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Neuer «Bundes-Klinik-Atlas» informiert über Leistungen und Qualität

Patienten finden verständliche Auskünfte zu Krankenhäusern, Daten zu Fallzahlen, Fachärzten und Komplikationsraten abrufbar.

Der Klinikatlas soll Fallzahlen zu Behandlungen an Hunderten Kliniken bereitstellen.
Foto: Robert Michael/dpa

Über Leistungen und Behandlungsqualität der Krankenhäuser in Deutschland soll künftig auch ein staatliches Vergleichsportal informieren. Dazu stellt Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) heute einen neuen «Bundes-Klinik-Atlas» vor.

„Patientinnen und Patienten sollen klare Informationen über Krankenhäuser in ihrer Umgebung erhalten. Daten zu Fallzahlen, Behandlungserfahrung, Fachärztinnen, Fachärzten, Pflegekräften und Komplikationsraten ausgewählter Eingriffe sollen für 1700 Standorte bundesweit abrufbar sein.“

Kritik von Krankenhausgesellschaft und Patientenschützern

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert das Portal als irreführend und überflüssig. «Es gibt keinen Bereich im Gesundheitswesen, der in der Qualität so transparent ist wie die Krankenhäuser», sagte DKG-Chef Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Schon seit über zwei Jahrzehnten würden im online zugänglichen Deutschen Krankenhausverzeichnis Informationen über Personal, Fallzahlen, Qualitätsdaten und Komplikationsraten aufbereitet. Der neue Atlas bringe keine neuen Erkenntnisse, verursache bei den Krankenhäusern aber mehr Aufwand und Bürokratie.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklärte, sicherlich wollten Menschen über das Leistungsangebot und die Qualität Bescheid wissen. «Doch dem Klinik-Atlas fehlen entscheidende Angaben», sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. «Die Qualität der Patientensteuerung in der Klinik wird nicht erfasst.» Nach wie vor mangele es an verbindlichen Leitlinien und Bewertungsfaktoren, die die Arbeit am und mit dem Patienten in den Blick nehmen.

Brysch wies zudem darauf hin, dass ältere Menschen deutlich häufiger stationär versorgt würden und betagte Patienten mit Mehrfacherkrankungen mehr Zeit für eine gelungene Therapie benötigten. «Die Komplikationsrate ist bei dieser Patientengruppe immer höher als im Durchschnitt.»

Lauterbach will mehr Transparenz

Der Klinik-Atlas soll eine große Reform mit grundlegenden Änderungen bei der Finanzierung und einheitlichen Qualitätsvorgaben ergänzen, die das Kabinett auf den Weg gebracht hat. Für das Transparenzverzeichnis müssen Kliniken zusätzliche Daten melden, wie ein dazu beschlossenes Gesetz vorsieht. Die Klinikbranche hatte kürzlich eine eigene Online-Übersicht ausgebaut. Auf dem seit 2002 bestehenden «Deutschen Krankenhaus Verzeichnis» sind nun etwa mehr Suchfunktionen möglich.

Lauterbach hat mehrmals betont, dass er mehr Transparenz für dringend notwendig hält. So werden etwa ein Drittel der Krebspatienten nicht an dem Ort behandelt, wo optimale Ergebnisse zu erwarten wären. Der neue Atlas soll auch gezielte Vergleiche zwischen den Angeboten in einer Region ermöglichen, wie es aus dem Ministerium heißt. Dies soll Patienten und ihren Ärzten bei der Entscheidung für eine Klinik helfen. Die Daten werden vom Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen aufbereitet. Es ist beim Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen angesiedelt.

dpa