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Iran: Staatstrauer und Tätersuche nach Anschlag

Nach den verheerenden Explosionen am Todestag des iranischen Generals Ghassem Soleimani sind viele Fragen ungeklärt. Die Regierung ruft Staatstrauer aus und lässt nach den Verantwortlichen fahnden.

Am Todestag des mächtigen iranischen Generals Ghassem Soleimani sind in dessen Heimatstadt Kerman bei zwei Explosionen mehr als 100 Menschen in den Tod gerissen worden.
Foto: Uncredited/Tasnim News Agency/AP/dpa

Die Behörden im Iran suchen nach den Tätern und versuchen, die Hintergründe der verheerenden Explosionen mit über 80 Todesopfern aufzudecken. Sowohl die Regierung in Teheran als auch die Bundesregierung und die EU bezeichnen den Vorfall als Terrorattacke. Bisher hat jedoch keine Gruppe den Anschlag für sich reklamiert. Es wird von Experten vermutet, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) dafür verantwortlich sein könnte.

Die Vorwürfe, dass die US-Regierung in die Attacke verwickelt war, wurden von ihr zurückgewiesen. Es gibt auch keine Vermutung, dass Israel daran beteiligt war, wurde betont.

Der Anschlag fand statt, während im Nahen Osten gefährliche Spannungen herrschten: Israel, der Erzfeind Irans, kämpft gegen die Hamas im Gazastreifen und steht im Libanon Milizen wie der Hisbollah gegenüber, die vom Iran unterstützt werden.

Über 80 Tote und mehr als 280 Verletzte

Am Todestag des mächtigen iranischen Generals Ghassem Soleimani wurden am Mittwoch in dessen Heimatstadt Kerman bei zwei Explosionen mehr als 80 Menschen getötet und 284 verletzt. Dies war der Anschlag mit den meisten Opfern in der rund 45-jährigen Geschichte der Islamischen Republik.

Behördenvertreter haben die Zahl der Todesopfer von anfangs 105 zweimal nach unten korrigiert. Dschafar Miadfar, der Leiter des Rettungsdienstes, erklärte die Verwirrung über die Opferzahlen mit dem katastrophalen Zustand einiger Leichen.

Im Land mit beinahe 90 Millionen Bewohnern herrscht Staatstrauer. Die iranischen diplomatischen Vertretungen im Ausland haben die Flaggen auf Halbmast gesetzt, einschließlich der Botschaft in Berlin.

Die Beerdigung der Todesopfer soll am Freitag auf einem Märtyrerfriedhof stattfinden. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna seien mittlerweile etwa zwei Drittel der Opfer identifiziert worden, so der Gouverneur der Provinz.

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Die iranische Regierung verurteilte die Attacke auf das Schärfste, vermied jedoch Schuldzuweisungen. Der Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei und Präsident Ebrahim Raisi kündigten eine entschiedene Reaktion an. Der Innenminister Ahmad Wahidi veröffentlichte die Ergebnisse der ersten Ermittlungen, nachdem er die Anschlagsorte besucht hatte. Unter anderem wurden die Überreste der beiden Sprengsätze untersucht, die im Abstand von 20 Minuten detoniert waren.

Bereits in der Vergangenheit haben die sunnitischen Extremisten der IS-Miliz Anschläge im Iran für sich beansprucht. Der IS betrachtet die schiitische Bevölkerungsmehrheit im Iran als Abtrünnige des Islam und verachtet sie. Die Schia, eine der beiden großen Strömungen im Islam, ist die Staatsreligion der Islamischen Republik. Ein Ableger des IS ist in Afghanistan, dem Nachbarland, aktiv.

Hardliner beschuldigen Israel

Kerman ist die Stadt, in der Soleimani, der ehemalige Kommandeur der Auslandseinheiten der iranischen Revolutionswächter (IRGC), geboren wurde. Am 3. Januar 2020 wurde er bei einem Drohnenangriff der USA im Irak getötet. Er wird von loyalen Anhängern der Regierung als Märtyrer verehrt. Die Explosionen am Mittwoch ereigneten sich, als Menschenmassen auf dem Weg zur Grabstätte Soleimanis durch die Straßen der Provinzhauptstadt pilgerten.

Einflussreiche Hardliner machen unterdessen Israel für die Explosionen verantwortlich. Es gebe viele Gründe anzunehmen, «dass die Zionisten (Israel) in die terroristischen Explosionen verwickelt waren», hieß es in einem am Donnerstag publizierten Leitartikel der erzkonservativen Zeitung «Keyhan». Die Autoren fordern schnelle Rache für die Attacke. Andernfalls könnte sich ein Anschlag in der Hauptstadt Teheran wiederholen, lautete eine Warnung in dem Artikel.

dpa