Die Ukraine setzt auch ohne deutsche Marschflugkörper auf Rüstungshilfe aus Deutschland. Vor allem schaut Kiew mit Spannung auf ein Treffen am Freitag in Berlin.
Selenskyj dankt Scholz für Unterstützung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Bundeskanzler Olaf Scholz trotz der abgelehnten Lieferung von Taurus-Marschflugköpern für Deutschlands Militärhilfe gedankt. Es handele sich um eine vielfältige Unterstützung, sagte Selenskyj nach einem Telefonat mit Scholz in seiner am Donnerstagabend in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Geplant sei in Berlin im Juni zudem eine Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine, wie es sie unter anderem schon in London gegeben hatte.
Bei einem ausführlichen Gespräch mit Scholz hätten sich beide auch abgestimmt vor einem Treffen des sogenannten Weimarer Dreiecks an diesem Freitag in Berlin. Scholz empfängt Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und Polens Regierungschef Donald Tusk zu Gesprächen. «Offensichtlich geht es bei dem Treffen vor allem um die Ukraine», sagte Selenskyj. Das Treffen findet vor dem Hintergrund massiver deutsch-französischer Differenzen in der Ukraine-Politik statt. Macron schließt die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine nicht aus, woraufhin Scholz mehrfach öffentlich widersprach.
Unterstützung und Zusammenarbeit
Selenskyj sagte, dass er mit Scholz auch über die weitere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich gesprochen habe. Die Ukraine benötige Unterstützung auf Staats- und Unternehmensebene für die gemeinsame Produktion von Waffen. Selenskyj erwarte, dass Rüstungsbetriebe in der Ukraine angesiedelt werden. Er habe immer wieder betont, dass das Land zu einem der größten Rüstungsproduzenten der Welt werden solle. Es seien gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie und Flugabwehr erforderlich, so Selenskyj.
«Und natürlich haben wir auch über die Europäische Union gesprochen, darüber, dass die Verhandlungen über den vollen Beitritt der Ukraine so schnell wie möglich beginnen», sagte Selenskyj. Das Land hat den Status als EU-Beitrittskandidat. Kiew habe alle Schritte erfüllt; es sei nun Sache der EU-Mitglieder, ihre Verantwortung der Ukraine gegenüber zu erfüllen.
Vorher wurde auch von einem Sprecher der Bundesregierung über das Telefonat informiert. Es wurde berichtet, dass Scholz der Ukraine weitere militärische Unterstützung zugesichert hat.
Die Ukraine wehrt sich seit über zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Das Land wird dabei militärisch und finanziell vom Westen unterstützt, insbesondere von den USA und Deutschland. Die Lieferung der deutschen Taurus-Marschflugkörper, die von der Ukraine gefordert wurde, wurde am Donnerstag vom Bundestag mit großer Mehrheit abgelehnt.








