit. Der ukrainische Gast werde auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris treffen, die als Kandidatin der Demokraten bei der Wahl im November antritt. Selenskyj hatte vor Tagen angekündigt, er wolle Biden in Washington einen «Plan für den Sieg» im Krieg gegen Russland vorstellen. 

Laut seines Büros plant Selenskyj zunächst, bei der UN-Generalversammlung in New York zu sprechen und dort Gespräche zu führen. Zusätzlich ist ein Treffen mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten und ehemaligen Präsidenten Donald Trump neben dem Treffen mit Biden und Harris in Washington geplant.

Russischer Bombenangriff auf nordöstliche ukrainische Großstadt Sumy

Der ukrainische Präsident ging in seiner Abendbotschaft auch auf einen russischen Angriff auf die Großstadt Sumy im Nordosten des Landes ein. Nach Angaben des Innenministeriums wurde eine Frau getötet und mindestens 13 Menschen wurden verletzt. «Russland musste wissen, dass dies ein Altenheim ist – keine Militärbasis, kein Militärobjekt», sagte Selenskyj. Die Angreifer hätten im Laufe des Donnerstags fast 90 Gleitbomben gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt. «Wir werden der russischen Armee unbedingt auf diesen Terror antworten, spürbar antworten.»

Der ukrainische Generalstab gab in seinem Bericht an, dass weiterhin Kämpfe stattfinden. Es gab über 90 russische Angriffe entlang der gesamten Frontlinie, wovon die meisten abgewehrt wurden. Einige Gefechte dauerten jedoch zum Zeitpunkt des Berichts noch an. Der Generalstab äußerte sich nicht zu Veränderungen an der Front oder zur Situation im russischen Grenzgebiet Kursk.

Die russische Armee behauptete, dass sie im Frontabschnitt Kurachowe im Donezker Gebiet die Eroberung des Ortes Heorhijiwka für sich beansprucht habe. Ukrainische Militärbeobachter klassifizierten das Dorf als teilweise umkämpft, teilweise unter russischer Kontrolle.

Im ukrainisch kontrollierten Teil des Gebiets Kursk wurden im September nach Angaben der ukrainischen Militärverwaltung 23 Zivilisten getötet. «Die Russen haben begonnen, friedliche Einwohner zu beschießen», sagte der Vertreter der ukrainischen Militärkommandantur, Olexij Dmytraschkiwskyj. Auch hierfür gab es keine unabhängige Bestätigung.

UN warnt vor langen Stromsperren im Winter

Die Vereinten Nationen warnten vor langen Stromabschaltungen im Winter aufgrund der russischen Raketenangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Experten gehen von Stromsperren zwischen 4 und 18 Stunden pro Tag aus. Besonders betroffen sein werden Bewohner von Hochhäusern, die in den oberen Etagen auf elektrisch betriebene Pumpen für die Wasser- und Zentralheizungsversorgung angewiesen sind.

Laut dem Bericht kann der Strommangel auch erhebliche Auswirkungen auf den Betrieb von Kanalisationssystemen und Kläranlagen haben. Im schlimmsten Fall, bei Stromausfällen von mehr als drei Tagen, müsste unbehandeltes Abwasser in Flüsse geleitet werden, um Rückstaus zu vermeiden. Der weit verbreitete Einsatz von Diesel- und Benzin-Notstromaggregaten verschlechtert zudem die Luftqualität in den ukrainischen Städten. Besonders betroffen vom Strommangel sind ältere Menschen, Kranke, Menschen mit Behinderungen, Binnenflüchtlinge und andere einkommensschwache Haushalte.

In der Zeit zwischen März und September hat das russische Militär in neun aufeinanderfolgenden Wellen gezielt Kraftwerke, Stromnetze und Anlagen zur Stromverteilung angegriffen. Der Bericht gibt den Spitzenbedarf im Winter mit über 18 Gigawatt an. Ukrainische Schätzungen gehen von einer Eigenproduktion von 14 bis 15 Gigawatt aus, wobei ein Defizit von bis zu 4 Gigawatt entsteht, das nicht vollständig durch Importe aus der EU oder Moldau gedeckt werden kann.

dpa