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Spione werben für sich: Der BND sucht Nachwuchs auf Gamescom

Behörden sind schon lange auf Messen präsent – ob Bundeswehr, Polizei oder Finanzämter, sie alle suchen Nachwuchs. Inzwischen ist dort auch ein Dienst präsent, der sonst die Öffentlichkeit scheut.

Mitarbeiter des BND stehen am Gamescom-Messestand ihrer Behörde. Die Bundesbehörde zählt circa 6.500 Beschäftigte.
Foto: Oliver Berg/dpa

Deutschlands Auslandsgeheimdienst BND wirbt bei der Computerspiele-Messe Gamescom mit einem großen Stand um Personal. «Es gibt eine Schnittmenge zwischen den Besucherinnen und Besuchern der Gamescom und den Personen, die wir gern als Nachwuchs in unseren eigenen Reihen hätten», sagt Pressesprecherin Julia Linner der dpa. Man suche händeringend nach neuen Kräften. «Der Fachkräftemangel macht auch vor dem BND nicht halt.»

Die Geheimdienst-Mitarbeiter tragen auf der Gamescom im Gegensatz zu den meisten anderen Messebesuchern keine Namensschilder. Die Bundesbehörde zählt circa 6.500 Beschäftigte – von ihnen sind 4.000 in Berlin, 1.000 in Pullach bei München und 1.500 im Ausland oder anderswo in Deutschland. Beim Gamescom-Stand seien BND-Kollegen vor Ort, die «sehr praxisnah aus dem Arbeitsalltag berichten», wie es Behördensprecherin Linner formuliert. 

IT-Experten sind gefragt

Interessierte haben die Möglichkeit, spielerisch an Computern Aufgaben zu lösen – beispielsweise das Auffinden von Datensätzen, die auf einen fiktiven Terroranschlag hinweisen. Diese Aufgabe verdeutlicht das Hauptanliegen des BND: Computerexperten zu finden, die sich im World Wide Web und in der Programmierwelt auskennen.

Nach Darstellung von Pressesprecherin Linner bietet sich der BND für Gamer durchaus an, da es in der Spielewelt und in der Behörde gewisse Ähnlichkeiten gebe. «Unsere Mitarbeitenden sind computer- und technikaffin, sie begeben sich auf Missionen, schlüpfen in Rollen und nehmen verschiedene Identitäten an, um Informationen zu gewinnen – ähnlich wie Charaktere in Videospielen.» 

BND zwischen Bundeswehr und Rüstungskonzern

Aber ist es nicht ein Widerspruch, dass Spione öffentlich auftreten und sichtbar für alle für sich werben? «Das ist eine Maßnahme, die man mittlerweile ergreifen muss», sagt Linner. 

Der BND-Stand befindet sich auf der Gamescom etwas abseits des üblichen Trubels in einer Halle, in der auch andere Arbeitgeber dem Messepublikum präsentiert werden. Direkt neben dem BND befindet sich die Bundeswehr, gegenüber dem Rüstungskonzern Rheinmetall und einer Vertretung des Bundestags. Alle möchten das Interesse der Vorbeigehenden wecken.

Small Talk ist nicht unbedingt nötig

Der BND legt sich dabei besonders ins Zeug und schickt bei dem Kölner Event eine Cosplayerin ins Rennen, um die Gunst des Messepublikums zu gewinnen: Eine Frau ist als eine Art Wüstenkriegerin verkleidet – mit einem Schild auf dem Rücken, das den Schutz der Demokratie symbolisieren soll. Sie verteilt Visitenkarten, auf denen sie sich als «Operateurin AJ» vorstellt. Was AJ heißt, bleibt geheim.

Laut der Karte zeigt AJ ihre Stärke in der Kategorie Tarnung, hier hat sie drei von drei Punkten. In der Kategorie Anführerin sind es zwei von drei Punkten und im Small Talk ist es nur einer von drei. Plaudertaschen sind beim BND nicht gefragt.

Der BND war bereits 2023 auf der Gamescom, damals jedoch nur mit einem kleinen Stand. Auf Karriere- und IT-Messen ist der Geheimdienst schon seit geraumer Zeit präsent.

dpa