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«Sie schießen, sie schießen» – Tote bei Anschlag in Moskau

Bei einem mutmaßlichen Terroranschlag auf eine Moskauer Konzerthalle sterben Dutzende Menschen. Die Hintergründe sind zunächst völlig unklar. Aber die Videos von dem Verbrechen erschüttern Russland.

Die Polizei blockiert die Straße zur Crocus City Hall am westlichen Rand von Moskau. Nach dem Angriff in der Region Moskau hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB Tote und Verletzte bestätigt.
Foto: Dmitry Serebryakov/AP/dpa

Gegen 20.30 Uhr Ortszeit bricht Panik aus im populären Veranstaltungszentrum Crocus City Hall nahe Moskau. Kurz vor dem Konzert der Band Piknik sind plötzlich Schüsse zu hören, dann Explosionsgeräusche. Auch ein Feuer bricht aus. «Sie schießen. Sie schießen aus Maschinengewehren. Irgendwelche Leute schießen», ist die aufgeregte Stimme eines Mannes in einem wackeligen Video zu hören, das in sozialen Netzwerken kursiert.

Die Schüsse hören nicht auf, es hallt laut in dem großen Saal. Die Behörden sprechen von einem Terroranschlag, von etwa 40 Toten und 100 Verletzten. Menschen schreien vor Angst, laufen um ihr Leben. «Scheiße, scheiße, scheiße», ruft ein Mann in einer Aufnahme, die zeigt, wie Konzertbesucher in Scharen in Richtung Ausgang rennen. Neben einer Rolltreppe liegt ein lebloser Körper in einer Blutlache.

Hintergrund unklar – IS veröffentlicht Bekennerschreiben

Die genauen Umstände dieses schrecklichen Anschlags in Krasnogorsk sind noch nicht klar. Es ist möglich, dass die Zahl der Opfer noch steigt. Die Rettungs-, Lösch- und Ermittlungsarbeiten dauern die ganze Nacht an. Aus dem Gebäude, das mehrere Säle beherbergt und Platz für mehrere Tausend Besucher bietet, steigen große Flammen in den Himmel. Hubschrauber werfen Wasser auf den Brand, der mittlerweile eine Fläche von 13.000 Quadratmetern umfasst. Es wird vermutet, dass das Dach teilweise eingestürzt ist.

Die Situation drinnen ist komplett chaotisch. In den Medien wird mal von drei bewaffneten Tätern gesprochen, mal von mehr. Es gibt Fotos, die einige von ihnen zeigen, wie sie auf Zuschauerrängen stehen und in die Tiefe schießen. Auf anderen Bildern sind Männer in Tarnuniform zu sehen, die durch eine Halle laufen und immer wieder schießen. Die Identität der Angreifer ist zunächst völlig unklar.

Moskau macht Kiew Vorwürfe

Es ist unklar, ob es möglicherweise einen Zusammenhang mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine gibt. Die Behörden in Kiew haben dies verneint. Am Abend wurde ein angebliches Bekennerschreiben der Terrororganisation Islamischer Staat verbreitet, die von Russland in Syrien bekämpft wird. Russlands Behörden betrachten den Angriff als terroristische Handlung, Präsident Wladimir Putin wird laut Kremlangaben laufend informiert. Vertreter vieler Länder, darunter die USA und die EU, äußern sich schockiert.

Spezialeinheiten der Nationalgarde sind vor Ort im Einsatz, Berichten zufolge gibt es Festnahmen. Ob und wie viele Täter bereits gefasst oder getötet wurden, ist aber nicht bekannt. Stattdessen tauchen immer wieder neue Bilder von Leichen auf und von Menschen, die in Krankenhäuser gebracht werden. «Herrgott», stammelt ein Mann, der leblose Körper auf der Straße vor den Eingängen filmt, völlig erschüttert. Westliche Botschaften hatten zuletzt vor Terroranschlägen in Moskau gewarnt.

Täter sind noch auf der Flucht

In der Crocus City Hall gibt es mehrere Veranstaltungssäle, die auch für Messen genutzt werden. Es ist eine der beliebtesten Freizeitstätten für die Moskauer und die Menschen im Umland der russischen Hauptstadt. Nach dem Anschlag bleiben in Moskau nach Behördenangaben am Wochenende Theater und Museen geschlossen. Großveranstaltungen sind abgesagt – und auch in anderen Städten werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Es war unklar, wie es trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen in Moskau und der strikten Kontrollen bei Veranstaltungen möglich war, dass bewaffnete Männer in die Crocus City Hall gelangen konnten. Konzertbesucher werden durch Metalldetektoren geführt und ihre Taschen werden gründlich durchsucht.

Ukraine weist Vorwürfe zurück

Die Band Piknik mit dem Frontmann Edmund Schkljarski stammt noch aus der Zeit der Sowjetunion. Obwohl sie sich nicht öffentlich zum Krieg Russlands gegen die Ukraine geäußert hat, geriet sie aufgrund eines früheren Auftritts auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim nach der Annexion durch Moskau in die Kritik.

Vertreter aus Kiew weisen unterdessen eine Verwicklung in die Tragödie klar von sich. «Die Ukraine hat im Unterschied zur Russischen Föderation niemals terroristische Methoden der Kriegsführung, Terrorismus als solchen angewandt», betont Mychajlo Podoljak, Berater von Präsidentenbürochef Andrij Jermak, in einer Videobotschaft.

dpa