Lange ließ sich Präsident Selenskyj mit der Besetzung einer zentralen Funktion in der Ukraine Zeit. Nun überträgt er Militärgeheimdienstchef Budanow die Leitung der Präsidialkanzlei.
Geheimdienstchef wird Selenskyjs neue rechte Hand

Kyrylo Budanow, der langjährige Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, wird neuer Leiter des Präsidialbüros in Kiew und somit die rechte Hand von Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Der 39-Jährige tritt die Nachfolge von Andrij Jermak an, der vor einem Monat aufgrund eines Korruptionsskandals in der Ukraine zurückgetreten war. Budanow ist aufgrund zahlreicher erfolgreicher Operationen im Kampf gegen den russischen Angriffskrieg auch in der Ukraine beliebt.
Der Generalmajor ist verantwortlich unter anderem für Sprengstoffanschläge auf die Brücke zu der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und für Attentate auf Generäle in Moskau. «Es ist für mich eine Ehre und eine Verantwortung, mich in dieser für die Ukraine historischen Zeit auf die entscheidenden Fragen der strategischen Sicherheit unseres Staates zu konzentrieren», teilte Budanow nach seiner Ernennung mit.
«Wir müssen weitermachen – den Feind bekämpfen, die Ukraine verteidigen und für einen gerechten Frieden arbeiten. Lasst uns gemeinsam weiter für eine freie und sichere Zukunft der Ukraine kämpfen! Wir werden durchhalten!» Er dankte auch seinen Mitstreitern beim Militärgeheimdienst. Wer Budanows Nachfolge antritt beim Militärgeheimdienst HUR, war zunächst nicht klar.
Selenskyj: Sicherheitsfragen haben Vorrang
Selenskyj teilte mit, dass sich die Ukraine stärker auf Sicherheitsfragen, die Entwicklung der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie den diplomatischen Verhandlungsweg konzentrieren müsse. Das Präsidialamt werde sich diesen Aufgaben vorrangig widmen. Budanow sei besonders erfahren in diesen Bereichen und könne Ergebnisse erzielen.
Selenskyj trifft damit insbesondere vor den nächsten Terminen der Verhandlungen über eine Beendigung des russischen Angriffskrieges eine wichtige Personalentscheidung. Als HUR-Chef war Budanow bereits Mitglied der ukrainischen Delegation. An diesem Samstag treffen sich nationale Sicherheitsberater in Kiew, um über die weitere Unterstützung der Ukraine zu beraten. Laut Selenskyj haben 15 Länder, Vertreter der EU und der Nato ihre Teilnahme zugesagt. Das US-Team werde online zugeschaltet, sagte Selenskyj. Am 5. Januar solle es Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs geben, gefolgt von einem Gipfel der «Koalition der Willigen» am Dienstag in Paris. Budanow kommt eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zu.
Selenskyj hatte zuvor angegeben, dass er mehrere Kandidaten für die Nachfolge Jermaks im Auge habe. Beobachter hatten mit der Ernennung Budanows gerechnet. In Kiew äußerten Kommentatoren die Meinung, dass Budanow auf der Linie der USA liege und als zentrale Figur für die Vorbereitung eines Friedensplans ein Machtmensch mit sehr enger Verbindung zu Selenskyj sei.
Laut ukrainischer Sicht werden viele erfolgreiche Angriffe auf Ziele in Russland dem Militär in Kiew zugeschrieben. Seit Monaten greift die Ukraine auch intensiv Anlagen der russischen Ölindustrie mit Drohnen an, um die Einnahmen von Moskaus Kriegsmaschinerie zu verringern.
Russland sieht Budanow als «Terroristen»
Russland betrachtet Budanow jedoch nach einer Reihe tödlicher Bombenanschläge auf Generäle als Terroristen, als einen der Hauptfeinde, der auf der Todesliste Moskaus steht.
Selenskyj habe den «Hauptterroristen» zum Chef seiner Kanzlei gemacht, schrieb der prominente Moskauer Politologe Sergej Markow bei Telegram. Die Zeichen stünden damit auf Angriff, meinte er – auch Kremlchef Wladimir Putin sei damit weiter in Gefahr.
Russland beschuldigt die Ukraine seit Tagen, versucht zu haben, eine Residenz Putins mit Drohnen anzugreifen. Kiew lehnt dies als Lüge und russische Desinformation ab.
In dem seit fast vier Jahren anhaltenden russischen Angriffskrieg gehen die Kämpfe weiter. Erneut wurde die nahe der Front gelegene Großstadt Charkiw am Tag zum Ziel der russischen Streitkräfte. Laut Behördenangaben wurden viele Menschen verletzt. Selenskyj erwähnte nach ersten Erkenntnissen zwei Raketen, die in einem Wohngebiet eingeschlagen sind.








