Russische Truppen wollen mit aller Macht ihre Gebietsgewinne im Donbass in der Ostukraine ausweiten. Das ukrainische Militär stemmt sich dagegen. Und meldet Erfolge beim Vorstoß auf russisches Gebiet.
Selenskyj: Nachschub für Truppen in Ostukraine eingetroffen

In Anbetracht des wachsenden Drucks russischer Truppen in der Ostukraine richtet Kiew jetzt seine höchste Aufmerksamkeit auf die Verteidigung rund um den Donbass. «Torezk und Pokrowsk, die meisten russischen Angriffe finden dort statt», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Der dringend benötigte Nachschub ist bereits angekommen. «Alles, was jetzt gebraucht wird.» Selenskyj machte jedoch keine Angaben dazu, ob auch zusätzliche Truppen in die schwer umkämpften Gebiete verlegt wurden.
Der Generalstab in Kiew teilte am Abend mit, dass es seit Tagesbeginn 68 Gefechte gab, die die Verteidigungsstellungen der Ukrainer rund um den Donbass betrafen. Schwerpunkt der Auseinandersetzungen waren erneut die umkämpften Orte Torezk und Pokrowsk. Laut Lagebericht wurden die russischen Soldaten bei ihren Attacken von Kampffliegern unterstützt.
Der ukrainische Militäreinsatz in der westrussischen Region Kursk verläuft Selenskyj zufolge weiterhin zufriedenstellend. «Es gibt einen neuen Vorstoß», sagte er, ohne weitere Angaben zu machen. Die Stadt Sudscha unweit der Grenze sei inzwischen vollständig unter ukrainischer Kontrolle. Zudem seien weitere Ortschaften und Siedlungen eingenommen worden, insgesamt bereits über 80. Diese und ähnliche Angaben beider Seiten zum Kriegsgeschehen lassen sich kaum unabhängig überprüfen.
Die Stadt Sudscha liegt nur wenige Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt. Vor dem Krieg hatte der Ort knapp 6.000 Einwohner und war das Verwaltungszentrum des Bezirks Sudscha. Jetzt wird es der Sitz der ersten ukrainischen Militärkommandantur auf russischem Gebiet. Generalmajor Eduard Moskaljow soll gemäß dem Willen Kiews in den besetzten Teilen Westrusslands für Recht und Ordnung sorgen.
Im Verlauf der Kämpfe machten die ukrainischen Truppen angeblich weitere Kriegsgefangene. Selenskyj begrüßte dies als «weiteren Zugang zum Austauschfonds», da Russland und die Ukraine immer wieder Kriegsgefangene austauschen. Entsprechend sei bei der Sitzung der Stawka, des Oberkommandos der Streitkräfte, eine nicht näher beschriebene Strategie für den nächsten Austausch samt Listen erarbeitet worden.
Selenskyj kündigt Vorgehen gegen Verräter an
Der ukrainische Staatschef kündigte zudem ein härteres Vorgehen gegen sogenannte Volksverräter an. «Wer (Kremlchef Wladimir) Putin dient oder seinen Krieg rechtfertigt oder dem Bösen hilft, hat es nicht verdient, alles zu behalten, womit der ukrainische Staat ihn oder sie geehrt hat», sagte Selenskyj. Dies gelte für Verräter, die nach dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 nach Russland geflohen seien, sowie für Kollaborateure in Kriegszeiten, kurzum: «Alle Verbrecher, die dem russischen Staat dienen.»
Selenskyj forderte, dass alle Titel und Auszeichnungen der Ukraine ihnen aberkannt werden sollten, nicht nur durch eine deklaratorische Entscheidung, sondern auch durch ein Gesetz. Es wurden entsprechende Gesetzesentwürfe im Parlament vorgelegt.
Russische Generäle fühlen sich als bevorzugte Ziele
Nach Angaben der Führung in Moskau fühlen sich russische Generäle bei ihren Besuchen in den besetzten Gebieten der Ukraine als bevorzugte Ziele der ukrainischen Streitkräfte.«Sie sind ein begehrtes Ziel», sagte der stellvertretende russische Innenminister Wladimir Kubyschko laut der Staatsagentur Tass bei einer Tagung in Moskau. Sobald ein General in den besetzten Gebieten erscheine, beginne von ukrainischer Seite die Spionagetätigkeit zur Standortbestimmung, auf die dann Raketenbeschuss folge.
Es scheint tatsächlich, dass die elektronische Aufklärung der ukrainischen Streitkräfte gezielt nach Kommandostellen und Stäben der russischen Armee sucht, um sie auszuschalten. Bislang wurden in der Ukraine mindestens sechs russische Generäle getötet. Die ukrainische Seite behauptet sogar, mindestens ein Dutzend getötet zu haben.








