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Selenskyj mahnt zur Eile bei Waffenlieferungen

Viele Waffenhilfen für Kiew sind vereinbart, doch oft kommen sie spät oder nur teilweise an. Präsident Selenskyj fordert mehr Tempo. Die Lage auf dem Schlachtfeld bleibt für die Ukrainer schwierig.

Nahe der Kleinstadt Pokrowsk im ostukrainischen Gebiet Donezk laufen schwere Kämpfe zwischen russischen Angreifern und ukrainischen Verteidigern. (Archivbild)
Foto: ---/Ukrinform/dpa

Die ukrainische Staatsführung ruft dazu auf, die beschlossenen Hilfsvereinbarungen mit dem Westen schnellstmöglich in die Tat umzusetzen. «Der Kriegsverlauf hängt direkt von der Qualität der Logistik bei den Lieferungen und der Erfüllung aller Versprechen der Partner ab», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Waffen und Gerät müssten rechtzeitig ankommen, um Erfolg zu haben. «Was im September gebraucht wird, muss im September an unsere Truppen geliefert werden.»

Seit zweieinhalb Jahren verteidigt die Ukraine mit Unterstützung des Westens eine großangelegte russische Invasion. Kiew geriet massiv unter Druck, als die Hilfslieferungen aus den USA aufgrund eines innenpolitischen Streits in Washington monatelang stockten. Aufgrund fehlender Waffen und Material konnten ukrainische Truppen einige wichtige und gut befestigte Frontabschnitte nicht halten. Bisher ist es dem Generalstab in Kiew nicht vollständig gelungen, die Lage im Osten zu stabilisieren.

Schwere Kämpfe im Gebiet Donezk halten an

Russische Truppen sind mittlerweile bis auf wenige Kilometer an die Stadt Pokrowsk herangerückt. Im Gebiet hat es erneut schwere Kämpfe gegeben, wie der Generalstab in seinem abendlichen Lagebericht mitteilte. Die Angreifer halten den Druck auf die ukrainischen Stellungen aufrecht.

Laut dem Kommandeur der dritten Sturmbrigade der ukrainischen Armee, Maxym Schorin, sei Pokrowsk ein wichtiges Teilziel für die russischen Streitkräfte. Die Einnahme der Stadt würde den Russen mehrere Wege eröffnen. „Sie könnten dann versuchen, Richtung Westen weiter vorzustoßen, um bis an die Gebietsgrenze von Donezk oder sogar ins benachbarte Dnipropetrowsk zu gelangen, oder nach Süden einschwenken, um dort weiter Gelände zu gewinnen“, sagte Schorin der Nachrichtenagentur Unian.

Laut dem unabhängigen Militäranalysten Jan Matwejew haben die russischen Soldaten in letzter Zeit im Raum Pokrowsk kaum Fortschritte gemacht. Ein Teil der Truppen sei bereits zuvor Richtung Süden abgebogen – in Richtung Kurachowe. Der Generalstab berichtete auch dort von schweren Kämpfen.

Raketenlieferungen: Kiew bestellt iranischen Gesandten ein

Die materielle Überlegenheit an der Front verdankt Russland Berichten zufolge nicht nur der hochgefahrenen eigenen Rüstungsindustrie, sondern auch Lieferungen von Verbündeten wie dem Iran. Wegen der angeblichen Lieferung ballistischer Raketen an Russland bestellte das ukrainische Außenministerium nun den iranischen Gesandten ein. Diesem sei in «harter Form» eine Warnung an die iranische Staatsführung übermittelt worden, teilte das Ministerium in Kiew mit. Sollten sich die Berichte bestätigen, werde das «verheerende und nicht wiedergutzumachende Folgen» für die bilateralen Beziehungen haben.

Vorher hatten US-amerikanische Zeitungen unter Berufung auf Quellen in Washington berichtet, dass Teheran ballistische Kurzstreckenraketen an Russland geliefert habe. Moskau greift Ziele in der Ukraine bereits seit Herbst 2022 regelmäßig mit Kampfdrohnen iranischer Bauart an. Teheran leugnet jedoch immer wieder Waffenlieferungen.

Lawrow: Westen will nicht ehrlich verhandeln

Russland warf den Unterstützern der Ukraine Unehrlichkeit vor. «Der Westen will nicht ehrlich verhandeln», sagte Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit arabischen Kollegen des Golfkooperationsrats in Riad. Westliche Staatschefs klammerten sich an die für Moskau unannehmbare Initiative des ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Das bedeute, dass der Westen weiterhin alles tue, um Russland eine strategische Niederlage auf dem Schlachtfeld zuzufügen. Die Initiative Selenskyjs sieht als eine Forderung den Abzug russischer Truppen von ukrainischem Gebiet vor.

Lawrow ging in seiner Kritik auch auf einen Vorstoß von Bundeskanzler Olaf Scholz ein. Nach dessen Worten über die Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung gebe es in der deutschen Presse Andeutungen darüber, dass eine Lösung die russischen Eroberungen berücksichtigen müsse. Es gehe aber nicht um Territorien, behauptete Lawrow. «Wir haben niemals fremden Boden gewollt, wir wollten nur, dass man den Menschen, die Teil der russischen Welt, der russischen Kultur, russischen Sprache, Geschichte, Religion sind, human begegnet, wie dies das internationale Recht, viele Menschenrechts- und Minderheitskonventionen und vor allem die Satzung der Vereinten Nationen fordert», sagte der Minister.

dpa