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Studie: Sinkende Fachkraftquoten in deutschen Kitas

Die Unterschiede zwischen Bundesländern und Wohnorten sind erheblich. Der Trend zu sinkenden Fachkraftquoten setzt sich fort, da Personen aus anderen Berufsgruppen pädagogische Aufgaben übernehmen.

Die Fachkraftquote fällt regional stark unterschiedlich aus. (Archivbild)
Foto: Christoph Soeder/dpa

Der Anteil der Kitas, in denen viele pädagogisch qualifizierte Fachkräfte arbeiten, ist einer Studie zufolge in den meisten Bundesländern gesunken. Bei der Fachkraftquote – ein wesentlicher Faktor für die Qualität von Kitas – sind die Unterschiede unter den Bundesländern erheblich, wie aus dem «Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme» der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Und auch innerhalb der einzelnen Länder variiert demnach die Fachkraftquote je nach Wohnort in Städten und Kreisen deutlich.

Analyse sieht Trend zu sinkendem Qualifikationsniveau

Der Trend sinkender Fachkraftquoten setzte sich fort, da Fachpersonal fehlte und Kommunen unter Kostendruck standen – immer mehr Personen aus anderen Berufsgruppen übernahmen pädagogische Aufgaben.

Laut Analyse gab es zum Stichtag 1. März 2024 in fünf Bundesländern einen leichten Anstieg von Kitas mit hohem Fachkraftanteil, wobei Sachsen das größte Plus verzeichnete.

In allen Bundesländern werden inzwischen in unterschiedlichem Ausmaß auch Personen ohne fachliche einschlägige Qualifikation als Fachkräfte bezeichnet, wie die Stiftung kritisiert. Der Fachkraft-Begriff dürfe nicht aufgeweicht werden. Es zeichne sich eine Tendenz zur «De-Professionalisierung» ab und damit zu einer «strukturellen Absenkung des Qualifikationsniveaus».

Ostdeutsche Länder vorn und Bayern hinten

Betrachtet man die Fachkraftquote, so ist der Anteil von Fachkräften an allen pädagogisch Tätigen pro Kita in Bayern besonders niedrig – er beträgt nur 54,5 Prozent. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, liegt mit 74,1 Prozent im Mittelfeld.

Thüringen schneidet besonders gut ab – mit einem Fachkraftanteil von durchschnittlich 94,3 Prozent pro Kita-Team. In den ostdeutschen Ländern ist die Fachkraftquote mit 87 Prozent deutlich höher als im Westen, wo sie bei einem Niveau von 69 Prozent liegt.

Genauer Blick mit Hilfe von vier Kategorien

Nach Angaben der Studienautorinnen ist es aussagekräftig, wenn man in vier Kategorien unterteilt, beginnend mit einer geringen Fachkraftquote von unter 50 Prozent. Die höchste Kategorie beträgt dann 82,5 Prozent und mehr pro Kita – das bedeutet, dass mindestens 82,5 Prozent aller pädagogisch Tätigen in einer Kita qualifizierte Fachkräfte sind.

In Bayern haben die meisten Kitas unter allen Bundesländern mit einem sehr niedrigen Fachkraftanteil von unter 50 Prozent zu kämpfen – die Quote beträgt dort 31,5 Prozent, was 2.997 Kitas entspricht.

Betrachtet man jedoch eine hohe Fachkraftquote von mindestens 82,5 Prozent, so liegt Bayern mit nur 3,6 Prozent der Kitas, die diesen guten Anteil erreichen, am unteren Ende, gefolgt von Hamburg mit 14,0 Prozent. An der Spitze liegen Thüringen (89,7 Prozent), Sachsen (85,9) und Brandenburg (81,2).

Wer gilt als Fachkraft mit formaler pädagogischer Qualifikation? 

Laut Stiftung haben Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Erzieherinnen, Erziehungswissenschaftler, Kindheitspädagogen sowie Heilpädagogen und Heilerzieher einen entsprechenden Hochschul- oder Fachschulabschluss und somit die formale pädagogische Qualifikation. Der wissenschaftliche Nachweis des Zusammenhangs zwischen Fachkraftquote und Kita-Qualität wurde erbracht.

Die Regelungen, wer ohne formale pädagogische Voraussetzung in der Kita arbeiten darf, variieren je nach Bundesland stark. Die Stiftung drängt darauf, dass die Länder das Fachkraftstatut einheitlich definieren und Bund und Länder langfristig in die Qualität der frühkindlichen Bildung investieren.

Detaillierter Blick auf Kreise und Städte

Wenn man die Fachkraftquote auf Ebene der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland genauer betrachtet, zeigen sich ebenfalls signifikante Unterschiede.

Ein Beispiel: Im bayerischen Landkreis Augsburg erreichen nur 2,3 Prozent der Kitas eine hohe Fachkraftquote von 82,5 Prozent oder mehr – damit belegt der Landkreis bundesweit den letzten Platz. Den deutschlandweit höchsten Anteil (94 Prozent der Kitas) erreicht der thüringische Landkreis Sömmerda.

dpa