Spitzen deutscher Sicherheitsbehörden diskutieren über wachsende Gefahren durch Cyberangriffe und Desinformationen fremder Staaten, sowie die Rolle von Künstlicher Intelligenz.
Deutsche Sicherheitsbehörden beraten über Cyberangriffe und Desinformationskampagnen

Die Spitzen deutscher Sicherheitsbehörden treffen sich heute, um über Cyberangriffe und Bedrohungslagen durch Desinformationskampagnen fremder Staaten zu beraten. Die 10. Potsdamer Konferenz für Nationale Cybersicherheit am Hasso-Plattner-Institut bringt sie mit Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Unter anderem werden führende Vertreter des Bundeskriminalamts, des Verfassungsschutzes und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik erwartet.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) warnt vor zunehmenden Gefahren durch eine hybride Kriegsführung Russlands. Dazu zählen Cyberangriffe und Versuche der Einflussnahme, beispielsweise durch Desinformation und Fake-News. Ein Beispiel hierfür sind gefälschte Zitate, die über soziale Medien verbreitet wurden und in denen Stars angeblich zur Ukraine Stellung bezogen. Sowohl die SPD als auch die CDU gerieten ins Visier russischer Cyberattacken. Darüber hinaus wird vor gezielten Cyberangriffen vor den Olympischen Spielen in Paris gewarnt, so Sicherheitsexperten.
Sicherheitsbehörden wegen Zunahme von Cyberangriffen durch KI besorgt
Sicherheitsbehörden zeigen sich angesichts des wachsenden Einflusses von Künstlicher Intelligenz (KI) auf Cyberangriffe und Desinformationskampagnen besorgt. «KI kann noch mal einen Anstieg an Cyberkriminalität hervorrufen», sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes Holger Münch bei der Konferenz in Potsdam. «ChatGPT gibt es auch auf der dunklen Seite der Macht.»
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bezeichnet die Bedrohungslage im Cyberraum als besorgniserregend. BSI-Präsidentin Claudia Plattner sagte, generative KI senke die Einstiegshürden für Cyberangriffe und erhöhe auch den Umfang und Geschwindigkeiten von Cyberattacken. Auch mit Blick auf bevorstehende Wahlen drohten Desinformationskampagnen, warnte der Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen. Die Sicherheitsbehörden müssten sich darauf einstellen, dass der Einsatz von KI wichtiger werde.
Der Cybersicherheits-Experte vom HPI, Christian Dörr, sieht die Gefahr, dass KI wie ein «Brandbeschleuniger» eine Spaltung und Radikalisierung der Gesellschaft noch verstärken könne. Denn mittels Künstlicher Intelligenz und bestimmter Algorithmen in sozialen Medien könne die Meinungsbildung von Menschen gezielter als früher gesteuert werden.
Gezielte Störung von GPS-Satellitennavigation
„Staatlich unterstützte Angriffe zeichnen sich in der Regel durch hohe Professionalität und umfangreiche Ressourcen der Angreifer aus, was es schwierig macht, diese abzuwehren“, sagte Dörr, der Gastgeber der zweitägigen Konferenz ist. Er sieht insgesamt Staat, Unternehmen und Bürger zu schlecht geschützt vor Cyberattacken.
Sicherheitsexperten zeigen sich auch besorgt, weil im Ostseeraum immer wieder gezielt die GPS-Satellitennavigation gestört wird. «Die Störung von GPS, die gerade insbesondere im Baltikum und in der Ukraine stattfindet, ist nicht neu. Die Fachwelt kennt seit Jahrzehnten diese Angriffsmöglichkeiten», sagte Dörr. Das GPS-Signal wird von Flugzeugen etwa zur Bestimmung der eigenen Position und zur Navigation verwendet.
Verfassungsschutz: Bandbreite von Angriffen steigt
Sorgen macht dem deutschen Nachrichtendienst auch eine wachsende Gefahr durch Spionage-Aktivitäten, die auch von privaten Akteuren im Auftrag von Staaten ausgeführt werden. «Wir erleben eine Industrialisierung, eine Privatisierung der Spionage in einem hohen Ausmaß», sagte Verfassungsschützer Selen. Es seien unter anderem sogenannte patriotische Hacker unterwegs. Die operative Bandbreite und auch die Kreativität von Angriffen steige deutlich.
Verfassungsschützer Selen sagte, dass seiner Ansicht nach die Zeitenwende noch nicht überall angekommen sei, obwohl das Bewusstsein für Cybergefahren in großen Unternehmen gewachsen sei. Er betonte jedoch, dass bei kritischer Infrastruktur immer noch zu viele Daten offen im Netz verfügbar seien.
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind auch in Deutschland die Bedrohungen durch hybride Kriegsführung gestiegen. Dies beinhaltet Cyberangriffe sowie Versuche der Einflussnahme durch Desinformation und Fake-News.
Ein Beispiel: Es wurden gefälschte Zitate in den sozialen Medien verbreitet, in denen Stars angeblich zur Ukraine Stellung bezogen. Sowohl die SPD als auch die CDU gerieten ins Visier russischer Cyberattacken.
Bundesinnenministerin Faeser hat betont, dass seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine die Schutzmaßnahmen gegen hybride Bedrohungen verstärkt wurden.
Sicherheitsbehörden haben auch Schutz der Landtagswahlen im Blick
Bei den bevorstehenden Landtagswahlen im Herbst im Osten wollen die Sicherheitsbehörden sich gegen Versuche der Einflussnahme durch Desinformationskampagnen rüsten. Es gebe dazu Arbeitsgruppen mehrerer Behörden, sagte BSI-Präsidentin Plattner. Störungen durch Falschinformationen müssten einkalkuliert werden, sagte Verfassungsschützer Selen. Es komme darauf an, dass die Sicherheitsbehörden vernetzt und schnell reagierten. «Dafür haben wir auch in Bezug auf die Landtagswahlen entsprechende Vorsorge getroffen», sagte Selen.








