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Selenskyj und Putin drücken bei Rüstung aufs Tempo

Moskau und Kiew demonstrieren Stärke. Sowohl Kremlchef Putin als auch sein ukrainischer Gegenpart Selenskyj fordern mehr Tempo bei der Ausrüstung des Militärs.

Der Drohnenangriff auf ein Munitionsdepot im Nordwesten Russlands war Selenskyj zufolge ein großer Erfolg.
Foto: -/Satellite image '2023 Maxar Technologies/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die westlichen Partner zu mehr Tempo bei den versprochenen Lieferungen zur Stärkung der Flugabwehr aufgefordert. «Bis jetzt sind noch nicht alle Versprechen zur Flugabwehr, die beim Gipfel in Washington gemacht worden, umgesetzt», mahnte er in seiner abendlichen Videoansprache. Gerade zu Herbstbeginn sei es jedoch wichtig, eine effiziente Flugabwehr zu haben, sagte er mit Blick auf die systematischen russischen Angriffe gegen die Energie- und Wärmeversorgung.

Selenskyj sprach erneut gegen ein Einfrieren des Konflikts aus. Die Ukraine und ganz Europa benötigen langfristige Sicherheit. Dies könne nur durch einen gerechten Frieden erreicht werden.

Er äußerte sich nicht detailliert zur Situation an der Front. Zu Beginn lobte er den Drohnenangriff auf ein Munitionsdepot bei der nordwestrussischen Kleinstadt Toropez.

Es wurde berichtet, dass es in der Nacht zuvor durch einen ukrainischen Drohnenangriff zu einer Serie von Explosionen in dem Depot gekommen war. Aufgrund des Feuers, das auf die nahegelegene Stadt Toropez übergriff, mussten die Bewohner evakuiert werden. Laut Behördenangaben gab es mehrere Verletzte.

Selenskyj: Alles läuft nach Plan in Kursk

Die Kämpfe in der westrussischen Region Kursk, wo Moskauer Truppen versuchten, die ukrainische Gegenoffensive zu kontern, verlaufen nach Angaben von ihm nach dem Plan Kiews. Unabhängigen Militärbeobachtern zufolge konnten die Ukrainer die russischen Angriffe tatsächlich vorerst stoppen. Unklar ist jedoch, ob der darauf folgende ukrainische Vorstoß zur Einschließung russischer Truppenteile erfolgreich war.

Er versprach den belagerten Verteidigern der Städte Pokrowsk, Torezk und Kurachowe im ostukrainischen Gebiet Donezk baldige Verstärkung, da neue Brigaden aufgebaut wurden, jedoch noch nicht vollständig mit Waffen ausgerüstet sind.

Schwere Kämpfe im Osten der Ukraine

Der Generalstab in Kiew bezeichnete in seinem abendlichen Lagebericht erneut die Kämpfe zwischen Pokrowsk und Kurachowe als schwer. Über 150 russische Angriffsversuche fanden an diesem Tag in diesem Frontabschnitt statt, was mehr als die Hälfte ausmachte. Es wurde berichtet, dass mehrere dieser Attacken noch im Gange waren.

Putin hält Sitzung zur Lage des Militärs und Rüstungssektors ab

Derweil hat Kremlchef Wladimir Putin eine Videokonferenz mit ranghohen Militärs und Beamten aus der Rüstungswirtschaft abgehalten. Darin begründete er auch die jüngst befohlene Anhebung der Truppenstärke. Dies sei für die neuen Wehrbezirke notwendig, sagte er. Für die dort entstehenden Truppenteile würden gut an Waffen ausgebildete neue Soldaten gebraucht. «Eben zur Lösung dieser Aufgabe wurde vor Tagen das Dekret über die Festlegung der Truppenstärke der Streitkräfte veröffentlicht», so Putin. 

Putin hat am Montag per Dekret angeordnet, die Streitkräfte auf etwa 2,4 Millionen Mann zu erhöhen, darunter 1,5 Millionen Soldaten. Seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wurde die Sollstärke des Militärs somit zum dritten Mal erhöht.

Reaktion auf Nato-Erweiterung

Die Schaffung neuer Wehrbezirke für die Regionen Leningrad – für das Umland von St. Petersburg wird in Russland immer noch der sowjetische Name Leningrad verwendet – und Moskau wurde vom Kreml Ende 2023 angekündigt. Dies beinhaltet den Aufbau neuer Militärstützpunkte und Truppenteile. Die Notwendigkeit der Wehrbezirke wurde damals vom russischen Generalstabschef Waleri Gerassimow unter anderem mit dem Nato-Beitritt von Schweden und Finnland begründet. Auf den Auslöser dieser Ereignisse, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, ging Gerassimow nicht ein.

In der Videokonferenz betonte Putin die Notwendigkeit, die Aufrüstung und Militarisierung weiter voranzutreiben. Zukünftig sollen neue moderne Waffen nicht mehr einzeln, sondern in Serie von der russischen Armee erhalten werden, wie er ankündigte. Zudem sollten die Erkenntnisse aus dem Krieg auch in den Waffenschmieden und Raketenlabors genutzt werden, so der Kremlchef, der plant, am Donnerstag eine Waffenfabrik in St. Petersburg zu besuchen.

dpa