Darf die Ukraine zumindest auf eine begrenzte und zeitlich befristete Waffenruhe hoffen? US-Präsident Trump sagt ja, der ukrainische Präsident Selenskyj will zunächst abwarten.
Selenskyj nach Trumps Ankündigung einer Waffenruhe skeptisch

Kommt es zu einer von US-Präsident Donald Trump angekündigten begrenzten Waffenruhe für die Ukraine? Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj äußerte sich zurückhaltend dazu. Er dankte zunächst den USA für die Bemühungen, ein Moratorium für russische Angriffe auf Energieanlagen zu erreichen. «Die Lage jetzt in der Nacht und in den kommenden Tagen, die tatsächliche Situation in unseren Energieanlagen und Städten» werde zeigen, ob es eine solche Waffenruhe tatsächlich geben werde, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft.
Trump hatte mitgeteilt, dass er Putin gebeten habe, eine Woche lang auf Angriffe gegen Städte und Energieanlagen in der Ukraine zu verzichten. Putin stimmte diesem Wunsch zu, jedoch wurde nicht festgelegt, ab wann diese Vereinbarung gelten sollte. Es gab keine offizielle Bestätigung aus Moskau.
Spekulationen kursierten bereits vor Trumps Ankündigung
Es gab bereits Spekulationen über eine begrenzte Waffenruhe vor Trumps Ankündigung – sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Laut dem russischen Militärblogger Romanov Light soll das Verteidigungsministerium in Moskau bereits am Donnerstagmorgen ein Verbot erlassen haben, ukrainische Städte und Energieanlagen zu beschießen. Auch im Blog Rybar, der dem russischen Verteidigungsministerium nahesteht, wurden Gerüchte über eine bevorstehende Teil-Waffenruhe erwähnt.
Beide Kanäle kritisierten eine mögliche Waffenruhe scharf. Der Beschuss ziviler Infrastruktur wird dort als legitimes Druckmittel gegen Kiew angesehen.
Ukrainische Zivilisten in Not
Russland hat die Ukraine in diesem kalten Winter mit schweren Luftangriffen heimgesucht. Das bereits geschwächte Strom- und Wärmenetz wurde weiterhin gezielt angegriffen. Zwei schwere Angriffe trafen Kiew bereits Anfang Januar.
Nach erneutem Beschuss der Heizkraftwerke am Samstag waren etwa 6.000 Wohnblöcke und damit gut die Hälfte der Millionenstadt bei teils zweistelligen Minusgraden ohne Fernheizung. Inzwischen sind es «nur noch» etwa 450 Wohnblöcke.
Nach zwei Tagen mit leicht über null Grad wird für das Wochenende wieder starker Frost mit zum Teil unter minus 20 Grad in der Nacht erwartet. Bürgermeister Vitali Klitschko hat die Einwohner bereits aufgefordert, wenn möglich, Kiew zumindest für kurze Zeit zu verlassen.
Ungewissheit bleibt
Selenskyj ist nicht der Einzige in der Ukraine, der die Ankündigung aus Washington mit einer gewissen Skepsis begegnete. Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, rief seine Landsleute dazu auf, sich auf den Katastrophenfall vorzubereiten. Russland könne den Kälteeinbruch nutzen, um noch einmal eine schwere Angriffswelle zu starten.
Es war tatsächlich keine ruhige Nacht: Der ukrainische Gouverneur von Saporischschja, Iwan Fedorow, berichtete von einem Drohnenangriff auf die Hauptstadt der Region. Laut Telegram wurde ein Industrieobjekt getroffen, was zu einem Feuer führte. Es gab keine Verletzten, aber der genaue Typ der betroffenen Anlage wurde nicht näher erläutert.








